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Ein Klassiker

A wie Anmeldung
“Hat noch jemand Lust, beim LBL Ardennen Klassiker im August mitzufahren?”, fragte Nicole Beatriz in der Rennradfrauengruppe auf Facebook. Also Lüttich-Bastogne-Lüttich! Voll cool! “Ich!”, schrieb ich also und meldete mich sofort an. Danach checkte ich den Streckenverlauf: 125 Kilometer und 2200 Höhenmeter. Herr im Himmel, hilf! Schick Beinmuskeln! Und Realitätssinn, falls ich mich jemals wieder für irgendeinen Quatsch anmelden will. Ich wage keinen Rückzieher, weil ich überall herumposaune, wie sportlich ich sei. Außerdem scheinen meine Mitfahrerinnen sehr nett zu sein.

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Wer nicht vorher lesen will, sollte Nairo Quintana sein.

B wie Belgien
Immerhin: meine Mitfahrerinnen Nicole, Fatma, Dani, Beatriz und Veronique sind wirklich total nett. Wir gönnen uns am Freitagabend in Lüttich (die Stadt, die auf meiner Hässlichsten-Städte-der-Welt-Rangliste den ersten Platz belegt) eine Pizza und fühlen uns wie bei einer Klassenfahrt. Aber nur bis Samstagmorgen um 6 Uhr. Dann stehen wir nämlich auf, damit wir pünktlich losrollen können.

Bonnie hat vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühlte mich damit sehr professionell.

Bonnie trägt vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühle mich sehr professionell.

Gestern herrschten tolle Radfahrbedingungen: Bedeckt, windstill, 18 Grad. Für den Großen Tag ist eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 bis 99 Prozent angesagt, je nach Wetter-App. Um 8 Uhr stehen wir am Start, und natürlich beginnt es zu regnen. Dünne, leichte Tropfen. Aber davon viele. Und stetig mehr. Und dann eine Regenwand, die waagerecht auf uns zukommt. Aber alle tragen es mit Fassung und finden den Regen genau so bescheuert wie ich. Meine Laune ist gut, meine Füße trocken, mir ist warm, es geht sanft bergab, und die Landschaft außerhalb von Lüttich ist wirklich wunderschön. Soweit ich das durch die Dunstschwaden erkennen kann. Herrlich also.

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Lüttich, 8 Uhr, leichter Regen. Die Helme sitzen.

C wie Chillig ist anders
Herrlich bis Kilometer 3,4. Anstatt dass meine Füße nach und nach feucht werden, wie ich es mir ausgerechnet hatte, ergießen sich auf einmal mehrere Liter Wasser mit einem Schwall in meine Schuhe. Immerhin nicht kalt. Und meine Wind-Schrägstrich leicht wasserabweisende Jacke hält sogar noch bis Kilometer 10. Ich bin komplett nass. Jetzt ist auch alles egal. Noch 115 Kilometer. Wann kommen eigentlich diese Steigungen, vor denen ich mich so fürchte (und deretwegen ich im Toskanaurlaub aus Übungszwecken Berge unter größter Hitzschlag-Gefahr hochgeächzt bin)?

D wie demoralisierend
Oh. Hier. Ich versuche recht erfolgreich keine Schlangenlinien zu fahren. Dass ich überhaupt fahre, gleicht einem Wunder. Vielleicht doch ganz gut mit dem Wetter, denke ich. Bei Hitze bin ich zum Bergauffahren kaum zu gebrauchen. Dann geht es bergab. So ein Mist mit dem Wetter, denke ich. Einmal auf dem nassen Asphalt wegrutschen und ich bleibe länger in Lüttich als mir lieb ist.

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Das ist ja der Gipfel! Dani, ich und die halbe Nicole freuen uns darüber sehr.

Die Anstiege haben eine Zeitmessung, und oben warten schon Dani und Nicole. Letztere legt eine fantastische Gesamtzeit bei den Frauen hin. Da ich ihre Strava-Aktivitäten heimlich gestalkt habe, wundert mich das nicht: “Acht mal Schweineberg hoch und runter”, steht da zum Beispiel. Und sie verrät, dass ein älterer, passionierter Rennradler sie und ein paar Freundinnen ab und zu trainiert: “Hände flach auf die Bremshörnchen legen und ab, den Berg hoch! Schön aus der Hüfte arbeiten.”

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Die Folgen der Ardennenschlacht

An der Verpflegungsstation tropfen alle vor sich hin und frieren. Wir beschließen, abzukürzen. So richtig toll ist das nun doch nicht. Warum ich Bonnie nicht in den Graben schmeiße, “Scheißregenbergekeinbock!” brülle, erschließt sich mir nicht. Ich kurbele fast fröhlich vor mich hin, irgendwann ganz allein. Es ist alles sehr grün, und manchmal hört es sogar auf zu regnen. Und manchmal wird es sehr steil. Die Schwerkraft zieht mich am Côte de la Combe nach unten, und ich eiere in eine halbwegs ebene Hauseinfahrt, um mich panisch auszuklicken. Und zu schieben. Aber sonst geht’s.

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Nicole und Veronique lachen die Strapazen einfach weg.

E wie am Ende
Mein Garmin zeigt 99 Kilometer und 1800 1824 Höhenmeter an, als ich über die Ziellinie rolle. Ich bekomme eine Kappe und eine Medaille! Meine erste überhaupt.

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Sehr nass, sehr erschöpft und ziemlich stolz.

Als ich sie später C. zeige, guckt er anerkennend, glaube ich. Ich verrate ihm nicht, dass jeder eine Medaille bekam und trage sie sogar beim Abendessen.

PS. Tiersichtungen
– 1 Fuchs (tot)
– 1 Esel
– mehrere Zwergseidenhühner

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Unser Jubel ist gerechtfertigt. Yay!

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“Schneller, schneller, wie ein Propeller!”

Mittwoch auf Facebook:
Maren von Ich hasse laufen nimmt an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Den Radflamingos gefällt das.
Nachricht an Maren: “Mensch, klasse. Wer kommt alles mit?”
Nachricht an die Radflamingos: “Du!”
Natürlich. Was frage ich auch so blöd.

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Ein Kriterium fahren?! Klar, super Idee. Nicht, dass uns noch langweilig wird.

Donnerstag auf Facebook:
Die Radflamingos nehmen an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Ichhasselaufen.de gefällt das.
Nachricht an Maren: “Also ich wär der Marcel und du wärst der John.”
Nachricht an Maren: “P.S. Hilfe!”
Nachricht an die Radflamingos: “Nico sagt, wir müssen einfach gut in die Kurven kommen und dann hart antreten. Und wir sollen uns darauf einstellen, dass es anstrengend wird.”
Na dann. Klingt ja total einfach. 

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Ich habe mich vorsichtshalber ganz hinten angestellt. Am Rand.

Freitag im real life, Krefeld-Bockum:
34 Fahrer und drei Fahrerinnen. Ich fühle mich jetzt schon langsam. Alle sehen sehr professionell aus. Sogar die Zuschauer. An der 900 Meter langen Strecke in einem Wohngebiet haben die Anwohner Bierbänke, Tische, Gartenstühle, Grills und Fähnchen in ihre Vorgärten geschafft. Tour-de-France-Stimmung!

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Noch wenige Sekunden bis zum Start

Ich mache mir extrem viele Sorgen (sie haben alle etwas mit Asphalt zu tun) und lächele betont tapfer. Es hilft ein bisschen, dass der Ansager wenige Sekunden vor dem Start verkündet, dass Marcel Kittel soeben seinen dritten Etappensieg eingefahren hat. 40 Runden muss ich fahren. 38 Kilometer. Ich denke, dass ich schon sehr oft mehr als 38 Kilometer gefahren bin, außerdem denke ich, dass ich von den Regeln dieses Rennens gar keine Ahnung habe, und dann höre ich nur “…3, 2, 1 …los!”

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Ein sehr schmeichelhaftes Foto, denn zufälligerweise befinden sich gerade zwei Fahrer hinter mir

Auf keinen Fall möchte ich mir bereits auf den ersten paar Metern die Blöße geben, einsam hinten als Letzte zu fahren und schicke mich deshalb an, das Tempo der Gruppe mitzuhalten. Diesen Plan halte ich eine Runde durch. Ich muss einsehen, dass es keine gute Idee ist, mit 37 km/h durchballern zu wollen. Noch 39 Runden. Stirbt man eigentlich wenn man einen monsterhohen Puls hat? Maren ist meinem vernebelten Sichtfeld bereits entschwunden.

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Ob Maren heimlich geübt hat?

Ich bin mehrere Runden damit beschäftigt, langsamer zu fahren und trotzdem in den Kurven hart anzutreten. Gott sei Dank finde ich zwei Fahrer, denen es ebenso geht wie mir, und wir spenden uns abwechselnd Windschatten. Wir sind ganz hinten. Die Letzten. Es fällt eventuell nicht ganz so auf, weil es ja ein Rundkurs ist. Und: die Zuschauer jubeln uns zu, als wären wir Tony Martin in der Zielgeraden beim Einzelzeitfahren.

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Das Auto im Hintergrund bedeutet: Überrundung

Nach vier Kilometern falle ich vor Schreck fast von Bonnie: “Huuuup!” Das Führungsfahrzeug kommt herangesaust und bereitet den schnellsten Fahrern Platz. Die erste Überrundung. Egal. Ich habe mich eingegroovt, habe schon eine Lieblingskurve und  fahre außerdem nicht allein. An einer Ecke steht ein kleiner Junge, der mir jedes Mal begeistert zuruft “Schneller, schneller, wie ein Propeller!” Weil dann eine schöne, lange Gerade folgt, nehme ich mir seinen Vorschlag immer zu Herzen.

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Es hat mich ein bisschen beruhigt, dass alle anderen auch ziemlich gequält geguckt haben.

Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Rücksichtslos. Tatsächlich ist es einfach nur schnelles Gruppenfahren (wenn man es denn schafft, an einer Gruppe dranzubleiben), und alle haben gute Laune. Die Düsseldorfer, die ebenfalls mitfahren, feuern mich sogar ab und zu an. Also jedes Mal, wenn sie mich überholen. Aber es ist in der Tat anstrengend. Meine Zunge schleift am Boden. Ich ignoriere die enttäuschend niedrige Kilometeranzahl auf dem Garmin und überlege, wie peinlich es wäre, eine kleine Pause am Getränkestand einzulegen.

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Ich wie ich Körner lasse

Zu peinlich, entscheide ich und trete weiter. Jede Runde, immer gleich: Windschatten auf der Geraden. Kurve. Hart treten. Wieder in den Windschatten. Schlaglöchern ausweichen. Vorsausen, auch mal ein bisschen spenden. Den Wind verfluchen. Quäl dich du Sau. Oh Gott, der Grill stinkt. Das war Maren. Wie kann die so schnell sein? Krass. Komisch, dass es trotzdem Spaß macht. Das ist kein Hallensport. Dranbleiben. Bleib dran.

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Frederick hat nicht nur coole Socken, sondern fährt auch ziemlich schnell.

Ich bleibe dran. Ich habe gute Laune. Allerdings bin ich so geschafft, dass ich eine Gänsehaut habe. “Letzte Runde”, sagt der Ansager, als ich mit “meinen” Fahrern den Startbereich durchquere. Wie? Warum? Ich habe doch erst 25 Kilometer. Sollte meinem Leiden etwa durch mir unbekanntes Regelwerk frühzeitig ein Ende gesetzt werden? Halleluja! Vorsichtig frage ich nach. Ich verstehe nur, dass dies tatsächlich unsere letzte Runde ist. Na aber dann! Rasch ins Ziel sprinten!

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Ich bin am Ende

Ich gebe Gas, die beiden überholen mich doch noch (knapp) und wir lassen uns noch ein Ründchen ausrollen. Ich winke den Zuschauern zu und Naomi, die plötzlich am Rand steht (“Du sollst fahren, nicht winken!”), steige schließlich ab und schiebe auf dem Gehweg zurück, während der flinke Rest weiter kämpft.

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Zieh, zieh – und gewonnen! Mit einem Durchschnitt von knapp 42 km/h (ähem, das sind zehn Stundenkilometer mehr als bei mir. Ächz!)

Irgendwo treffe ich Maren, wir tanken Cola und freuen uns, weil das Rennen so cool war. Außerdem ist sie Erste geworden und ich Zweite. Also bei den Frauen, genau genommen. Bei den Männern gewinnt Ralf Wörmer vom Team FC Deutsch Post. Glückwunsch! Aber Frauenwertung ist Frauenwertung, finden wir und richten uns darauf ein, gleich auf die Stockerl-Plätze zu treten.

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Schnell fahren lohnt sich. Die Pokale glitzerten verheißungsvoll

Doch daraus wird nichts. Frauen sind bei Rund um Bockum absolut gleichberechtigt, erfahren wir. Wie bei “anderen Sportveranstaltungen auch”. Wir müssen wohl schneller fahren. Oder vielleicht müssen mehr Frauen antreten?

Das Podest war in Sichtweite

Das Podest war in Sichtweite, immerhin

Egal. Hauptsache Spaß. Ich weiß auch schon, wie ich beim nächsten Rennen schneller werden kann. Ehrenflamingo Martin hat da einen Tipp für mich (und wird mir wahrscheinlich mehr bei der Umsetzung helfen als mir lieb ist): “Mehr Training.”

P.S. Tiersichtungen (!)
– ein hübscher, bunter Hahn, der absichtlich langsam vor mir über die Straße stolziert

PPS. Die Fotos
Die sind natürlich der Hammer. Richtig genial. Und deshalb sind sie auch nicht von mir, sondern von Christian Siedler, der Sportfotograf ist. Besucht unbedingt seine Seite!  Danke, dass ich die Fotos hier benutzen darf.

Radsport is great again!

Ich heiße Annette und habe ein Radsportproblem. Sogar C., der höchst rennradaffin ist, wünscht sich manchmal, ich würde das Thema wechseln. Keine Chance. Die Tour, der Grand Départ war hier! In Düsseldorf! Und ich hautnah dabei. Ich bin immer noch vollkommen geflasht.

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Ich wie ich mein Radsportproblem auslebe.

Vom 29. Juni (Teampräsentation) bis zum 1. Juli (Einzelzeitfahren) war ich als Tourmaker in Düsseldorf unterwegs – zusammen mit Maren von ichhasselaufen (der ich jetzt einfach auch mal ein Radsportproblem unterstelle).

Was mich zuerst fasziniert hat, waren gar nicht die Räder, Tourbusse, Fahrer, Hubschrauber, Tourautos und Ausrüstungslaster, sondern die Tatsache, dass in Düsseldorf ständig und blitzschnell Absperrgitter auf- und abgebaut wurden. Zum Beispiel für die Teampräsentation am Donnerstag.

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Diese Männer tragen gelbe Trikots – zu Recht!

Und weil die Bilder der Teams natürlich die perfekten Kamerawinkel brauchen, wenn sie in die ganze Welt gesendet werden, hat die ARD das vorher geprobt. Mit Düsseldorfer Rennradfahrern. Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Maren zum Beispiel.

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt ("Schön mittig fahren. Lächeln.")

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt (“Schön mittig fahren. Lächeln.”)

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Maren, Martin und Co. üben.

Der nette Kameramann war mit Chris Froome bestimmt zufrieden, auch wenn er und sein Team sich verirrt haben und von der falschen Seite anrollten. Nur der Bodyguard hat sich leider nicht wirklich in das harmonische Ganze gefügt.

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Chris Froome macht das ganz gut.

Auch André Greipel konnte überzeugen. Weiter links parkten die Fahrer ihre Räder wieder auf den Autos und wurden in den Teambussen zurück ins Hotel gekarrt. Manche Teams wählten jedoch die schlauere Variante und radelten im Minipeloton zurück.

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Das Foto stammt von einer Katrin Schmidt. Danke! Sie wusste nicht, wen sie da fotografiert hatte, sondern ließ sich einfach von der “tollen Atmosphäre mitreißen”.

Während C. weiter vorn stand und reihenweise Fahrer abklatschte, habe ich völlig vergessen, Marcel Kittel zu fotografieren, weil ich eventuell ein bisschen begeistert gekreischt habe, als er vorbeifuhr.

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Maren hat den peinlichen Moment meiner Begeisterung festgehalten. Immerhin rechts im Bild: Der Sieger der 2. Etappe!

Am Freitag einfach mal am Hotel Nikko vorbeizuradeln erwies sich als hervorragende Idee. Das Team BORA hansgrohe war gerade damit beschäftigt, die Räder für eine Trainingsrunde herzurichten, die Zeitfahrräder zu überprüfen und Reiskuchen zuzubereiten.

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Flicken, putzen, pumpen… Ich hätte Bonnie dazuschmuggeln sollen.

Die getapten Stellen auf den Reifen mancher Zeitfahrmaschinen fand ich ganz interessant. Müssen die noch geflickt werden? Und Erinnerungsstützen auf dem Vorbau sind sowieso sympathisch.

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Das heißt wahrscheinlich, dass er schnell fahren soll.

Mein geheimer Hotel-Team-Übersichtsplan verriet mir, dass Katusha Alpecin im Hyatt residierte. Tony Martins Zeitfahrmaschine würde ich ja schon gern mal genau unter die Lupe nehmen. Schnurri und ich sausten also los.

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Lassen Sie mich durch, ich bin Tourmaker!

Die Profis befanden sich wahrscheinlich gerade auf unserem niederrheinischem Home-Turf für ein lockeres Training, ließen sich massieren oder verschlangen Rote-Bete-Avocado-Gedöns. Trotzdem wurde ich nicht enttäuscht. Denn auch hier waren die Mechaniker schwer beschäftigt.

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Ich habe es nicht angefasst und auch keine heimliche Proberunde gedreht. Echt!

Tony Martins Zeitfahrrad hat mich schwer beeindruckt. Die anderen auch. Einer hat es sogar hochgehoben und stellte fest: “Es ist sehr leicht.” Dann wandte er sich an einen Fan (Düsseldorfer Radsportszene, eindeutig weiß er das ein oder andere über Rennräder) und erklärte großzügig: “Das ist eine Zeitfahrmaschine, kein Straßenrad. Darum hat es eine sehr aerodynamische Form.” Ach. Ach was. Zum Sattel ist ihm allerdings nichts eingefallen. Mir auch nicht. Sandpapier?! Vielleicht schlage ich das demnächst mal in einer Rennrad-Facebookgruppe vor, wenn mal wieder die Sattelfrage aufkommt.

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Tony, wie geht es deinem Hinterteil?

Der letzte Abend vor der Tour klang bei einer fantastischen Hinterhofparty in der noch fantastischeren Schicke Mütze aus. Coole Musik, Leckeres, Fahrräder und vor allem Menschen, die Fahrräder lieben – eine tolle Atmosphäre. Besonders toll: Ich habe endlich Carolyn kennengelernt, die auf www.ciclista.net über unser liebstes Thema bloggt und im wunderschönen Rosenheim lebt.

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Jetzt auch im real life: Maren, Carolyn, Annette, Naomi und David.

Samstag, die Tour und das Regenwetter beginnen. Doch Radsportfans sind hart im Nehmen. Wir feiern, als ob die Sonne scheinen würde, wie Marcel Kittel es begeistert formuliert hat. Die coolste Fankurve hat der Cycling Club Düsseldorf gebildet. Ich schleiche mich hin, falle gar nicht auf und gerate sofort mit Stefans und Martins ins Fachsimpeln und Anfeuern. Ebenso löblich und nicht minder laut: die Niederländer (natürlich) mit Pavillon und Grill rechts und links daneben.

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Hupen sind sehr nützlich.

Dank meiner schlauen Fahrer-Liste weiß ich genau, wer als nächstes durchsaust. Greipel, Kittel und Co. fahren ziemlich am Ende, fast hintereinander. Es dauert immer ein bisschen, bis der nächste, angekündigt von Motorrädern, ankommt. Jetzt ist Tony Martin dran. Wir hüpfen, schreien, schwenken, hupen. Mit viel viel viel geringerem Zwischenabstand als alle anderen kommt Tony im Dauerregen angerauscht. Ich glaube, ich kreische mich wirklich heiser. Das muss doch reichen!

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Dieses megacoole Foto hat Sigrid Lehmann geschossen.

Leider reichte es nicht. “Nur” Platz 4, aber es war trotzdem ein wirklich besonderes Zeitfahren, finde ich. So wie überhaupt der ganze Grand Départ. Danke an alle, die es möglich gemacht haben.

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Dieses Foto hat Maren gemacht und passt zu diesem leicht pathetischen Dankeschön-Moment. Hach.

Schade, dass alles vorbei ist. Doch bevor sich C. oder sonst jemand zu früh freut: die Tour de France dauert noch drei Wochen. Vive le Tour!

P.S. Und das sagen die Profis
– Marcel Kittel: Düsseldorf, danke für den geilen Auftakt!
– Simon Geschke: Super Auftakt der Tour in Deutschland. Soviele Fans trotz Regen an der Strecke. Ich hab jede Sekunde auf dem Kurs genossen! Danke!
– Marcel Sieberg: Unglaublich!! Gestartet mit Gänsehaut und im Ziel mit tauben Ohren. Was für ein Auftakt. Danke an alle die es möglich gemacht haben.

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In Stimmung für die Tour

Ich habe eine Mission. Beim Grand Départ in Düsseldorf bin ich für das Social Media Team als Volunteer unterwegs. Für diese spannende Aufgabe wurde ich am Wochenende mit meinen Mitstreitern aus dem Bereich Presse gebrieft.

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Ob ich das alles auswendig lernen muss? Nun, Streckenkenntnis kann auf keinen Fall schaden.

2000 Journalisten aus der ganzen Welt kommen nach Düsseldorf, um brühwarm vom Grand Départ aus der LHD zu berichten. “LHD” ist übrigens cooler Insider-Sprech für “Landeshauptstadt Düsseldorf”. Ich hoffe auf Schlagzeilen wie “Souveräner Tony Martin holt den Sieg im Einzelzeitfahren” oder “Deutsche Fahrer tragen weißes, grünes, gepunktetes und gelbes Trikot”.

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Löblich: Die Grundlagen der Streckenführung habe ich verstanden. Die Tour beginnt in Düsseldorf!

Steffen Weigold und Tanja Tschurer vom Grand-Départ-Eventteam versorgen uns mit beeindruckenden Informationen zur Tour. Zum Beispiel, dass 285 Fahrzeuge und Motorräder vor dem Peloton herfahren. Für Kamerateams, Ersatzreifen, prall gefüllte Musettes, Verbandszeugs und Polizisten. Doch vorher hupt sich die Werbekarawane über die Strecke – für Stimmung und Kamelle. Das sind auch nochmal 200 Fahrzeuge. Das ist ein bisschen wie Karneval. Perfekt für uns Düsseldorfer also.

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Auch die Rheinbahn ist bestens vorbereitet.

Später spezifiziert Steffen die Mission “seiner Social-Media-Schäfchen”: die Stimmung einfangen! Ausschwärmen und die Atmosphäre, den Jubel, die gute Laune der Menschen fotografisch festhalten. Das klingt super. Finden die anderen auch. Steffen nickt: “Sowas klappt, wenn man Spaß an der Sache hat und sich wahnsinnig auf die Tour freut.”

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Ich wie ich mich auf die Tour freue.

Mir nahestehende Menschen können das für mich bestätigen. Ich warte auf die erste Ermahnung, die Worte “Rennräder” und “Tour de France” doch bitte nicht mehr in den Mund zu nehmen. Stundenlang könnte ich über die Tour plaudern: “Wusstest du, dass ein Fahrer während der Tour 123.000 Kalorien verbrennt?” oder “Die erste Bergwertung ist übrigens der Col de Grafenberg.”

It’s le Countdown final!bildschirmfoto-2017-06-13-um-16-55-11… und bis zu dem Tag, an dem die Düsseldorfer Radsportszene wohl “Au revoir Strava-Kronen” sagen muss. Ein Aspekt, der bis dato völlig an mir vorbeigegangen ist.

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Die tollen Fotos stammen alle von Steffen. Er ist ehemaliger Profifahrer und natürlich habe ich mich auch an ihn fangirlmäßig für ein Selfie herangeschlichen.

 

 

 

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Läuft für die Flamingos

“Der Reinerlös der Veranstaltung fließt dem Duisburger Zoo für den Neubau eines Flamingohauses zu.” Ein Satz, der meine Aufmerksamkeit erregte. Denn wir sind selbstverständlich dabei, wenn es darum geht, Flamingos zu unterstützen. Die Sache mit der “Veranstaltung” hat nur einen klitzekleinen Haken – es handelt sich um 5,5 Kilometer, die als “Zoolauf” zu Fuß bewältigt werden sollen. Und zwar so schnell wie möglich.

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Da mussten wir uns einfach anmelden. Foto: Zoo Duisburg

Es ist kein Geheimnis, dass die Radflamingos auf dem Rennrad eine recht gute Figur abgeben. Als Joggerinnen hingegen (und auch das ist kein Geheimnis) haben die Radflamingos, freundlich formuliert, Luft nach oben. Ein schrecklicher Zwiespalt also. Wie sollen wir jetzt den Flamingos helfen? Ganz einfach! Wir machen’s wie die Bayern. Wir kaufen ein.

Jemanden, der den Marathon in 3:10 rennt, für den 10-Kilometer-Läufe genauso toll sind wie Eisdielenbesuche, jemanden der demnächst den Ironman absolviert, jemanden der uns unter die Top 50 der Mixed-Staffeln bringt, obwohl ich mitlaufe. Unsere Lösung heißt Martin. Ich verspreche Martin sehr viel Ruhm, einen großen Burger, Bier und den Ehrenflamingo-Status. Letzteres hat ihn überzeugt. Er sagt zu. Wir sind gerettet. Und die Flamingos auch.

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Der Beweis: Martin ist ein Radflamingo. Mit passenden Socken!

Es regnet sehr, als wir uns neben den grunzenden und plantschenden (und überaus niedlichen) Seelöwen zum Start aufstellen. Martin beeindruckt das null, und Mareike und D., die natürlich zum Anfeuern gekommen sind, besitzen einen schicken Schirm. Mareike stattet mich mit pinken puscheligen Pompons aus, die ich mir zu Dekozwecken an die Hose klemme. Immerhin ein bisschen bunt. Aber nichts im Vergleich zu den tollen Kostümen, in denen andere Teilnehmer hier so aufkreuzen.

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Fliegen gildet nicht! Schmetterlinge werden nicht gewertet! So!

Der Plan ist, dass ich zuerst starte, damit Martin meinen erlaufenen Verlust wieder einfahren kann. Taktisch sehr geschickt. Das Delfin-Maskottchen hüpft am Start herum, ich zucke beim Pistolenschuss erschrocken zusammen, und wir traben vorsichtig (bergab! nass!) los. Hach, schön. Es gibt so viel zu sehen.

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Hinweis: mein T-Shirt ist lila, meine Socken geringelt.

Und es ist auch kein stumpfes Kilometer abreißen wie auf der Tartanbahn (von mir gerne jeden Mittwoch unter Martins strenger Aufsicht betrieben). Etwas Obacht ist angebracht: Plötzlich führt der Weg scharf rechts auf einen Schotterpfad ins meterhohe Bambusdickicht, und ich habe Angst, von Lemuren angefallen zu werden. Dann geht’s recht steil hinauf, und wieder Vorsicht, Holz ist glitschig bei dem Wetter!

Ächz. Ist es noch weit? Warum hat meine supercoole Garminuhr keinen Empfang? Bin ich am Ziel? Nö. Hier sind zwar Ziel und Wechselzone, aber ich muss ja zwei Runden laufen. Zur Hülf! Warum bin ich gerade gesprintet? Da ich D. und Mareike hier in der Nähe mit der Kamera vermute, versuche ich zu lächeln und lässig weiterzulaufen. Nochmal die Runde. Die sehr abwechslungsreiche, aber gefühlt endlose Runde.

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Ich war immerhin stets bemüht. (Hier leider seeehr schlecht zu sehen: wie unfassbar steil es war)

Ich hänge mich an eine sehr sportlich aussehende Frau. Das ist ein bisschen wie Windschatten fahren und beruhigt mich. Dann verwechsle ich den vorletzten Anstieg mit dem letzten Anstieg vor dem Ziel. Was machen diese Berge hier im Zoo? Zungenschleifend und keuchend mache ich mich auf die letzten Meter und sprinte ins Ziel. Martin abklatschen. Der ist wahrscheinlich eher am Giraffengehege als ich am Sinalco-Stand.

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Geschafft, im doppeldeutigsten Sinne.

Nachdem ich mich erholt habe, wollen wir Martin anfeuern. Er kommt und kommt nicht. “Ich glaube, wir haben seinen ersten Durchlauf schon verpasst”, sage ich. Und tatsächlich. Als er “endlich” (fix und entspannt) herantrabt, ist dies nach 19 Minuten bereits sein Zieleinlauf! Darauf ein Wasser!

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Eben kurz die Flamingos retten. Läuft.

Dank Ehrenflamingo Martin hat die Radflamingo-Staffel Platz 39 von 142 belegt! In 29 Minuten (ich) und 19 Minuten (Martin). Und aufgehört zu regnen hat’s auch. Und damit zu meiner Lieblinsgs-Blogkategorie, den Tiersichtungen. Muhaha!

P.S. Tiersichtungen
– 4 Giraffen- 1 Herde Zebras
– 1 Schneeeule
– 1 Art Känguru
– mehrere Watussirinder
– 1 Löwen mit abgebissenem Schwanz
– Pelikane
– niedlichste Koalabären (ok, nur das Gehege)
– knopfäugige Seehunde
… und natürlich Flamingos

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Die Radflamingas, Ehrenflamingo und Flamingos (von links nach rechts).

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Fahrräder first

Bonnie und ich haben Sonntag den kompletten Autoverkehr der Düsseldorfer Innenstadt lahmgelegt. Nun, eventuell nicht ganz allein. Wir waren Teil der ADFC Sternfahrt, bei der 3000 Radfahrer ein Signal für die Verkehrswende NRW gesetzt haben. Das hat unglaublichen Spaß gemacht. Aus mehreren Gründen.

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Ich fühle mich rebellisch! (Soweit das mit Luftballon und verrutschtem Helm möglich ist)

Morgens sind Bonnie und ich zunächst nach Krefeld gedüst und haben dort die lokalen ADFC-Mitglieder (und wer sonst noch wollte, so wie ich) getroffen, um gemeinsam Richtung Düsseldorf zu fahren. Fast alle hatten wallende Haare und zeigten sich ob Bonnies lautem Leerlaufgeräusch etwas irritiert. “Aber ein Motor ist da nicht drin, oder?”, fragte eine ältere Dame, die am linken Niederrhein Touren organisiert und am liebsten “ständig” Fahrrad fährt.

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Wenn schon Demo, dann auch gegen Atomkraftwerke. Schadet ja nicht.

Zeitgleich starteten hunderte weitere Radler auf E-Bikes, Lasten- und Hollandrädern, Cross- und Tourenbikes, Bakfietsen, Liegerädern, Mountain- und Gravelbikes in Köln, Geldern, Mönchengladbach, Duisburg, Bochum, Wuppertal Richtung Landeshauptstadt. Voll fuchsiger Ortskenntnis schlängeln wir uns durch Krefeld, über Felder nach Fischeln und bis nach Meerbusch. Unterwegs stoßen immer mehr Fahrradfahrer*innen dazu.

In Düsseldorf-Oberkassel wartet schon die Polizei auf uns. In diesem Fall ist es toll, von der Polizei abgeholt zu werden. Denn die netten Uniformierten auf Motorrädern und Einsatzwagen verbieten allen anderen Verkehrsteilnehmern die Weiterfahrt, damit wir unbehelligt Richtung Stadtmitte radeln können. Selbstherrlich schaue ich mich um, während ich über die Oberkasseler Brücke fahre. Mitten auf der Straße. Genial.

Alle müssen warten, während wir klingelnd Richtung Johannes-Rau-Platz am Apollo-Theater pedalieren. Dort treffen sich alle, bevor wir später zu großen gemeinsamen Fahrt durch die Innenstadt aufbrechen.

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Fahrräder, überall Fahrräder! An Bonnie gelehnt genieße ich das zweirädrige Chaos.

Parteien sind da, der ADFC hat einen Stand, natürlich gibt es Kaffee und Pommes und vor allem jede Menge Fahrräder. Zum Beispiel die Schicke Ulla, die man sogar mieten kann:

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Lastenrad statt Auto! Nicht nur in der Stadt eine super Idee.

Und dann geht’s richtig los! Rheinkniebrücke, Oberkasseler Brücke… Klingeln, Tröten, Wummsmusik. Weil verkaufsoffener Sonntag ist, quillt die Stadt ein bisschen über. Die Fußgänger warten geduldig, winken und filmen uns. Die Autofahrer sind weniger enthusiastisch.  Ich winke ihnen umso enthusiastischer zu. Vor allem die SUV-Fahrer, die gerade aus dem unterirdischen Parkhaus kommen und im 45°Grad-Winkel (bei laufendem Motor) warten, gucken etwas sauertöpfisch. Ich freue mich.

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Der Höhepunkt ist die Fahrt durch den Rheinufertunnel. Wie Disco, nur geiler! Blaulicht zuckt durch den nur leicht erhellten Tunnel, am Rand heizt eine Sambatruppe ordentlich ein, und vor mir und meinem netten Gesprächspartner auf einem Crossbike aus Bilk, hat jemand einen Lautsprecher auf seinem Rad montiert, aus dem Technomusik hämmert, die ich plötzlich toll finde. Wir wackeln mit den Köpfen und johlen. Alle anderen übrigens auch.

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Radflamingo-Fundstück in Düsseldorf.

Nach einer knappe Stunde kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Ich male mir aus, dass viele Autofahrer jetzt denken “Wäre ich mit dem Fahrrad gekommen, wäre es schneller gewesen und der Parkplatz wäre nicht so verdammt teuer.” Genau, und mehr Spaß macht’s außerdem. In diesem Sinne entscheide ich mich dafür, auch wieder zurück nach Kempen zu radeln. Ich gebe jedoch in Meerbusch auf (die Samstags-Kilometer stecken mir auch in den Beinen) und lasse Bonnie und mich mit dem Niers-Express nach Hause kutschieren.

P.S.
Die tollen Fotos hat Sigrid gemacht. Sie fährt mit ihrer Gazelle jeden Tag durch Düsseldorf. Pro Jahr kommt sie auf etwa 6000 Kilometer. So wurde sie fast zwangsläufig zur Fahrradaktivistin. Ihre Sternfahrt-Fotos findet Ihr auch auf der Radflamingo-Facebookseite.

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Le Kick-off

Ich bin très aufgeregt! Erstens, weil die Tour de France dieses Jahr in Düsseldorf startet und zweitens, weil C. und ich uns für dieses super-Ereignis als freiwillige Helfer (Volunteers) gemeldet haben.

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Ich male mir täglich aus, wie toll das wird: Rasch dem Marcel beim Warmrollen die Wasserflasche reichen, nebenbei dem Journalistentross galant und polyglott alle facts & figures liefern und anschließend John Degenkolb vom Radel helfen, nachdem er sich beim Einzelzeitfahren verausgabt hat. Das war etwas optimistisch gedacht, wie ich jetzt beim Kick-off für die Volunteers, der offiziellen Vorbereitungsveranstaltung für alle freiwilligen Helferinnen und Helfer erfahren habe. Doch es wird trotzdem wahnsinnig spannend!

In zwei Schichten – immerhin haben sich etwa 1400 Volunteers gemeldet – informierten die Grand-Départ-Organisatoren an der Heinrich-Heine-Universität über Ablauf, Hintergründe und Einsatzgebiete.

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Hußmann: “Ja, wir haben während der Arbeit mit Playmobil gespielt. Aus gutem Grund.”

Thomas Hußmann hat als Sicherheits-Fachmann der Feuerwehr Düsseldorf mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Großveranstaltungen auf dem Buckel. Diese Tatsache plus seine lockere und sympathische Art, uns Fußgängerbrückenmanagement, Verkehrsknotenpunkttaktik und Flatterbandhintergrundinfo nahezubringen, haben uns beeindruckt. So einen möchte man an Bord haben, wenn in der Stadt (bei gutem Wetter) eine Million Besucher erwartet werden.

“Wahnsinn, was für eine Logistik dahintersteckt”, flüstert mir C. zu, während Thomas Hußmann erzählt, dass jede einzelne Düsseldorfer Kreuzung eine eigene Positionsbezeichnung bekommen hat und in einer Excel-Liste verschlagwortet wurde. Diese Liste ist mehrere Meter lang. Nur die Menge an Flatterband wird am Tourwochenende länger sein: Der Sicherheitschef rechnet mit 40 Kilometern (“Die auch alle wieder eingesammelt werden müssen! Die Verantwortlichen haben Mülltüten dabei.”).

Nachdem uns der coole Lego-Eiffelturm im Hörsaal schon ein bisschen auf das französische Flair eingestimmt hat, kommt Hußmann jetzt auch noch mit Playmobil an.

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“Wir haben damit gespielt, um herauszufinden, wie ein Fußgängerüberweg aufgebaut sein sollte und wie viele Menschen in welcher Zeit die Straße passieren können”, sagt er. Wenn die Radfahrer mit Tempo 70 ansausen, könnte es jedoch brenzlig werden. Deshalb gibt es zusätzlich Fußgängerbrücken (natürlich auch alle brav verortet, eingezeichnet und in der Tabelle eingetragen). Und weil Thomas Hußmann seine Besucher kennt, sind selbige bis Sichthöhe verkleidet, damit niemand auf die Idee kommt, in der Mitte für ein Selfie stehen zu bleiben. Motto: “Weitergehen, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.”

Das gilt vielleicht für die Fußgängerbrücken, aber nicht für den Kick-off-Tag. Ich schleiche mich fangirlmäßig an Sven Teutenberg heran, der in Oberkassel einen genialen Rennradladen betreibt und – noch genialer – schon einmal bei der Tour de France mitgefahren ist. So richtig echt. Als Profi ( Team Festina, 2001. Er wurde 81.). Was ich immer schon mal wissen wollte: “Hat man als Fahrer keine Angst hinzufallen, wenn die jubelnden Fans so nah an der Straße stehen?” Ich glaube, er lächelt ein bisschen milde. “Nein, man gewöhnt sich daran.” Tunnelblick und Konzentration und so.

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Das Gelbe Trikot wollte ich immer schon mal tragen. Vor allem in Gegenwart eines (ehemaligen) Radsportprofis.

Und der beste Moment der Tour? Sven Teutenberg zögert keinen einzigen Moment: “Die Einfahrt nach Paris.” Ich glaube, er hat leuchtende Augen. Rennradradsport-Leidenschaft eben. Und so war er auch nicht ganz unschuldig daran, dass der Grand Départ dieses Jahr nach Düsseldorf gekommen ist.

Zum Abschluss probiere ich die virtual reality Fahrradbrille aus. Extrem cool. Als ich “überholt” werde, trete ich (leider vergebens) in die Pedalen. Wenn ich nach unten schaue, werfe ich sogar einen Schatten. Der Wahnsinn. Dann kommt eine Kurve.

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Ich will mich elegant hineinlehnen, was natürlich nicht funktioniert. Jetzt ist mir schlecht. Dann will C. auch mal: “So ein Humbug, dass dir übel wird.” Er pedaliert, schaut sich um, dann will er sich in die Kurve lehnen.

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“Oh”, sagt C. “Mir ist schlecht.” Ich verberge ein selbstzufriedenes Grinsen. Dann wanken wir mit unserer Kick-off-Ausstattung (T-Shirt, Flyer, Aufkleber) Richtung Altstadt und stoßen auf den Grand Départ an.

Die Radflamingos sind angefixt! Le Countdown läuft!

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Ich will Spaß, ich geb Gas

Ich bin heute gefahren wie die Sau. Dafür habe ich eine fantastische Entschuldigung: Ich musste fahren wie die Sau. Sonst hätte ich mich schwerverletzt. Mindestens. Beim Bahnradfahren, das Elisa und Markus am Sonntag in Kaarst-Büttgen organisiert haben, gelten nämlich besondere Regeln.

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Die zu befahrende Holzbahn befindet sich ungefähr im rechten Winkel zum Boden. Ich überspiele meine Angst mit einem irren Lachen.

Und die Regeln lauten: Treten treten treten! Need for speed qua Gesetz. Ha! Außerdem: Rechts überholen! Und in den Kurven noch mehr Gas geben. Ach ja – Bremsen gibt’s nicht, geht nicht, macht man nicht.

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Der Beweis: Mein hübsches Leihbahnrad hat keine Bremse. Ich wiederhole: keine Bremse.

“Was, wenn ich anhalten möchte, um Kuchen zu essen?”, frage ich Elisa. Ich lerne, dass ich diesem Bedürfnis keinesfalls spontan nachgeben kann. Es bedarf mindestens einer Runde Planung. Im Flachen ausrollen lassen. Wenn ich Glück habe, kippe ich genau vor dem Tisch mit dem Marmorkuchen um.

Aber dafür muss ich ja erstmal fahren. Ein Bahnrad muss her. Der Master of Bahnrad-Verleih mustert prüfend meinen Schritt und zieht dann zufrieden nickend ein blaues Faggin aus seiner beeindruckenden Sammlung.

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Er stellt den Sattel ein und schraubt meine mitgebrachten Pedalen an. Fertig. Ich schiebe das Faggin in die Halle. Einige flitzen schon über das Oval, ein paar andere warten in der Mitte auf die Einweisung (und hoffentlich aufmunternden Worte) von Elisa und Markus. Ich bin extrem eingeschüchtert.

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Je schneller desto schief. Und diese Jungs waren schnell.

Die Eiger-Nordwand ist nichts dagegen. Und die besteigt man keinesfalls ungesichert. Das einzige, was mir hier sicher erscheint: mein Schlüsselbeinbruch in zirka zwanzig Minuten. Elisa beruhigt mich: “Meist kriegt man nur Verbrennungen an der Schulter oder am Ellbogen ab.”  Gott! Sei! Dank! Ich mache mir insgeheim Vorwürfe, weil ich meine Inliner-Schutzausrüstung nicht mitgenommen habe.

Dann überwinde ich mich. Einklicken, Leerlauf und den anderen Fuß Mist. Treten! Tretend und eiernd klicke ich mich ein und trete weiter. Vorsichtig. Als wäre ich noch nie Fahrrad gefahren. Noch ist alles wie immer. Kein Wunder. Ich fahre wahrscheinlich 15 km/h und äußerst links. Genaugenommen fahre ich im grünen Bereich. Das folgende Foto verdeutlicht, wo sich der harmlose grüne und der restlich-gefährliche Bereich befinden.

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Nicht im Bild: Ich. (Zu weit weg, da zu langsam).

Ich fahre eine zweite Runde. Vielleicht mal auf das blaue Holz wagen? Das ist ja auch noch waagerecht. Theoretisch. Ich fahre auf blau. Mittlerweile schon bestimmt so 20 km/h. Wenn mich jemand überholt, erleide ich eine Panikattacke. Ständig also. Schließlich fahren die nicht neben, sondern buchstäblich über mir und könnten herunterfallen. Oder Herunterrutschen.

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Mutig! Ich fahre auf Blau.

Nichts dergleichen passiert. Stattdessen werde ich schneller. Ich traue mich fast auf die weiße Linie und – unfassbar – greife sogar um. Unterlenker. Oha. Automatisch schneller. Aber weil nichts passiert (Schlüsselbeinbruch, Klickpedalen-Hänger, Auffahrunfall, Brandwunden) macht es immer mehr Spaß.

Ich erliege dem Rausch der Geschwindigkeit (verschämter Verweis auf die Relativitätstheorie) und heize, bolze, pedaliere. Ich lebe mein Rowdytum mittlerweile ungeniert zwischen der roten und weißen Linie aus. Dann ist es soweit. Das musste ja passieren. Das wird sehr wehtun. Vor mir ist jemand! Warum fährt der langsamer als ich? Da ist irgendwas faul. “Rechts überholen und in der Kurve Gas geben. Keine hektischen Lenkbewegungen. Ab 30 km/h seid Ihr sicher”. Das hat Elisa gesagt. Weil ich enorme Angst habe, der Person vor mir hintenrein zu crashen und für den Rest meines Lebens Schadensersatzzahlungen (Schmerzensgeld, Rollstuhl, Reha) zahlen zu müssen, peitscht mich das Adrenalin zu neuen Höchstleistungen an.

Ich überhole rechts. Und befinde mich zudem rechts von der roten Linie. Ich trete wie bescheuert, schließlich ist es physikalisch bewiesen, dass man sich in so einem Winkel nicht halten kann. Ich widerlege die Physik. Ich presche weiter. Geil.

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Bedauerlicherweise ein völlig unspektakuläres Foto. Doch ich versichere, dass alles jenseits von Rot schnell und geil ist.

Jetzt will ich es wissen. Als zwei Jungs vorbeiziehen, trete ich, bis ich dran bin. Wooohooo. Ich fühle mich ein bisschen wie auf Eurosport, wenn die im Pulk unglaublich schnell ihre Runden drehen. 39 km/h sagt der Tacho. Und plötzlich sind die Kurven gar nicht mehr so steil. Ich rase jenseits der blauen Linie (!), mindestens im rechten Winkel zum Boden, kopfüber wie eine Fledermaus durch die Steilkurve. “Geiler Scheiß”, um es mal mit den Worten einer Mitfahrerin auszudrücken.

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Sieht vielleicht nicht sehr schräg aus. Ist es aber.

Aber auch ganz schön anstrengend. Geschwindigkeit verringernd orientiere ich mich wieder nach unten, trete langsamer und klicke dann vor dem Tisch mit selbstgebackenem Kuchen aus. Abbremsen mit den Cleats, anderen Fuß auskoppeln – ich stoppe unverletzt.

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Elisas super Rennradschuhe sind ein Speicherfund. Ich beneide Elisa glühend.

Ich japse auf der Bank vor mich hin, betreibe Kuchen-Carbo-Loading und hoffe, dass Elisa und Markus bald wieder einen Bahnrad-Termin ansetzen. Ich will nochmal!

“Eine verdammte Befreiung”

Ha! Wir haben einen Gastbeitrag! Wir freuen uns riesig, dass Maren von ichhasselaufen für die Radflamingos über eine ihrer weiteren großen Lieben schreibt – Cyclocross. Radflaminga Mareike wurde schon längst angesteckt (später mehr) und Flaminga Annette überlegt, wie sie dem Gatten das nächste Fahrrad schmackhaft machen kann. Denn ein Crosser muss her. Warum? Maren gibt die Antwort:

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Hat Christian schief fotografiert oder war es wirklich so steil? Hmmm…

Der Flamingowinter endete offiziell mit dem März. Von mir aus könnte er aber auch gern noch einmal von vorn beginnen, denn ich besitze jetzt einen Crosser. Und weil Cyclocross die Radsportdisziplin für ekliges Wetter ist, werde ich beim nächsten Wintereinbruch keine Ausreden mehr haben, nicht auf dem Rad zu sitzen. Entzückend! Und jetzt darf ich auch noch in diesem Gastbeitrag so lange vom querfeldein Radeln schwärmen, bis ich bei Annette, Mareike und sämtlichen Radflamingo-Sympathisanten Cyclocross-Begehrlichkeiten geweckt habe.

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Schlamm ist schön!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich fahre gern Rennrad. Sehr gern sogar. Ich liebe das Gefühl, wenn das Rad fast wie von selbst über den Asphalt fliegt, den Wind im Gesicht, den surrenden Freilauf. Ich fahre gerne schnell (Annette kann ein Lied davon singen). Und doch kam mir in letzter Zeit, während ich so durch den Wald gelaufen bin (Laufen! Was für eine minderwertige Art der Fortbewegung!) immer öfter der Gedanke in den Sinn, wie famos es doch wäre, auch im Wald radfahren zu können.

Ich bin wirklich gern im Wald: Früher zu Pferd, heute tragen mich meist die Laufschuhe. Wälder bieten für mich eine ganz andere Qualität von Entschleunigung als es irgendein Park könnte. Wo sind wir der Natur näher als zwischen hohen Bäumen, auf holprigen Wegen, mit Vogelgezwitscher in den Ohren und diesem ganz eigenen Duft aus Moos, Laub, Rinde und Tannennadeln in der Nase?

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Wald – riecht gut, sieht gut aus, Fahrspaß garantiert. Geil.

Einfache Rechnung: Wenn zwei Sachen für sich genommen schon toll sind und man sie dann kombiniert, wirds supertoll. So auch beim Rennradfahren im Wald. Da muss man allerdings erst einmal hinkommen und zwar über – genau – Asphalt. Der Crosser, dieses fantastische hybride Wesen zwischen Rennrad und MTB, fühlt sich für mich auf der Straße erst mal ziemlich gewöhnungsbedürftig an. 35er Stollenreifen sind dann doch etwas anderes als 23 Millimeter profillose Rennradreifen. Sie gleiten nicht, sie brummen. Um mit diesem Traktor annähernd die gewohnte Geschwindigkeit zu erreichen, muss ich mich ganz schön ranhalten.

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Maren und Karlson mit Landschaft.

Puh! Obwohl das Fahrgefühl wenig elegant und eher, naja, grob ist, lerne ich den Crosser schnell zu schätzen. Gullideckel, Schlagloch, Unebenheit im Asphalt? Schluckt er alles einfach weg. Ohne Federung. Zack, weg. An Stellen, um die ich mit dem Renner einen Schlenker fahren oder mich auf unangenehmes Rumpeln einstellen würde – nichts. Einfach nichts! Ziemlich smooth. Cyclocross-Magie. Wie angenehm ist das bitte?

Jetzt wirds aber Zeit: Runter von der Straße. Wiese, Schotter, Feldweg, Waldweg. Sand. Querfeldein. Dieses Rad ist eine verdammte Befreiung. Es beendet das Diktat der Straße, eröffnet völlig neue Möglichkeiten – und das nicht zu knapp. Ich bin verliebt. Schon seit der Probefahrt und immer wieder aufs Neue. Es sind nicht nur die neuen Wege, kein Bock auf Autos, die Nähe zur Natur, es ist auch dieser Hauch von Abenteuer, mit dem der Crosser mich umgarnt. Mal im Ernst, die einzige Aufregung mit dem Rennrad auf der Straße ist doch, ob der Autofahrer jetzt nur hupt oder auch noch mit Scheibenwischwasser um sich spritzt.

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The reason to radfahr: Solche Momente.

Im Gelände gehen mir existenziellere Fragen durch den Kopf: Werden wir in dieser Pfütze ertrinken oder können wir da durch fahren? Wie zur Hölle soll ich diesen Hügel hoch kommen? Was, wenn ich im tiefen Sand falle und nicht rechtzeitig ausklicke? Kann ich da runter fahren, ohne mir den Hals zu brechen? Wenn die Klamotten voller Matsch sind, wenn es zwischen den Zähnen knirscht und du dich wunderst, wie anstrengend eigentlich ein paar Kilometer sein können – das ist Cyclocross.

Jemand, den ich radfahrmäßig sehr schätze, hat einmal zu mir gesagt: “Ich glaube ja nicht an die wahre Liebe zu Fahrrädern. Irgendwann werden sie alle entsorgt.” Mag sein. Ich jedenfalls glaube an die wahre Liebe zum Radfahren. Und sie basiert nicht auf einer Monogamie. Man kann ganz hervorragend neben dem Rennrad einen Crosser haben, beide gleichermaßen prima finden und ihren Einsatz nicht von Jahreszeiten abhängig machen. Ich brauche nämlich kein Zweitrad für den Winter. Ich fahre querfeldein, weil es sehr, sehr viel Spaß macht.

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Die Radflamingos vermuten: Dieses Foto ist gestellt. Maren macht nie Pause!

P.S.
Mir ist natürlich bewusst, dass vor allem Mountainbikes dazu gemacht sind, um im Gelände Rad zu fahren, die Idee ist ja jetzt nicht so neu. Hab ich aber tatsächlich noch nie gemacht. Und sollte ich vielleicht auch besser nicht so bald ausprobieren, sonst geht’s mit der Formel n+1 wieder schneller, als ich gucken kann …

Die Fotos zu Marens Gastartikel stammen von Christian Siedler

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Bloß weg hier

Ich möchte Nessi  beladen, wegradeln, abends irgendwo am Lagerfeuer sitzen und mit einem Becher Kaffee sinnend auf ein Tal hinunter blicken. Dass ich so ein “Mini-Abenteuer” erleben will, ist die Schuld von Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad.

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Auch Optik und Haptik überzeugen: Das Büchlein ist flexibel gebunden und fühlt sich richtig gut an.

Er hat ein Buch darüber geschrieben, wie man sein Fahrrad bepackt, losradelt und über Nacht wegbleibt. So ein Buch könnte ich auch rasch schreiben: Rucksack packen, auf’s Bike schwingen und in die Pedale treten. Ende.

Aber hinter “Rad und Raus” steckt dann doch ein bisschen mehr. Es geht nicht darum, eine durchgetaktete Radtour zu machen und abends in die gebuchte Pension einzufallen, sondern um ein wirkliches Abenteuer (“Microadventure”): Gut ausgestattet, aber buchstäblich planlos mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, abends ein Lager aufzuschlagen und im Freien zu übernachten. Carpe diem et noctem, sozusagen.

Ich finde, das muss man sich erstmal trauen. Und allein dafür lohnt sich Gunnar Fehlaus Buch. Denn es motiviert dazu, so einen overnighter einfach mal anzugehen. Was dabei alles beachtet werden muss und sollte, steht in diesem Buch.  Von der idealen Ausrüstung bis hin zu Erste-Hilfe-Tipps, über Schlafstelle aufbauen, das Fahrrad korrekt beladen, welche Klamotten ins Zwiebelprinzip gehören und welches Kochgeschirr sich eignet. Es steht – wirklich – alles da drin und wurde – wichtig – selbst getestet.

“Microadventures” sind übrigens ganzjährig zu bestehen, und einer meiner Lieblingstipps lautet: “Verwende im Winter kein metallisches Essbesteck, da dieses leicht an nackter Haut festfriert.”  Dazu stelle ich fest: Das einzige, was im Winter meine nackte Haut berührt, sind Glühweintassen. Auch die Hinweise zum richtigen Fahren mit dem schwer beladenen Rad auf Schnee haben weder etwas mit meiner Lebenswelt noch mit meiner Vorstellungskraft zu tun. Ich wohne am Niederrhein. Es schneit nicht. Und wenn ich irgendwo sein sollte, wo es schneit, habe ich Bretter unter den Füßen, keine Reifen. Außerdem übernachte ich dann definitiv nicht im Freien.

Aber weil jetzt der Sommer kommt und ich abenteuerlustig bin, habe ich Lust auf ein solches Mini-Abenteuer (als ich dies schrieb, lachte C. ein bisschen dreckig, weil ich mich stets weigere, nördlich der Alpen zu campen). Denn eines steht fest: dieses Büchlein macht so richtig Laune, Handy, Facebook & Co. abzuschalten und mit dem Renner/Crosser/Fatbike/Hollandrad die Natur zu genießen.

P.S.
Fun Fact (die ganz gut in den Zusammenhang passt): Wilfried Erdmann ist mit dem Fahrrad von Deutschland bis nach Indien gefahren. Ohne Funktionswäsche.

Buch-Zeugnis
Unterhaltungswert: Vorhanden (“Ausreichend Kuscheltiere einpacken.”)
Nutzwert: Sehr hoch.
Worum geht’s: Richtig packen, richtig anziehen, richtig Feuer machen – und Fahrrad fahren.
Meckern geht ja immer: Ich brauche wirklich kein Handbuch, in dem steht, wie ich Wein trinken oder transportieren soll. Und wenn ich seitliche Satteltaschen nutzen will, nutze ich verdammt nochmal seitliche Satteltaschen.
Mein Verdacht: Das Buch spricht sicher viele Männer an. Und nach der Lektüre haben die wieder tausend Gründe, neues Spielzeug (Klappsägen. GPS-Geräte. Messer. Biketaschen. Tarps. Sommer- und Winterschlafsack. Feuerwolle) zu kaufen.
Wem’s gefällt, der mag auch: “Walden” von Henry David Thoreau und Outdoormagazine.

Über den Autor
Gunnar Fehlau (*1973) ist hauptberuflich Gründer und Geschäftsführer des pressedienst-fahrrad. Er leitet zudem die velonauten, die unter anderem zur Keimzelle des „fahrstil“ Magazins gehören. Zusammen mit der Eurobike hat er die Bike-Bloggerplattform „The Wrider’s Club“ initiiert.

Fakten zum Buch
Gunnar Fehlau: Rad und Raus –Alles für Microadventure und Bikepacking. 1. Auflage 2017, 160 Seiten, 160 Farbfotos,  Delius Klasing. ISBN: 978-3-667-10929-3. Preis: 16,90 Euro.

Foto- und Faktenquelle: Delius Klasing Verlag/overnighter.de

 

 

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