Latest Posts

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Gut, mein Rennrad habe ich aus wettertechnischen Gründen vernachlässigt. Aber weder Winter noch Marathontraining können eine Entschuldigung dafür sein, mein Mountainbike in der Garage hängen zu lassen. Zumal ich auch für Schnurri einen megabreiten Specialized-Sattel bestellt habe. Und schon länger spielte ich mit dem Gedanken, endlich mal an der Mädelsrunde teilzunehmen, die die Duisburger Cycle Culture Company samstags anbietet.

img_5573

Claudia, Claudia und ich sind abenteuerlustig. Und sehr sauber.

Diesen Samstag also, beschließe ich. “Regen! Schneeschauer! Arktische Kälte! Auf keinen Fall!”, beschließt mein Schweinehund. Dann weht und wütet auch noch Orkan Friederike. “Findet die Tour überhaupt statt?”, frage ich deshalb vorsichtig nach. Holger von der Cycle Culture Company schreibt zurück, dass “unser” Waldgebiet freigegeben sei und die Mädelsrunde deshalb stattfinde. “Auch bei Regen.”

Und so treffe ich in Duisburg Claudia und Claudia, die genauso nett wie fahrtechnisch versiert sind. Holger schießt noch ein Vorher-Foto, und in weniger als zehn Minuten sind wir bereits über die Autobahnbrücke hinweg gesaust und mitten im Wald. Schon nach den ersten Metern müssen wir Bäumen ausweichen, die entwurzelt auf den Wegen liegen. Friederike hat ganze Arbeit geleistet. Stöcke, Äste, Zweige, Stämme – immer wieder müssen wir uns einen neuen Weg suchen, weil wir nicht weiterkommen.

img_5568

Der Beweis: ich bin gefahren wie die Sau.

Dass Claudia die Strecke improvisiert merke ich eh nicht, weil ich absolut keine Ahnung habe, wo ich mich befinde. Könnte auch Bayern sein: Berge, Wald, grüne Hänge. “Das ist alles Duisburg?”, wundere ich mich zwischendurch dann doch. “Nee, hier ist Mülheim”, antworten die Claudias. Oder: “Das gehört zu Essen.” Ich versuche die Aussicht zu genießen, muss mich aber viel zu sehr konzentrieren, um das ganze Grün (so viel Landschaft! Mitten im Ruhrgebiet!) adäquat anerkennen zu können.

Denn merke: Mountainbiken ist anstrengend! Zumal bei komplett aufgeweichtem Untergrund. Oder wenn die letzte Ausfahrt (auf trockenen, breiten, festgestampften Waldwegen) mehr als ein Jahr zurückliegt. Wir fahren auf den Grand Canyon zu, laubbedeckt. 90 Grad runter, drei Wurzeln, 90 Grad hoch. Die Claudias flitzen runter. Und wieder hoch. Ich wähle die Option Schieben und Schlittern. Und weiter. Durch Schlammlöcher und metertiefe, lange Pfützen, nasse Wiesen und immer wieder über friederikegewehte Hölzer.

Wir halten vor einer wurzeligen, steinigen, laubigen Schlammrinne. Oh je. Da runter? Jawohl. Da runter. Claudia fragt, ob mir die “Grundposition” etwas sagt. Ich nicke erleichtert. Mein Fahrtechnikkurs liegt zwar etwas länger zurück, aber die Grundlagen sind noch da. In selbiger Position solle ich ihr einfach folgen, auch einfach über die Wurzeln fahren. Geschwindigkeit stabilisiere. Und wenn es nicht klappt – schieben. Macht ja auch nichts. Die Claudias fahren vor. Ich verteile mein Körpergewicht, versuche, nicht zu bremsen und rolle hinterher. Ich komme an! Es hat geklappt! Yay!

Mittlerweile sehe ich mit den ganzen Schlammspritzern im Gesicht aus wie das Sams, und Schnurri und meine Klamotten tragen eine Modderschicht. Das macht einen Schweinespaß! Allerdings haben die Pfützen, die wir ständig durchtauchen, für klatschnasse Füße gesorgt. Hmm, ob wir vielleicht doch bald ankommen?

img_5569

Nass, kalt und sehr dreckig. Kurz: eine gelungene Tour.

Ich fahre tapfer weiter, verpasse vor lauter auf-den-Weg-achten zwei Rehe und überlege, wo wir wohl sein mögen. Es geht jetzt ständig leicht bergab. Ein gutes Zeichen, glaube ich. Claudia warnt mich vor fiesen Querrillen. Eine sehe ich zu spät, bin aber gerade ziemlich in Fahrt. Mein Glück. Es rummst nur kurz, ich federe ab und fahre weiter. Passt doch.

Da, die gelbe Brücke und die “Keksdosen” der Uni Duisburg. Ich kenne mich wieder aus! Der Asphalt hat uns wieder. Wie einfach man hier doch fahren kann. Wenn die Autos nicht wären. Im Hof der Cycle Culture Company wartet bereits Holger auf uns.

img_5571

Fazit: 29 Kilometer, 333 Höhenmeter und ein paar Kubikmeter Schlamm.

Er schießt ein Nachher-Foto und serviert uns Pfefferminztee. Herrlich! Wir schlürfen Heißgetränke, wärmen uns die Finger an den Tassen und merken erst jetzt, dass es tatsächlich regnet und ziemlich kalt ist. Dann rollt Holger ein paar Meter Schlauch aus und befreit unsere Mountainbikes von ihrer Schlammschicht. So sauber wie selten hieve ich Schnurri in den Kofferraum.

img_5570

Gibt es auch Helme, die nicht wie halbierte Bowlingkugeln das komplette Outfit zerstören? Frage für eine Freundin.

Holger gibt mir noch Tipps fürs nächste Mal: Reifen nicht zu prall aufpumpen; Sattel (extreme Begeisterung ob dieses Sattels, übrigens!) erstmal waagerecht ausrichten und von da weiterarbeiten. A propos “nächstes Mal” – ich freue mich schon riesig auf die nächste Mountainbiketour!

 

Gestatten, Bonnie

Ich habe Bonnie in den letzten Monaten ein bisschen vernachlässigt. Ein bisschen sehr. Aus Gründen. Doch im April machen wir wieder den Niederrhein unsicher. Bis dahin bekommt Bonnie schon mal einen eigenen Blogpost, schließlich habe ich sie noch gar nicht richtig vorgestellt. Also: Bonnie – Blogleser, Blogleser – Bonnie.

bonnie-und-ich

Der DHL-Bote weigerte sich übrigens zu glauben, dass das Paket ein Fahrrad enthalten sollte: “Viel zu leicht!”

Nachdem ich im vergangenen Jahr einsehen musste, dass Nessi (Corratec RT Corones) eine Nummer zu groß für mich war, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, dass ich ein neues Rennrad brauchte. Ich wälzte ein paar Kubikmeter Rennradzeitschriften (wenn ich nicht gucke, versucht C. sie als „Altpapier“ deklariert in die Mülltonne zu schmuggeln) und verlor mich recherchierte in Rennradinternetforen.

Mein Vorteil: dank des fantastischen Bikefittings bei Ralf Kleckers wusste ich buchstäblich auf den Millimeter genau, wie mein zukünftiger Renner gebaut sein und worauf ich achten sollte. Meine Wahl fiel deshalb auf ein Rennrad von Rose (Rose Xeon Team GF-300/Ultegra) Bezahlbar! Top-Qualität und Ausstattung! Toller, kompetenter Service! Und vor allem konnte ich direkt meine Sonderwünsche (z.B. den Ritchey Steem Lenker, gaaanz schmal) konfigurieren.

bonnie

Ich vertrieb mir die Wartezeit damit, dieses Foto anzustarren und mir herrliche Touren auszumalen.

Dann kam der schlimmste Teil des Rennradkaufs: das Warten. Eeeendlich, irgendwann im April, erreichte mich schließlich ein großes, federleichtes Paket. Bonnie! Noch in der Agentur drehte ich stolz und glücklich grinsend eine Runde zwischen den Regalen. Fantastisch! Und so schön! Ich radelte verliebt nach Hause und meldete mich direkt, wie mit Ralf vereinbart, zum Bikefitting an.

“Perfekt, das sieht doch gleich ganz anders aus”, begrüßte er mich, noch bevor er mit seinen Lasermessschwertern hantieren konnte. Pedalen, Spacer, Lenker – Ralf kümmerte sich um das Feintuning, montierte den Sattel, den er mir empfohlen hat (in der Konfigurierung bei Rose leider nicht zu haben, deshalb bei bike24 bestellt) und guckte so zufrieden wie ich mich fühlte, bevor er uns auf die Straße entließ.

126193_03_c

I found my Sattelglück! (Foto: bike24)

Ich flitzte kittelgleich nach Kempen und präsentierte C. mein Rennrad. Er lobte alles sehr fachgerecht, dann blieb sein Blick am Sattel hängen. “Hast du dir da einen Spaten drangeschnallt?” Zugegeben, die länglichen Sattel sehen etwas schnittiger aus. Aber das hier ist das beste, bequemste und tollste Teil ever, auf dem mein radelndes Hinterteil je Platz genommen hat! Und dann noch die Carbon-Sattelstütze! Ich feiere das mal in einem Klischee ab: Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Genau wie Ralf es vorhergesagt hat (“Mit einem richtig eingestellten Rad wirst du locker zwei Kilometer pro Stunde schneller”) bin ich tatsächlich schneller geworden. Ich bringe mehr Energie auf die Straße, denn ich muss nicht mehr irgendwelche Körperteile in Position rücken oder meine Schultern zusammenkrampfen, weil meine Hände auf den weit entfernten Bremshörnchen liegen. Und ich kann mich so richtig in den Unterlenker hängen.

Exif_JPEG_PICTURE

Auch wenn es Bonnie mir sehr leicht macht, treten muss ich immer noch selber. Zum Beispiel beim 1. Kendel Radrennen in St. Hubert. Ächz. (Foto: Ehrenflamingo Martin)

Inzwischen habe ich zirka 2000 Kilometer auf Bonnie zurückgelegt. Hoch, runter, weit, kurz, schnell, sehr schnell. Mein Fazit: Fantastisch! Und falls Ihr Euch wundert – nein, Rose bezahlt mich für diese Lobhudelei nicht (ähm, Ihr Bocholter, falls Ihr mitlest: ich teste aber gern mal einen Crosser für Euch. Oder habt Ihr ein Team? Ich fahr mit! Voll schnell, versprochen!)

P.S.
Und das Aussehen?! Bonnie ist matt schwarz und die Lackierung sehr unempfindlich. Außerdem ist das Rad so leicht, dass sich mir die Carbon-Alu-Gretchenfrage erst gar nicht gestellt hat. Zudem befindet sich die hintere Bremse hübsch versteckt recht weit unten am Rahmen, für den cleanen Look.

bildschirmfoto-2018-01-12-um-10-25-16

Und zu schwarz kann man ja alles tragen. #sockdoping #buyallthesocks #idid

 

“Ich kann alles am besten!”

Dieser Satz ist ein Insider zwischen C. und mir. Er bezieht sich auf mein ebenso grenzenloses wie unbegründetes Selbstbewusstsein, das ich an den Tag lege, wenn es darum geht, etwas zu können. Diese Worte zitiert C. stets, wenn ich wieder mit irgendeinem Unfug ankomme – Marathon laufen, ein Kriterium fahren, einen Triathlon machen. Einen Triathlon?! Na klar, kann ich! Sofort anmelden! Da spricht doch alles dafür: Ich fahre super Rennrad! Laufen kann ich auch! Ich liebe Schwimmen! Heimvorteil! Mehrere Freundinnen machen ebenfalls mit! Außerdem hat Maren gesagt, Triathlon sei toll! C. rollte noch mit den Augen, als ich längst meine Startnummer (13!) für den Eyller-See-Triathlon in Aldekerk im vergangen Juli in den Händen hielt.

fjyzbswelqzbperog6nb3ufainsi7jfq5czsi3kyar4-2048x1480

Falls alles schiefgeht, habe ich eine hervorragende Ausrede.

Ich wähne mich bestens gerüstet: Während der sonnigen Monate fahre ich mehrmals in der Woche Rennrad. Meist sogar schnell. Jeden Mittwoch rackere ich mich unter Ehrenflamingo Martins strenger Aufsicht auf der Tartanbahn ab. Ab und zu gehe ich ins Freibad und kraule vergnügt durch die Fluten.

img_4979

Ich passe bei der Streckeneinweisung strebermäßig auf. Daran soll es nicht scheitern.

Außerdem schwimme ich, als Generalprobe sozusagen, mit einer triathlonerfahrenen Freundin von den Ciclisti eine Runde durch den Eyller See. Bisschen trübe, aber warm. Und mein Radelanzug/Triathlonanzug in spe sitzt auch. Dann lese ich mich zur Sicherheit noch durch sämtliche triathlonrelevante Blogs (und ignoriere dabei großzügig den Begriff “Koppeltraining”). Das dürfte an Vorbereitung genügen. Ich packe sehr viele Quetschbeutel in meine Tasche, pumpe Bonnie auf und los geht’s.

Am Eyller See, ganz bei uns in der Nähe, sind erstmal Plaudern und Wiedersehensfreude angesagt. Denn neben Rebekah und Saskia von den Ciclisti sind auch Julia und Naomi mit von der Partie. Alle haben schon mindestens einen Triathlon hinter sich und gehören zur äußerst fixen Fraktion.

img_4994

Während Naomi wunderbar entspannt lacht, ziehe ich nervöse Grimassen. (Das Foto stammt von meinem ehemaligen Redaktionskollegen, Gerhard Seybert. Danke, Gerry!)

Damit ich Bonnie später im Gewusel wiederfinde, merke ich mir (wie auf einschlägigen Blogs empfohlen) unseren Standort ganz genau. Angesichts der Tatsache, dass dieser Triathlon eher klein und gemütlich-familiär ausfällt, war das eventuell ein bisschen übertrieben. Zumal ich Schuhe und Co. auf einem nicht zu übersehenden, himmelblauen Pandabär-Badehandtuch drapiere (besonders ordentlich übrigens, zwecks besseren Handlings später).

2017-07-15_aldekerk2-400x300

Bonnies knallpinke Bidons bieten auch einen ziemlich guten Anhaltspunkt. Das Foto stammt von Silke Cosler vom Brander SV, auf deren Foto ich mich zufällig wiedergefunden habe.

Ich finde mich ein bisschen dämlich, weil ich noch kein einziges Mal die Kombination Kontaktlinsen-Schwimmbrille getestet habe. Premiere also. Naomi und ich stratzen in den lauen braunen See, wegen der Wassergewöhnung, und damit ich stundenlang an meiner Brille fummeln kann. Irgendwann hat sie sich, wahrscheinlich für immer, an mein Gesicht gesaugt. Ich hoffe, der Startschuss fällt bald, denn mit jeder Sekunde beschlägt die Brille stärker.

img_4991

Ich renne fröhlich ins Verderben.

PENG! Ich laufe allen anderen blindlings hinterher, im wahrsten Sinne des Wortes. Mein sorgfältig ersonnener Plan sieht vor, erst ein paar Züge Brust zu schwimmen, wegen des zu erwartetenden Gemetzels beim Start, um dann meinen Kraulrhythmus zu finden. Zur Entspannung will ich nur auf der Schokoseite (links) atmen, aber zur Orientierung ab und zu hochblicken.

Als ich endlich ein bisschen Platz habe (Spoiler: sehr weit hinten) fange ich an zu kraulen. Doch bevor ich auch nur ansatzweise in so etwas wie einen “Rhythmus” verfallen könnte, habe ich Schnappatmung. Auch psychisch. Ich sehe nichts! Wasser im Mund! Ich werde sterben! Ich reiße mir die Schwimmbrille vom Gesicht. Ein Wunder! Ich kann wieder sehen – aber leider nicht mehr kraulen, weil wegen Wasser überall. Also Brust. Meine spontan erworbene Abneigung gegen Wasser im Gesicht hindert mich leider an der Ausführung korrekter Schwimmzüge. Ich gehe dazu über, mich großmuttermäßig und mit giraffenhaft gestrecktem Kopf vorwärtszuächzen und versuche, Augenkontakt mit dem DLRG-Paddler herzustellen, weil ich bestimmt gleich wiederbelebt werden muss.

dsc_0042

Immerhin: Ich weiß jetzt, wie sich Walrösser fühlen, wenn sie sich an Land wälzen.

Irgendwann ist Land in Sicht. Land! Alle zwei Zentimeter stoppe ich und probiere, ob ich bereits mit den Füßen den Boden berühre. Ha! Zwar auf Zehenspitzen, aber da ist er. Also “laufe” ich die letzten Meter und muss mich beherrschen, nicht auf die Knie zu fallen, um weinend die Erde zu küssen. Jetzt wird alles besser, denn gleich darf ich Rennrad fahren. Leider gibt es ein Problem. Wie komme ich vom Strand zu Bonnie? Am Liebsten würde ich auf allen Vieren vorwärts kriechen. Das macht aber sonst niemand. Waren die alle im Höhentrainingslager? Die Option scheidet also aus. Ich wähle die Variante “Schleichen wie ein Faultier”.

Exif_JPEG_PICTURE

Aktive Schwimmtrauma-Verarbeitung auf dem einzig wahren Sportgerät.

Einen Vorteil hat mein Versagen: Ich muss Bonnie nicht lange suchen. Ich sause los. Yay! Ich trete in die Pedalen, winke meinen pfeifenden und fotografierenden Fans (C., Ehrenflamingo Martin, Mama und Papa, Marder Manfred) und fange an, andere Radler zu überholen.

img_4997

Natürlich habe ich auch massig Fans. Beispielsweise Manfred, den Marder.

Warum eigentlich vorher Schwimmen, wenn Rennrad fahren allein so glücklich macht? Ich sinniere vor mich hin, als ich plötzlich C. höre: “Da vorne ist Naomi, komm, die kriegst du noch!” Muhahaha, denke ich, ziehe an und überhole sie kurze Zeit später tatsächlich. Die Freude währt natürlich nicht lange.

Fast forward auf die Laufstrecke: Nach wenigen Metern rast Naomi gazellengleich an mir vorbei. Lächelnd, wie immer. Ich fühle mich wie ein Elefant, stampfe aber vergnügt weiter. Inzwischen haben Julia und ich uns auf der Strecke gefunden, und wir absolvieren die letzte Runde gemeinsam.

img_4995

Julia und ich beweisen: Triathlon macht Spaß.

Die Aussicht, dass die Strapazen gleich ein Ende haben, machen uns auf den letzten Metern noch ein bisschen schneller. Die Stimmung ist fantastisch, meine Mutter bläst munter in eine Trillerpfeife, die einst meinem Urgroßvater gehörte, der damit Züge am Duisburger Bahnhof zum Weiterfahren brachte, sodass auch das Kerkener Umland in den Genuss der Triathlon-Atmosphäre kommt.

Nach 1:21:44 (zeitgleich) bekommen wir, was wir verdient haben: Schorle, Kuchen und eine Massage. Fazit: Geil! Aber bitte nie wieder.

P.S.
“Nie wieder” hieß immerhin knapp zwei Monate. Dann habe ich mich beim Weseler Triathlon an den Start gewagt.

 

 

Call me Kittel!

Ich schmeiß alles hin und werde Radprofi! C. weiß es noch nicht, und ein Team habe ich auch noch nicht gefunden. Aber mit diesem Artikel wird sich beides ja ganz schnell ändern. Jedenfalls: Bonnie und ich sind am 3. Oktober nach Münster gefahren, um am weltberühmten Münsterlandgiro teilzunehmen. Ehrenflamingo Martin und unser Freund Peter waren mit von der Partie.

fullsizerender-1

Ich trage eine schicke Mütze und werde auch noch schick umrahmt.

Zunächst verhielt ich mich jedoch sehr unprofessionell (interessierte Teams wie Katusha Alpecin oder BORA-hansgrohe – diesen Absatz jetzt bitte überspringen). Nachdem ich meine Startnummer an meiner neuen, flamingopinken Jacke gefixpointed und an Bonnies schmalen Lenker geknüpft habe, musste ich noch den Transponder für die Zeitmessung an der Gabel befestigen. Dank der im Starterset befindlichen Kabelbinder war auch das kein Problem. Super, wir können losrollen! Theoretisch. Praktisch habe ich den Transponder nicht nur an der Gabel, sondern auch an einer Speiche festgezurrt.

fullsizerender-5

Eine große Schmach in meiner Radsportkarriere.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass Ehrenflamingo Martin in seinem Auto stets eine umfangreiche Werkzeugsammlung und Tape mitführt. Zudem tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich demnächst als Radprofi solche profanen Aufgaben nicht mehr selbst erledigen muss. Es könnte auch eventuell sein, dass mich dieses Schicksal nicht als einzige ereilte.

Doch danach ging es auf meiner “Feeling like a Radprofi”-Skala stetig aufwärts. Allein das Gefühl, im Startblock D der 95-Kilometer-Strecke ganz hinten zu stehen fand ich wundervoll. Überall Menschen, die genauso gerne Rennrad fahren wie ich. Die Polizei dirigierte selbstherrlich Autofahrer vondannen, und wir hörten den Countdown, …möööp… wir fahren!

sportograf-110261894

Meine neuen Strava-Freunde. (Foto: sportfotograf.com)

Und zwar im Sonnenschein, auf trockenen und gesperrten Straßen! Darüber hatte ich vorher gar nicht nachgedacht. Kein Auto weit und breit! Stattdessen: Polizeimotorräder, Notarztwagen (die leider ein paar Einsätze hatten) und Technischer Service. Freie Bahn! Rennrad rulez! Endlich kann ich ballern!  Und wir ballern! Pedalieren! Überholen! Treten! Flitzen! Sehr geil. Irgendwann pendeln wir uns mit einer kleinen Gruppe ein, und wir wechseln uns mit Windschatten geben ab. Ich auch, allerdings lässt das Gesamttempo dann immer ein wenig nach. Dafür ziehe ich bei Rückenwind ein längeres Stück und hoffe, dass das auch gilt.

sportograf-110208609

Ehrenflamingo Martin gibt alles, damit ich gut wegkomme. (Foto: sportfotograf.com)

Weitere Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich mich fühlte wie bei der Tour de France:
Die Zuschauer.
Sie jubeln, tröten, klatschen, rufen und scheinen komplett vergessen zu haben, dass sie eigentlich ruhige, sture Münsterländer sind. Ich winke dauernd begeistert zurück, muss dies aber aus Sicherheitsgründen bald unterlassen. Leider.
Der Zwischensprint.
Ich habe zwar nicht ganz geblickt, ob der 1000 Meter lang ist, in 1000 Metern anfängt und wenn ja, wo. Ich bin einfach weiter schnell gefahren.
Die Verpflegungsstation.
Wie jetzt? Absteigen und Eierwaffeln essen wie bei einer RTF? Nichts da! Am Straßenrand standen mutige Helfer und streckten uns Bananen und Müsliriegel entgegen, die es galt, während der Fahrt möglichst elegant und komplett zu erhaschen. “Mein” Helfer lebt noch, und (Achtung, Team in spe) ich glaube, dass ich Musettes sogar noch leichter ergreifen könnte. Profipotenzial also!
Erwähnte ich die gesperrten Straßen?

sportograf-110261897

Windschatten lutschen tat zwischendurch ganz gut. Ich gebe es zu. Aber das macht man doch so als Teamkapitänin, oder? Oder?! (Foto: sportfotograf.com)

Ich habe heute wirklich gute Beine! Ob das mein Marathontraining macht? Jedenfalls trete ich durch und wenige Kilometer vor dem Ziel wird das Tempo nochmal deutlich schneller. Dann taucht ein Schild auf: “Noch 20 km”.

sportograf-110257562

Ich wie ich mich saumäßig quäle. (Foto: sportfotograf.com)

Ich möchte völlig unprofessionell zusammenbrechen. Eventuell weinen.
“Das Schild gilt nicht für unsere Strecke”, sagt Martin, während er an mir vorbeizieht, um mich für den Schlussspurt mitzunehmen. Oh.

sportograf-110241043

Geschafft! Aber total! (Foto: sportfotograf.com)

Und dann rasen wir auf das Ziel zu! Links und rechts Werbebanden und dahinter jubelnde Zuschauer. Da muss man doch Profi werden wollen! Nach 2:57 h piepst der an die Gabel getapte Transponder, und wir rollen in die Chillzone. Ich bin völlig euphorisch, auch wenn meine Zeit das nicht hergibt (liebes zukünftiges Team: das wird besser, weil ich ja bald nur noch trainiere). Meine Platzierung und mein gefühlter Einsatz decken sich nicht.

fullsizerender

Nach der Zieleinfahrt ist vor dem Start 2018. Mission “Da geht noch was”.

Aber das ist völlig wurscht. Es hat so unfassbar viel Spaß gemacht, auf dieser tollen Strecke, bei dieser genialen Stimmung und dieser fantastisch organisierten Veranstaltung zu fahren! Wir umarmen unsere Mitfahrer und bedanken und beglückwünschen uns gegenseitig. Dann taucht noch die ganze Düsseldorfer Gang auf. Na klasse!

fullsizerender-3

Jan und Maren sind die 65 Kilometer geflitzt und Christian war uns auf den 95 meilenweit voraus. Darauf Bier und Cola!

Wir füllen unser Kalorien- und Kohledydratdefizit  (Martin reicht sogar Flamingomuffins) und fachsimpeln über Strecken, Räder und Zeiten. Und Ziele. Meins: Radprofi werden. Bei jedem Rennen solche Bedingungen, da bin ich dabei. Falls das nicht klappt sofort klappt, macht nix. Hauptsache, ich bin im nächsten Jahr wieder am Start!

P.S. Tiersichtungen
– sehr viele hübsche Hunde

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Geht in die Hose. Teil VII.

Genaugenommen wollte ich gar keine neue Radhose kaufen. Aber dann ist es doch passiert. Wirklich zufällig! Alles begann damit, dass ich mir im Rapha-Sale ein hübsches Trikot gegönnt habe (Das dunkelblaue mit den zwei Streifen, Ihr wisst schon. Das, das jeder hat). Dann fiel mir auf, dass es nicht perfekt zu meiner Radhose passt. Das geht natürlich gar nicht.

bildschirmfoto-2017-09-05-um-13-34-32

Die Farbe nennt sich übrigens navy. Der Beinabschluss ist wunderbar pink – hier ein bisschen schlecht zu sehen. (Foto: Rapha)

Außerdem, so redete ich mir (naja, in erste Linie C.) den Kauf schön, führe ich doch so viel Rennrad, da brauche ich dringend eine weitere Hose, bla, immer nur waschen doof, blabla, in gutes Material investieren, blubb, und schau, wie hübsch sie ist! Aufgrund der Farbe und des bodyartigen Schnitts bestellte ich also munter drauflos:

Produkt
Women’s Brevet Bib Shorts von Rapha, Größe S (eher eine Nummer kleiner wählen)
Model
Radflaminga Annette

Fazit
Oh. Yeah. Sie sitzt ganz wunderbar! Obenrum: perfekt! Untenrum: fantastisch. Sie schmiegt sich angenehm eng an den Körper, und ich bilde mir sogar ein, dass sie der Figur schmeichelt. Vielleicht machen mich die dezenten pinken Unterlegungen und die weißen, reflektierenden (!) Punkte auch ein bisschen schummrig. Übrigens mag ich es sehr, wenn etwas reflektiert. Ein Argument, das ich C. vortrug: “Ich kaufe die Hose für meine Sicherheit! Das ist sehr tüchtig im Straßenverkehr! Ich werde besser gesehen.”

Wer vom vielen Radfahren coole Oberschenkelmuskeln entwickelt hat, könnte eventuell Probleme bekommen, weil die Hose am Bein recht eng sitzt. Bei mir aber noch ganz angenehm. Allerdings ist sie etwas länger als meine geliebte Protective-Hose. Schreck! Ich werde ein tanline-Problem bekommen. C. sah das übrigens als Vorteil: “Jetzt kommt ja der Herbst, dann passt das doch.”

Meine Abschlussbemerkung: Das Material fühlt sich wirklich sehr hochwertig an. So. Damit sollte ich mich als Rapha-Ambassador qualifiziert haben.

image

I’m a sucker for reflektierende weiße Pünktchen.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: unverhältnismäßig! (210,00 Euro!) Sind da Goldfäden eingewebt?
Passform: herausragend
Polster: sehr gut (nicht zu dick, schwarz)
Umwelt: ich hoffe das Beste
Werbung: leider cool
Bestellabwicklung: sehr gut (direkt über den Shop)

Links
www.rapha.cc

Merken

Merken

Merken

Ein Klassiker

A wie Anmeldung
“Hat noch jemand Lust, beim LBL Ardennen Klassiker im August mitzufahren?”, fragte Nicole Beatriz in der Rennradfrauengruppe auf Facebook. Also Lüttich-Bastogne-Lüttich! Voll cool! “Ich!”, schrieb ich also und meldete mich sofort an. Danach checkte ich den Streckenverlauf: 125 Kilometer und 2200 Höhenmeter. Herr im Himmel, hilf! Schick Beinmuskeln! Und Realitätssinn, falls ich mich jemals wieder für irgendeinen Quatsch anmelden will. Ich wage keinen Rückzieher, weil ich überall herumposaune, wie sportlich ich sei. Außerdem scheinen meine Mitfahrerinnen sehr nett zu sein.

bildschirmfoto-2017-08-13-um-18-28-33

Wer nicht vorher lesen will, sollte Nairo Quintana sein.

B wie Belgien
Immerhin: meine Mitfahrerinnen Nicole, Fatma, Dani, Beatriz und Veronique sind wirklich total nett. Wir gönnen uns am Freitagabend in Lüttich (die Stadt, die auf meiner Hässlichsten-Städte-der-Welt-Rangliste den ersten Platz belegt) eine Pizza und fühlen uns wie bei einer Klassenfahrt. Aber nur bis Samstagmorgen um 6 Uhr. Dann stehen wir nämlich auf, damit wir pünktlich losrollen können.

Bonnie hat vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühlte mich damit sehr professionell.

Bonnie trägt vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühle mich sehr professionell.

Gestern herrschten tolle Radfahrbedingungen: Bedeckt, windstill, 18 Grad. Für den Großen Tag ist eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 bis 99 Prozent angesagt, je nach Wetter-App. Um 8 Uhr stehen wir am Start, und natürlich beginnt es zu regnen. Dünne, leichte Tropfen. Aber davon viele. Und stetig mehr. Und dann eine Regenwand, die waagerecht auf uns zukommt. Aber alle tragen es mit Fassung und finden den Regen genau so bescheuert wie ich. Meine Laune ist gut, meine Füße trocken, mir ist warm, es geht sanft bergab, und die Landschaft außerhalb von Lüttich ist wirklich wunderschön. Soweit ich das durch die Dunstschwaden erkennen kann. Herrlich also.

image

Lüttich, 8 Uhr, leichter Regen. Die Helme sitzen.

C wie Chillig ist anders
Herrlich bis Kilometer 3,4. Anstatt dass meine Füße nach und nach feucht werden, wie ich es mir ausgerechnet hatte, ergießen sich auf einmal mehrere Liter Wasser mit einem Schwall in meine Schuhe. Immerhin nicht kalt. Und meine Wind-Schrägstrich leicht wasserabweisende Jacke hält sogar noch bis Kilometer 10. Ich bin komplett nass. Jetzt ist auch alles egal. Noch 115 Kilometer. Wann kommen eigentlich diese Steigungen, vor denen ich mich so fürchte (und deretwegen ich im Toskanaurlaub aus Übungszwecken Berge unter größter Hitzschlag-Gefahr hochgeächzt bin)?

D wie demoralisierend
Oh. Hier. Ich versuche recht erfolgreich keine Schlangenlinien zu fahren. Dass ich überhaupt fahre, gleicht einem Wunder. Vielleicht doch ganz gut mit dem Wetter, denke ich. Bei Hitze bin ich zum Bergauffahren kaum zu gebrauchen. Dann geht es bergab. So ein Mist mit dem Wetter, denke ich. Einmal auf dem nassen Asphalt wegrutschen und ich bleibe länger in Lüttich als mir lieb ist.

img_5058

Das ist ja der Gipfel! Dani, ich und die halbe Nicole freuen uns darüber sehr.

Die Anstiege haben eine Zeitmessung, und oben warten schon Dani und Nicole. Letztere legt eine fantastische Gesamtzeit bei den Frauen hin. Da ich ihre Strava-Aktivitäten heimlich gestalkt habe, wundert mich das nicht: “Acht mal Schweineberg hoch und runter”, steht da zum Beispiel. Und sie verrät, dass ein älterer, passionierter Rennradler sie und ein paar Freundinnen ab und zu trainiert: “Hände flach auf die Bremshörnchen legen und ab, den Berg hoch! Schön aus der Hüfte arbeiten.”

img_5053

Die Folgen der Ardennenschlacht

An der Verpflegungsstation tropfen alle vor sich hin und frieren. Wir beschließen, abzukürzen. So richtig toll ist das nun doch nicht. Warum ich Bonnie nicht in den Graben schmeiße, “Scheißregenbergekeinbock!” brülle, erschließt sich mir nicht. Ich kurbele fast fröhlich vor mich hin, irgendwann ganz allein. Es ist alles sehr grün, und manchmal hört es sogar auf zu regnen. Und manchmal wird es sehr steil. Die Schwerkraft zieht mich am Côte de la Combe nach unten, und ich eiere in eine halbwegs ebene Hauseinfahrt, um mich panisch auszuklicken. Und zu schieben. Aber sonst geht’s.

img_5054

Nicole und Veronique lachen die Strapazen einfach weg.

E wie am Ende
Mein Garmin zeigt 99 Kilometer und 1800 1824 Höhenmeter an, als ich über die Ziellinie rolle. Ich bekomme eine Kappe und eine Medaille! Meine erste überhaupt.

img_5045

Sehr nass, sehr erschöpft und ziemlich stolz.

Als ich sie später C. zeige, guckt er anerkennend, glaube ich. Ich verrate ihm nicht, dass jeder eine Medaille bekam und trage sie sogar beim Abendessen.

PS. Tiersichtungen
– 1 Fuchs (tot)
– 1 Esel
– mehrere Zwergseidenhühner

img_5047

Unser Jubel ist gerechtfertigt. Yay!

Merken

“Schneller, schneller, wie ein Propeller!”

Mittwoch auf Facebook:
Maren von Ich hasse laufen nimmt an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Den Radflamingos gefällt das.
Nachricht an Maren: “Mensch, klasse. Wer kommt alles mit?”
Nachricht an die Radflamingos: “Du!”
Natürlich. Was frage ich auch so blöd.

img_4951

Ein Kriterium fahren?! Klar, super Idee. Nicht, dass uns noch langweilig wird.

Donnerstag auf Facebook:
Die Radflamingos nehmen an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Ichhasselaufen.de gefällt das.
Nachricht an Maren: “Also ich wär der Marcel und du wärst der John.”
Nachricht an Maren: “P.S. Hilfe!”
Nachricht an die Radflamingos: “Nico sagt, wir müssen einfach gut in die Kurven kommen und dann hart antreten. Und wir sollen uns darauf einstellen, dass es anstrengend wird.”
Na dann. Klingt ja total einfach. 

img_4940

Ich habe mich vorsichtshalber ganz hinten angestellt. Am Rand.

Freitag im real life, Krefeld-Bockum:
34 Fahrer und drei Fahrerinnen. Ich fühle mich jetzt schon langsam. Alle sehen sehr professionell aus. Sogar die Zuschauer. An der 900 Meter langen Strecke in einem Wohngebiet haben die Anwohner Bierbänke, Tische, Gartenstühle, Grills und Fähnchen in ihre Vorgärten geschafft. Tour-de-France-Stimmung!

img_4939

Noch wenige Sekunden bis zum Start

Ich mache mir extrem viele Sorgen (sie haben alle etwas mit Asphalt zu tun) und lächele betont tapfer. Es hilft ein bisschen, dass der Ansager wenige Sekunden vor dem Start verkündet, dass Marcel Kittel soeben seinen dritten Etappensieg eingefahren hat. 40 Runden muss ich fahren. 38 Kilometer. Ich denke, dass ich schon sehr oft mehr als 38 Kilometer gefahren bin, außerdem denke ich, dass ich von den Regeln dieses Rennens gar keine Ahnung habe, und dann höre ich nur “…3, 2, 1 …los!”

img_4946

Ein sehr schmeichelhaftes Foto, denn zufälligerweise befinden sich gerade zwei Fahrer hinter mir

Auf keinen Fall möchte ich mir bereits auf den ersten paar Metern die Blöße geben, einsam hinten als Letzte zu fahren und schicke mich deshalb an, das Tempo der Gruppe mitzuhalten. Diesen Plan halte ich eine Runde durch. Ich muss einsehen, dass es keine gute Idee ist, mit 37 km/h durchballern zu wollen. Noch 39 Runden. Stirbt man eigentlich wenn man einen monsterhohen Puls hat? Maren ist meinem vernebelten Sichtfeld bereits entschwunden.

img_4942

Ob Maren heimlich geübt hat?

Ich bin mehrere Runden damit beschäftigt, langsamer zu fahren und trotzdem in den Kurven hart anzutreten. Gott sei Dank finde ich zwei Fahrer, denen es ebenso geht wie mir, und wir spenden uns abwechselnd Windschatten. Wir sind ganz hinten. Die Letzten. Es fällt eventuell nicht ganz so auf, weil es ja ein Rundkurs ist. Und: die Zuschauer jubeln uns zu, als wären wir Tony Martin in der Zielgeraden beim Einzelzeitfahren.

img_4948

Das Auto im Hintergrund bedeutet: Überrundung

Nach vier Kilometern falle ich vor Schreck fast von Bonnie: “Huuuup!” Das Führungsfahrzeug kommt herangesaust und bereitet den schnellsten Fahrern Platz. Die erste Überrundung. Egal. Ich habe mich eingegroovt, habe schon eine Lieblingskurve und  fahre außerdem nicht allein. An einer Ecke steht ein kleiner Junge, der mir jedes Mal begeistert zuruft “Schneller, schneller, wie ein Propeller!” Weil dann eine schöne, lange Gerade folgt, nehme ich mir seinen Vorschlag immer zu Herzen.

img_4943

Es hat mich ein bisschen beruhigt, dass alle anderen auch ziemlich gequält geguckt haben.

Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Rücksichtslos. Tatsächlich ist es einfach nur schnelles Gruppenfahren (wenn man es denn schafft, an einer Gruppe dranzubleiben), und alle haben gute Laune. Die Düsseldorfer, die ebenfalls mitfahren, feuern mich sogar ab und zu an. Also jedes Mal, wenn sie mich überholen. Aber es ist in der Tat anstrengend. Meine Zunge schleift am Boden. Ich ignoriere die enttäuschend niedrige Kilometeranzahl auf dem Garmin und überlege, wie peinlich es wäre, eine kleine Pause am Getränkestand einzulegen.

img_4941

Ich wie ich Körner lasse

Zu peinlich, entscheide ich und trete weiter. Jede Runde, immer gleich: Windschatten auf der Geraden. Kurve. Hart treten. Wieder in den Windschatten. Schlaglöchern ausweichen. Vorsausen, auch mal ein bisschen spenden. Den Wind verfluchen. Quäl dich du Sau. Oh Gott, der Grill stinkt. Das war Maren. Wie kann die so schnell sein? Krass. Komisch, dass es trotzdem Spaß macht. Das ist kein Hallensport. Dranbleiben. Bleib dran.

img_4947

Frederick hat nicht nur coole Socken, sondern fährt auch ziemlich schnell.

Ich bleibe dran. Ich habe gute Laune. Allerdings bin ich so geschafft, dass ich eine Gänsehaut habe. “Letzte Runde”, sagt der Ansager, als ich mit “meinen” Fahrern den Startbereich durchquere. Wie? Warum? Ich habe doch erst 25 Kilometer. Sollte meinem Leiden etwa durch mir unbekanntes Regelwerk frühzeitig ein Ende gesetzt werden? Halleluja! Vorsichtig frage ich nach. Ich verstehe nur, dass dies tatsächlich unsere letzte Runde ist. Na aber dann! Rasch ins Ziel sprinten!

img_4945

Ich bin am Ende

Ich gebe Gas, die beiden überholen mich doch noch (knapp) und wir lassen uns noch ein Ründchen ausrollen. Ich winke den Zuschauern zu und Naomi, die plötzlich am Rand steht (“Du sollst fahren, nicht winken!”), steige schließlich ab und schiebe auf dem Gehweg zurück, während der flinke Rest weiter kämpft.

img_4950

Zieh, zieh – und gewonnen! Mit einem Durchschnitt von knapp 42 km/h (ähem, das sind zehn Stundenkilometer mehr als bei mir. Ächz!)

Irgendwo treffe ich Maren, wir tanken Cola und freuen uns, weil das Rennen so cool war. Außerdem ist sie Erste geworden und ich Zweite. Also bei den Frauen, genau genommen. Bei den Männern gewinnt Ralf Wörmer vom Team FC Deutsch Post. Glückwunsch! Aber Frauenwertung ist Frauenwertung, finden wir und richten uns darauf ein, gleich auf die Stockerl-Plätze zu treten.

img_4949

Schnell fahren lohnt sich. Die Pokale glitzerten verheißungsvoll

Doch daraus wird nichts. Frauen sind bei Rund um Bockum absolut gleichberechtigt, erfahren wir. Wie bei “anderen Sportveranstaltungen auch”. Wir müssen wohl schneller fahren. Oder vielleicht müssen mehr Frauen antreten?

Das Podest war in Sichtweite

Das Podest war in Sichtweite, immerhin

Egal. Hauptsache Spaß. Ich weiß auch schon, wie ich beim nächsten Rennen schneller werden kann. Ehrenflamingo Martin hat da einen Tipp für mich (und wird mir wahrscheinlich mehr bei der Umsetzung helfen als mir lieb ist): “Mehr Training.”

P.S. Tiersichtungen (!)
– ein hübscher, bunter Hahn, der absichtlich langsam vor mir über die Straße stolziert

PPS. Die Fotos
Die sind natürlich der Hammer. Richtig genial. Und deshalb sind sie auch nicht von mir, sondern von Christian Siedler, der Sportfotograf ist. Besucht unbedingt seine Seite!  Danke, dass ich die Fotos hier benutzen darf.

Radsport is great again!

Ich heiße Annette und habe ein Radsportproblem. Sogar C., der höchst rennradaffin ist, wünscht sich manchmal, ich würde das Thema wechseln. Keine Chance. Die Tour, der Grand Départ war hier! In Düsseldorf! Und ich hautnah dabei. Ich bin immer noch vollkommen geflasht.

img_4798

Ich wie ich mein Radsportproblem auslebe.

Vom 29. Juni (Teampräsentation) bis zum 1. Juli (Einzelzeitfahren) war ich als Tourmaker in Düsseldorf unterwegs – zusammen mit Maren von ichhasselaufen (der ich jetzt einfach auch mal ein Radsportproblem unterstelle).

Was mich zuerst fasziniert hat, waren gar nicht die Räder, Tourbusse, Fahrer, Hubschrauber, Tourautos und Ausrüstungslaster, sondern die Tatsache, dass in Düsseldorf ständig und blitzschnell Absperrgitter auf- und abgebaut wurden. Zum Beispiel für die Teampräsentation am Donnerstag.

img_4627

Diese Männer tragen gelbe Trikots – zu Recht!

Und weil die Bilder der Teams natürlich die perfekten Kamerawinkel brauchen, wenn sie in die ganze Welt gesendet werden, hat die ARD das vorher geprobt. Mit Düsseldorfer Rennradfahrern. Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Maren zum Beispiel.

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt ("Schön mittig fahren. Lächeln.")

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt (“Schön mittig fahren. Lächeln.”)

img_4589

Maren, Martin und Co. üben.

Der nette Kameramann war mit Chris Froome bestimmt zufrieden, auch wenn er und sein Team sich verirrt haben und von der falschen Seite anrollten. Nur der Bodyguard hat sich leider nicht wirklich in das harmonische Ganze gefügt.

img_4700

Chris Froome macht das ganz gut.

Auch André Greipel konnte überzeugen. Weiter links parkten die Fahrer ihre Räder wieder auf den Autos und wurden in den Teambussen zurück ins Hotel gekarrt. Manche Teams wählten jedoch die schlauere Variante und radelten im Minipeloton zurück.

img_4726

Das Foto stammt von einer Katrin Schmidt. Danke! Sie wusste nicht, wen sie da fotografiert hatte, sondern ließ sich einfach von der “tollen Atmosphäre mitreißen”.

Während C. weiter vorn stand und reihenweise Fahrer abklatschte, habe ich völlig vergessen, Marcel Kittel zu fotografieren, weil ich eventuell ein bisschen begeistert gekreischt habe, als er vorbeifuhr.

img_4908

Maren hat den peinlichen Moment meiner Begeisterung festgehalten. Immerhin rechts im Bild: Der Sieger der 2. Etappe!

Am Freitag einfach mal am Hotel Nikko vorbeizuradeln erwies sich als hervorragende Idee. Das Team BORA hansgrohe war gerade damit beschäftigt, die Räder für eine Trainingsrunde herzurichten, die Zeitfahrräder zu überprüfen und Reiskuchen zuzubereiten.

img_4733

Flicken, putzen, pumpen… Ich hätte Bonnie dazuschmuggeln sollen.

Die getapten Stellen auf den Reifen mancher Zeitfahrmaschinen fand ich ganz interessant. Müssen die noch geflickt werden? Und Erinnerungsstützen auf dem Vorbau sind sowieso sympathisch.

img_4737

Das heißt wahrscheinlich, dass er schnell fahren soll.

Mein geheimer Hotel-Team-Übersichtsplan verriet mir, dass Katusha Alpecin im Hyatt residierte. Tony Martins Zeitfahrmaschine würde ich ja schon gern mal genau unter die Lupe nehmen. Schnurri und ich sausten also los.

img_4801

Lassen Sie mich durch, ich bin Tourmaker!

Die Profis befanden sich wahrscheinlich gerade auf unserem niederrheinischem Home-Turf für ein lockeres Training, ließen sich massieren oder verschlangen Rote-Bete-Avocado-Gedöns. Trotzdem wurde ich nicht enttäuscht. Denn auch hier waren die Mechaniker schwer beschäftigt.

img_4806

Ich habe es nicht angefasst und auch keine heimliche Proberunde gedreht. Echt!

Tony Martins Zeitfahrrad hat mich schwer beeindruckt. Die anderen auch. Einer hat es sogar hochgehoben und stellte fest: “Es ist sehr leicht.” Dann wandte er sich an einen Fan (Düsseldorfer Radsportszene, eindeutig weiß er das ein oder andere über Rennräder) und erklärte großzügig: “Das ist eine Zeitfahrmaschine, kein Straßenrad. Darum hat es eine sehr aerodynamische Form.” Ach. Ach was. Zum Sattel ist ihm allerdings nichts eingefallen. Mir auch nicht. Sandpapier?! Vielleicht schlage ich das demnächst mal in einer Rennrad-Facebookgruppe vor, wenn mal wieder die Sattelfrage aufkommt.

img_4808

Tony, wie geht es deinem Hinterteil?

Der letzte Abend vor der Tour klang bei einer fantastischen Hinterhofparty in der noch fantastischeren Schicke Mütze aus. Coole Musik, Leckeres, Fahrräder und vor allem Menschen, die Fahrräder lieben – eine tolle Atmosphäre. Besonders toll: Ich habe endlich Carolyn kennengelernt, die auf www.ciclista.net über unser liebstes Thema bloggt und im wunderschönen Rosenheim lebt.

img_4832

Jetzt auch im real life: Maren, Carolyn, Annette, Naomi und David.

Samstag, die Tour und das Regenwetter beginnen. Doch Radsportfans sind hart im Nehmen. Wir feiern, als ob die Sonne scheinen würde, wie Marcel Kittel es begeistert formuliert hat. Die coolste Fankurve hat der Cycling Club Düsseldorf gebildet. Ich schleiche mich hin, falle gar nicht auf und gerate sofort mit Stefans und Martins ins Fachsimpeln und Anfeuern. Ebenso löblich und nicht minder laut: die Niederländer (natürlich) mit Pavillon und Grill rechts und links daneben.

img_4890

Hupen sind sehr nützlich.

Dank meiner schlauen Fahrer-Liste weiß ich genau, wer als nächstes durchsaust. Greipel, Kittel und Co. fahren ziemlich am Ende, fast hintereinander. Es dauert immer ein bisschen, bis der nächste, angekündigt von Motorrädern, ankommt. Jetzt ist Tony Martin dran. Wir hüpfen, schreien, schwenken, hupen. Mit viel viel viel geringerem Zwischenabstand als alle anderen kommt Tony im Dauerregen angerauscht. Ich glaube, ich kreische mich wirklich heiser. Das muss doch reichen!

img_4901

Dieses megacoole Foto hat Sigrid Lehmann geschossen.

Leider reichte es nicht. “Nur” Platz 4, aber es war trotzdem ein wirklich besonderes Zeitfahren, finde ich. So wie überhaupt der ganze Grand Départ. Danke an alle, die es möglich gemacht haben.

img_4903

Dieses Foto hat Maren gemacht und passt zu diesem leicht pathetischen Dankeschön-Moment. Hach.

Schade, dass alles vorbei ist. Doch bevor sich C. oder sonst jemand zu früh freut: die Tour de France dauert noch drei Wochen. Vive le Tour!

P.S. Und das sagen die Profis
– Marcel Kittel: Düsseldorf, danke für den geilen Auftakt!
– Simon Geschke: Super Auftakt der Tour in Deutschland. Soviele Fans trotz Regen an der Strecke. Ich hab jede Sekunde auf dem Kurs genossen! Danke!
– Marcel Sieberg: Unglaublich!! Gestartet mit Gänsehaut und im Ziel mit tauben Ohren. Was für ein Auftakt. Danke an alle die es möglich gemacht haben.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

In Stimmung für die Tour

Ich habe eine Mission. Beim Grand Départ in Düsseldorf bin ich für das Social Media Team als Volunteer unterwegs. Für diese spannende Aufgabe wurde ich am Wochenende mit meinen Mitstreitern aus dem Bereich Presse gebrieft.

img_4425

Ob ich das alles auswendig lernen muss? Nun, Streckenkenntnis kann auf keinen Fall schaden.

2000 Journalisten aus der ganzen Welt kommen nach Düsseldorf, um brühwarm vom Grand Départ aus der LHD zu berichten. “LHD” ist übrigens cooler Insider-Sprech für “Landeshauptstadt Düsseldorf”. Ich hoffe auf Schlagzeilen wie “Souveräner Tony Martin holt den Sieg im Einzelzeitfahren” oder “Deutsche Fahrer tragen weißes, grünes, gepunktetes und gelbes Trikot”.

20170610_annette_volunteers_meeting_kaistrasse-7379

Löblich: Die Grundlagen der Streckenführung habe ich verstanden. Die Tour beginnt in Düsseldorf!

Steffen Weigold und Tanja Tschurer vom Grand-Départ-Eventteam versorgen uns mit beeindruckenden Informationen zur Tour. Zum Beispiel, dass 285 Fahrzeuge und Motorräder vor dem Peloton herfahren. Für Kamerateams, Ersatzreifen, prall gefüllte Musettes, Verbandszeugs und Polizisten. Doch vorher hupt sich die Werbekarawane über die Strecke – für Stimmung und Kamelle. Das sind auch nochmal 200 Fahrzeuge. Das ist ein bisschen wie Karneval. Perfekt für uns Düsseldorfer also.

img_4427

Auch die Rheinbahn ist bestens vorbereitet.

Später spezifiziert Steffen die Mission “seiner Social-Media-Schäfchen”: die Stimmung einfangen! Ausschwärmen und die Atmosphäre, den Jubel, die gute Laune der Menschen fotografisch festhalten. Das klingt super. Finden die anderen auch. Steffen nickt: “Sowas klappt, wenn man Spaß an der Sache hat und sich wahnsinnig auf die Tour freut.”

20170610_annette_volunteers_meeting_kaistrasse-7375

Ich wie ich mich auf die Tour freue.

Mir nahestehende Menschen können das für mich bestätigen. Ich warte auf die erste Ermahnung, die Worte “Rennräder” und “Tour de France” doch bitte nicht mehr in den Mund zu nehmen. Stundenlang könnte ich über die Tour plaudern: “Wusstest du, dass ein Fahrer während der Tour 123.000 Kalorien verbrennt?” oder “Die erste Bergwertung ist übrigens der Col de Grafenberg.”

It’s le Countdown final!bildschirmfoto-2017-06-13-um-16-55-11… und bis zu dem Tag, an dem die Düsseldorfer Radsportszene wohl “Au revoir Strava-Kronen” sagen muss. Ein Aspekt, der bis dato völlig an mir vorbeigegangen ist.

20170610_annette_volunteers_meeting_kaistrasse-7385

Die tollen Fotos stammen alle von Steffen. Er ist ehemaliger Profifahrer und natürlich habe ich mich auch an ihn fangirlmäßig für ein Selfie herangeschlichen.

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Läuft für die Flamingos

“Der Reinerlös der Veranstaltung fließt dem Duisburger Zoo für den Neubau eines Flamingohauses zu.” Ein Satz, der meine Aufmerksamkeit erregte. Denn wir sind selbstverständlich dabei, wenn es darum geht, Flamingos zu unterstützen. Die Sache mit der “Veranstaltung” hat nur einen klitzekleinen Haken – es handelt sich um 5,5 Kilometer, die als “Zoolauf” zu Fuß bewältigt werden sollen. Und zwar so schnell wie möglich.

17191003_1440854475932950_7602109302606538672_n

Da mussten wir uns einfach anmelden. Foto: Zoo Duisburg

Es ist kein Geheimnis, dass die Radflamingos auf dem Rennrad eine recht gute Figur abgeben. Als Joggerinnen hingegen (und auch das ist kein Geheimnis) haben die Radflamingos, freundlich formuliert, Luft nach oben. Ein schrecklicher Zwiespalt also. Wie sollen wir jetzt den Flamingos helfen? Ganz einfach! Wir machen’s wie die Bayern. Wir kaufen ein.

Jemanden, der den Marathon in 3:10 rennt, für den 10-Kilometer-Läufe genauso toll sind wie Eisdielenbesuche, jemanden der demnächst den Ironman absolviert, jemanden der uns unter die Top 50 der Mixed-Staffeln bringt, obwohl ich mitlaufe. Unsere Lösung heißt Martin. Ich verspreche Martin sehr viel Ruhm, einen großen Burger, Bier und den Ehrenflamingo-Status. Letzteres hat ihn überzeugt. Er sagt zu. Wir sind gerettet. Und die Flamingos auch.

img_6670

Der Beweis: Martin ist ein Radflamingo. Mit passenden Socken!

Es regnet sehr, als wir uns neben den grunzenden und plantschenden (und überaus niedlichen) Seelöwen zum Start aufstellen. Martin beeindruckt das null, und Mareike und D., die natürlich zum Anfeuern gekommen sind, besitzen einen schicken Schirm. Mareike stattet mich mit pinken puscheligen Pompons aus, die ich mir zu Dekozwecken an die Hose klemme. Immerhin ein bisschen bunt. Aber nichts im Vergleich zu den tollen Kostümen, in denen andere Teilnehmer hier so aufkreuzen.

img_6664

Fliegen gildet nicht! Schmetterlinge werden nicht gewertet! So!

Der Plan ist, dass ich zuerst starte, damit Martin meinen erlaufenen Verlust wieder einfahren kann. Taktisch sehr geschickt. Das Delfin-Maskottchen hüpft am Start herum, ich zucke beim Pistolenschuss erschrocken zusammen, und wir traben vorsichtig (bergab! nass!) los. Hach, schön. Es gibt so viel zu sehen.

img_6652

Hinweis: mein T-Shirt ist lila, meine Socken geringelt.

Und es ist auch kein stumpfes Kilometer abreißen wie auf der Tartanbahn (von mir gerne jeden Mittwoch unter Martins strenger Aufsicht betrieben). Etwas Obacht ist angebracht: Plötzlich führt der Weg scharf rechts auf einen Schotterpfad ins meterhohe Bambusdickicht, und ich habe Angst, von Lemuren angefallen zu werden. Dann geht’s recht steil hinauf, und wieder Vorsicht, Holz ist glitschig bei dem Wetter!

Ächz. Ist es noch weit? Warum hat meine supercoole Garminuhr keinen Empfang? Bin ich am Ziel? Nö. Hier sind zwar Ziel und Wechselzone, aber ich muss ja zwei Runden laufen. Zur Hülf! Warum bin ich gerade gesprintet? Da ich D. und Mareike hier in der Nähe mit der Kamera vermute, versuche ich zu lächeln und lässig weiterzulaufen. Nochmal die Runde. Die sehr abwechslungsreiche, aber gefühlt endlose Runde.

img_6656

Ich war immerhin stets bemüht. (Hier leider seeehr schlecht zu sehen: wie unfassbar steil es war)

Ich hänge mich an eine sehr sportlich aussehende Frau. Das ist ein bisschen wie Windschatten fahren und beruhigt mich. Dann verwechsle ich den vorletzten Anstieg mit dem letzten Anstieg vor dem Ziel. Was machen diese Berge hier im Zoo? Zungenschleifend und keuchend mache ich mich auf die letzten Meter und sprinte ins Ziel. Martin abklatschen. Der ist wahrscheinlich eher am Giraffengehege als ich am Sinalco-Stand.

img_6663

Geschafft, im doppeldeutigsten Sinne.

Nachdem ich mich erholt habe, wollen wir Martin anfeuern. Er kommt und kommt nicht. “Ich glaube, wir haben seinen ersten Durchlauf schon verpasst”, sage ich. Und tatsächlich. Als er “endlich” (fix und entspannt) herantrabt, ist dies nach 19 Minuten bereits sein Zieleinlauf! Darauf ein Wasser!

img_6669

Eben kurz die Flamingos retten. Läuft.

Dank Ehrenflamingo Martin hat die Radflamingo-Staffel Platz 39 von 142 belegt! In 29 Minuten (ich) und 19 Minuten (Martin). Und aufgehört zu regnen hat’s auch. Und damit zu meiner Lieblinsgs-Blogkategorie, den Tiersichtungen. Muhaha!

P.S. Tiersichtungen
– 4 Giraffen- 1 Herde Zebras
– 1 Schneeeule
– 1 Art Känguru
– mehrere Watussirinder
– 1 Löwen mit abgebissenem Schwanz
– Pelikane
– niedlichste Koalabären (ok, nur das Gehege)
– knopfäugige Seehunde
… und natürlich Flamingos

img_6672

Die Radflamingas, Ehrenflamingo und Flamingos (von links nach rechts).

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken