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Die Pässe bitte!

Endlich Urlaub mit C. und Bonnie in den Bergen! Die Häuser in meiner Lieblingszweitenheimat bringen mich zum Weinen. Heller Stein, urgemütliche Holzbalkons mit – falls die Geranienpracht es zulässt – Blick auf den Wendelstein.

…meine Welt sind die Bee-heer-geee…

Leider habe ich keine Zeit, mich Schöner-Wohnen-Träumereien hinzugeben, denn ich rase mit C. und C2 (dem sportverrückten Schwager) Richtung Nußdorf am Inn. Denn erst dort geht es bergauf. Und nur das zählt.

Einrollen in Oberbayern (790 Meter)
Hier ist es so wunderwunderschön und ich pedaliere so munter bergauf, dass ich trumpartige Allmachtsgefühle hege: Sehr sehr viele Leute fahren diesen Berg hoch. Diese Leute machen einen guten Job. Einen fantastischen Job. Viele Leute meinen, ich würde diesen Berg nicht schaffen. Sehr sehr unfair. Fake news. Ich kann Fahrrad fahren. Ich fahre jetzt hier hoch. Ich mache das exzellent. Das kann jeder sehen. Ich bin ein stabiles Genie!

Die kleine Radflaminga möchte aus dem Bergeparadies abgeholt und ins Basecamp gebracht werden – vorzugsweise unter NN.

Stabil bleibe ich immerhin bis Törwang. Ich phantasiere von Sauerstoffzelten, Yetis und den Unterschenkeln von Peter Sagan. Was ich als Niederrheinerin eben so gemeinhin mit “Bergen” assoziiere. Unmittelbar bevor ich die C.s anflehe, mir bitte bitte eine Sauerstoffflasche zu organisieren, fällt mir ein, dass Bora Hansgrohe-Radprofi Marcus Burghard ja hier wohnt! Vielleicht sogar direkt hinter diesem Geranienbalkon!

Was wenn er mich sieht? Das wäre natürlich oberpeinlich. C. und C2 nicken bestätigend und sagen, dass ich mich in der Tat ein bisschen schämen sollte, warum nicht gleich auf’s E-Bike und ein Wunder, dass ich nicht rückwarts hinunterrolle. Gott sei Dank legen wir eine Pause ein und ich kann mich unauffällig regenerieren. Durchschnaufen. Es hilft. Berge are great again! Denn es geht bergab und dem Schnitzel entgegen.
Höhentraingslager Teil 1 – check!

Würzjoch (1987 Meter)
Fortsetzung des Höhentrainingslagers in Südtirol. C. und ich diskutieren, ob wir an der Höhenkrankheit leiden. Pro: Unsere Unterkunft befindet sich auf 1300 Metern und wir haben ein bisschen Kopfschmerzen. Contra: Unser Weinkonsum ist in den vergangenen Tagen signifikant gestiegen.

…duuunkle Tannen…

Wir wollen nur eine kurze Runde drehen, durch Orte, die Piccolina, Zwischenwasser, Rina und St. Martin in Thurn heißen. Es ist sehr heiß. Es ist sehr steil. Am Ende der steilsten Kehre ever steht ein Stall. Weil ich nicht mehr kann, fahre ich direkt darauf zu und kippe vor einer Kuh um. Irgendwann erreichen wir ein Schild. “Schau mal, nur 8 Kilometer bis zum Würzjoch! Lass uns einen Abstecher machen!”

Hier ahne ich noch nichts von C.s Pass-Plänen.

C. ist begeistert und biegt bereits auf die Passstraße ein. Mir bleibt also keine Wahl. Kurz vor einer kleinen Brücke wartet C. auf mich. Weil ich nicht mehr kann und mich außerdem dramatisch in Szene setzen möchte, werfe ich mich mit Bonnie auf den Boden und strecke die Beine in den Himmel.

Steilanstrengendunmöglichumkehrenjetzt. C. bespritzt mich mit Wasser aus der Trinkflasche und schiebt mir einen Riegel in den Mund. Das bedeutet wohl, dass ich weiterfahren soll. Das heißt Anfahren am Berg. Unschön. Bonnie schräg zur Straße stellen und panisch versuchen, einzuklicken. Funktioniert. Meine Motivation ziehe ich abwechselnd aus der kitschig-herrlichen Berglandschaft um mich herum und der Vorstellung, was meine Freunde wohl sagen werden, wenn ich ihnen von meinen Rennrad-Heldinnentaten berichte (Edit: Was Freunde hinterher tatsächlich sagen: “Warum machst du das?”).

Das ist ja die Höhe!

Ich schraube mich immer weiter nach oben und bemerke schließlich, dass sich überhalb von mir nichts mehr befindet. Tatsächlich sehe ich hinter der nächsten Kehre eine Hütte! Sprich: alles, wovon ich jetzt träume (Cola, Schlutzkrapfen) liegen in sehr erreichbarer Nähe. Das spornt mich dazu an, trotz beachtlicher Steigung sehr schnell zu strampeln und jubelnd am Würzjoch-Schild auf den schnaufenden C. zu warten. Wir verleiben uns die von mir erträumten Köstlichkeiten ein und genießen dabei den unwirklichen Blick auf das Bergpanorama.
Fortschritte im Höhentrainingslager erzielen – check!

Passo di Giau (2236 Meter)
C. und ich schämen uns ein bisschen. Um den Passo die Giau hochradeln zu können, fahren wir nämlich zuvörderst über ein paar andere Pässe (Valparola und Falzarego) nach Pocol – aber mit dem Auto. Wir wollen nämlich da in Ruhe vor uns hinpendeln und ächzen, wo sich möglichst wenig Verkehr auf die Gipfel wälzt. Und tatsächlich, auf der Seitenstraße Richtung Giau unterbrechen allein unser Keuchen und die Kettengeräusche das alpine Schweigen.

…grüüüüne Wiesen im Sonnenschein…

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich gut in Form bin. Ob es das kühlere Wetter ist? Das Höhentraining? Schließlich wohnen wir derzeit nicht nur recht hoch, sondern wir haben uns gestern auch auf 2500 Meter gondeln lassen. Wenn ich die Mount-Everest-Abenteuerromane richtig in Erinnerung habe, ist das Prinzip schonmal richtig: Hoch und wieder runter, hoch und wieder runter. Jedenfalls erreiche ich (rückblickend zumindest) in erstaunlich kurzer Zeit, mühelos und mit Kraft für einen Gipfelspurt denselbigen.

Ich sonne mich noch im Lob des mir entgegenkommenden Radlers – “Bravo!” Kann aber auch sein, dass er die Landschaft meinte.

Auch wenn ich versuche, sehr professionell und lässig zu erscheinen, kann ich am Pass-Schild einen Jubelschrei nicht unterdrücken. C. holt uns etwas zu trinken und er schenkt mir einen coolen Aufnäher, auf dem “Passo di Giau 2236 m” steht. Wir feiern mit Cappucino und bedenken Menschen, die mit einem Bus hergekarrt wurden, mit mitleidigen Blicken. Bergab testet C. seine Kamera-Skills und filmt, wie ich an bimmelnden Kühen vorbei ins Tal sause.
Höhentrainingslager Bosslevel – check!

Staller Sattel (2048 Meter)
Wir wollen den Autos entgehen. Also fahren wir mit dem Auto über den (wunderwunderschönen) Furkelpass nach Antholz, um den Staller Sattel auf der italienisch-österreichischen Grenze in Angriff zu nehmen.

Timing ist am Staller Sattel alles.

Wir parken an einem Sporthotel, in dem bereits viele berühmte Biathleten zu Gast waren. C., den ich in Verdacht habe, heimlich von einer Karriere als Leistungssportler im deutschen Biathlonkader zu träumen, ist beeindruckt. Natürlich besuchen wir auch noch das Stadion für die schießenden Skifahrer gleich daneben. Dann kommen wir in einen Stau. Mit den Rädern.

Weil der Weg hinauf superschmal ist, wird die Passstraße nur jeweils 15 Minuten pro Stunde geöffnet. Unten warten dann alle, die hochwollen. Das Hinaufradeln wird erst gemütlich, wenn die motorisierte Kolonne vorbeigedonnert ist. Die Straße ist im Top-Zustand, windet sich durch Tannenwald und lässt kaum Zeit zum Ausruhen. Wir pedalieren konzentriert und ohne Pause – auch das dauert weniger lange als erwartet.

Bergfazit: die Aussicht ist immer fantastisch!

Am funkelblauen See auf dem kleinen Plateau schlemmen wir Flädlesuppe und ich überlege, ob ich eventuell colasüchtig geworden bin. Bevor wir hinter der röhrenden Autoschlange wieder ins italienische Tal düsen, radeln wir zwecks weiteren fantastischen Bergaussichten noch zur anderen Seite der Hochebene.
Höhentrainingslager erfolgreich abgeschlossen!

P.S. Für die Nerds
Bei den Höhenangaben handelt es sich nicht um die tatsächlich gefahrenen Höhenmeter, sondern um den bei der Tour jeweils höchsten erreichten Punkt.

…brauch ich zum glücklich sein!

Hätte hätte… Dixitoilette

Samstag
Heute hat C. mich, unsere Gasttochter Jocelyn und meinen Glücksbringer-Plüschflamingo Klaas nach Rotterdam kutschiert. Wir treffen alle Teilnehmer vom Projekt Dein erster Marathon und holen unsere Startnummern ab. Wir diskutieren unseren Trainingsstand (mehr geht nicht), Zielzeiten (4:30) und Nervositätslevel (tiefenentspannt) und freuen uns.

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Der erste Schritt zum erfolgreichen Marathon: Wir sind im Besitz der Startnummern.

Dann folgt die erste Herausforderung: Ich muss mich am Pasta-Buffet beherrschen. Sonst ist morgen rollen angesagt. Auf ein Glas Rotwein verzichte ich sicherheitshalber auch. Von wegen “Pasta-Party”. Aber das hole ich nach, wenn ich eine Finisherin bin. Dafür folge ich den Anweisungen erfahrener Marathonis und schütte sehr viel Wasser in mich hinein: “Morgen wird es heiß und anstrengend. Nur ein hydrierter Körper kann volle Leistung erbringen.” Ich tanke mich leider derart auf Leistung, dass ich kaum schlafe und ständig zum Klo rennen muss.

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Viel zu laufen ich noch habe.

Sonntag. Raceday
Ich denke, ich werde demnächst einen Marathonratgeber schreiben. Meine Vorbildfunktion lässt mir keine Wahl! Gestern Wasser statt Rotwein, und heute starte ich den großen Tag mit einer Runde Yoga! Außerdem verhalte ich mich am üppigen Frühstücksbuffet äußerst diszipliniert. Dafür sollten hinterher Minuten gutgeschrieben werden.

Kilometer 0
Ich bin gerüstet und immer noch tiefenentspannt. Ehrenflamingo Martin (der heute den langsamsten Marathon seines Lebens laufen wird) steht neben mir. Ich habe meinen durchgeplanten Energiegelvorrat in meiner Energiegelvorratsgürteltasche verpackt und den Rest mit Magneten am T-Shirt befestigt.

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Ein bisschen Radsport muss sein.                                                                                                       (Foto: C.)

An den Dixieklos ist mächtig was los. Ha. Das habe ich erfolgreich gelöst. Zwei Stunden vor dem Start nichts getrunken und soeben noch die Vorteile der Hoteltoilette genutzt. Jetzt kritzele ich meinen Lieblings-Motivationsspruch auf den Arm. Spätestens ab Kilometer 30 werde ich mir den mal anschauen müssen. So. Bereit. Es kann losgehen.

Kilometer 1
Und es geht los. Die Kulisse auf der Erasmusbrug ist der Wahnsinn! Tausende Läufer, Zuschauer, Hubschrauber kreisen, Wasserfontänen spritzen. Und da steht C. und winkt!

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Nicht im Bild: Ich, wie ich mit offenem Mund staune.

Kilometer 3
Ich glaube, ich muss mal.

Kilometer 4
Die Lage ist ernst. Gibt es auf der Strecke denn gar keine mobile Toiletten?

Kilometer 5
Da sind Dixiklos! Ich kann nicht anders. Ich reihe mich in die meterlange Warteschlange ein. Nach einer zweistelligen Minutenzahl entfleuche ich der blauen Plastikhölle. Ihr 42 Kilometer, ich bin sowas von ready für Euch, kommt doch! Und sie kommen. Mit Lichthupe. Es ist der Besenwagen.

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C. hat meine fantastische Laune auf Kilometer 0,8 eingefangen.

Kilometer 6 bis 17
Das hatte ich mir ein klein wenig anders vorgestellt. Martin verzieht keine Miene. Wir rollen den Marathon in unserem niederrheinischen-Feldwege-Lauftempo von hinten auf: Die Allerletzten, die Letzten, der 5:00-Pacemaker, immer weiter. Nicht zu schnell am Anfang – lautet so nicht der ultimative Marathontipp? Ehrenflamingo Martin fragt nach meinem Puls (166) und beruhigt mich. “Bis 170 ist alles im grünen Bereich.” Also weiter.

Kilometer 18
Das niederländische Staatsfernsehen filmt, wie meine Mutter und Jocelyn meinen Namen kreischen, ich zurücklaufe und wir uns in die Arme fallen, küssen, herzen und rasch ein paar Selfies schießen. Ich habe meine Mutter im Verdacht, dass sie am liebsten nebenher radeln würde, um meine Nahrungsaufnahme zu überwachen (“Kind, bitte, nimm noch ein Butterbrot!”). Bei Kilometer 20 würde sie das Fahrrad quer vor mich stellen und resolut sagen: “Das reicht jetzt aber! Die Hitze!”

Kilometer 19 bis 24
Die Hitze macht mir nicht so arg zu schaffen, wie ich befürchtet habe. Dabei habe ich den letzten langen Lauf bei -5 Grad und Schneetreiben absolviert. Allerdings bin ich voll gewappnet: Mütze, Sonnenbrille, UV 50, Israel-abgehärtet, hervorragend hydriert, und ich nehme jeden Schwamm, Schlauch und Verpflegungsstand mit.

Kilometer 25 bis 29
Das ging jetzt aber irgendwie schnell. Ich wundere mich ein bisschen, dass alles soweit in Ordnung ist. Magen, Waden, Knie, Kopf – check. Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich die Stationen mit den Wasserbechern sehe, also alle fünf Kilometer. Gehen, trinken, ein Gel schlürfen, Wasser über den Kopf gießen, langsam weitertraben. Ich gucke nicht auf die Pace oder die Zeit, sondern nur ab und zu auf meinen Puls. Grüner Bereich. Weiter.

Kilometer 30 bis 32
Bin ich schonmal gelaufen. Kann ich.

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I guess we’re not in Kempen anymore.

Kilometer 33
Warum eigentlich weiter? Ach ja. Ich habe monatelang dafür trainiert. Sehr diszipliniert sogar. Doch ich habe nicht den kompletten Winter auf matschigen Feldwegen anstatt auf der Couch verbracht, um jetzt aufzuhören!  Außerdem tut nix weh. Es ist nur einfach sehr – anstrengend.

Kilometer 34
Ja, die Beine sind schwer. Aber das ist wirklich alles. Reiß dich z’amm, zefix! Woanders müssen Sportler gerade übers Pavé brettern und du jammerst.

Kilometer 35
Duuuurst! Aber wenn ich zuviel auf einmal trinke, gluggert es im Magen.

Kilometer 36
Ich lese, was auf meinem Arm steht. Fremde Menschen feuern mich an “Hup Annette! Dat ziet mooi uit! Goed gedaan!” Konfettiraketen, Gartenpartys, Musikbands, coole Schilder (“Chuck Norris never ran a marathon!”) und Jubelschreie tragen mich weiter.

Kilometer 37
Jemand reicht mir ein Orangenviertel! Oh mein Gott! Es ist die leckerste Zitrusfrucht, die ich je gegessen habe!

Kilometer 38
Da sind meine Eltern, Jocelyn und C.! Wir feiern! Leider kann ich nicht viel sagen, weil eine halbe Apfelsine in meinem Mund steckt.

Kilometer 39
Meine Beine. Herr im Himmel. Meine Füße sind ziemlich lädiert, aber ich glaube, das tut erst später weh. Moment. 39 Kilometer sind ja fast 40 Kilometer! Also quasi schon 42. Theoretisch bin ich bereits im Ziel!

Kilometer 40
Theoretisch. Praktisch klebe ich auf dem Asphalt. Hebe ich meine Beine eigentlich noch?

Kilometer 41
Noch 1195 Meter. Ein Klacks. Renne ich beim Intervalltraining im 4er-Pace. Warum geht es hier so lange geradeaus? Das Ziel müsste längst in Sicht sein! Die haben sich doch vermessen!

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500 Meter vor dem Ziel und die Erkenntnis: Ich schaffe es tatsächlich!

Eine Rechtskurve. Ziel in Sicht. In Sicht! Ja Wahnsinn. Menschenmassen säumen den Straßenrand und jubeln wie bescheuert! Da steht schon wieder meine Familie! C. drückt mir Klaas, den Glücksbringer-Flamingo in die Hand, und ich fliege fast.

Marathon
4:51:13. Ich habe es geschafft! Noch etwas ungläubig falle ich Ehrenflamingo Martin um den Hals. Es ist vorbei. Ich darf wieder gehen. Wenn ich denn nur könnte. Eine unfassbar große Goldmedaille, eine Rose und soviel Getränke wie ich will, lenken mich kurzzeitig von meinen Schmerzen ab.

Meine Garminuhr, die nur die reine Bewegungszeit erfasst, bescheinigt mir sogar eine Zeit von 4:38. Aber das ist mir egal. Der Rotterdam Marathon 2018 und der Weg dorthin waren ein unglaublich tolles Erlebnis! Vielen Dank an das Bunert Team, New Balance und unser #DeinersterMarathon-Team. Und ganz besonders an Ehrenflamingo Martin und C.! Und nicht zu vergessen Christian Siedler, von dem die fantastischen Fotos sind (falls nicht anders gekennzeichnet). Danke!

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Das trägt man jetzt so.                                                                                                                          (Foto: C.)

Fazit
Vorteile eines Marathons: Riesige Goldmedaille. Ruhm für immer. Nachteile eines Marathons: Man kann Paris-Roubaix nicht live gucken und verpasst die RTF Grefrath. Große Schmerzen während des Laufs. Die Frage nach dem Warum. Große Schmerzen nach dem Lauf. Ergo: Nie wieder!

 

Ich mache eine Ausnahme

Ich bin ein echtes Glückskind. Im letzten Sommer habe ich bei einem Gewinnspiel auf Facebook einen Startplatz für den Rotterdam Marathon 2018 gewonnen – inklusive Leistungsdiagnostik, Trainingsplan und Ausstattung mit tollen Klamotten von New Balance und Laufsport Bunert. Hurra! Wie cool!

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Gleich fließt Blut. Wegen der Leistungsdiagnostik.

Was ich nicht bedacht habe: Marathonvorbereitung findet nicht auf dem Rennrad statt. Außerdem ist sie anstrengend und zeitintensiv. “Jetzt heißt es wohl ‘Quäl dich, du Sau!'”, denke ich, als ich meinen meterlangen Trainingsplan an den Kühlschrank klebe. Das findet auch der beste Läufer der Welt, Ehrenflamingo Martin. Ich hege den Verdacht, dass es ihm a) große Freude bereitet, mir bei der Umsetzung der Trainingskilometer behilflich zu sein und b) mich dabei leiden zu sehen.

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Seit ein paar Monaten verläuft mein Leben nach Plan.

Zu meinem großen Bedauern lässt er keine einzige meiner ständigen und sehr kreativen Ausreden, warum das Training heute unbedingt ausfallen muss, gelten.
“Zu dunkel!” – “Super, dann kriegen wir keinen Sonnenbrand.”
“Es regnet!” – “Die meisten Tropfen fallen daneben.”
“Zu kalt!” – “Dann trainierst du nicht hart genug.”
Kurz gesagt: Ich profitiere enorm von Ehrenflamingo Martins Laufenthusiasmus und seiner Erfahrung.

Außerdem kommt mir während meiner Marathonvorbereitung zugute, dass C. Lehrer ist. Ihn haut nichts um, und sogar Engel beneiden ihn ob seiner Geduld. Das ist sehr praktisch. Zum Beispiel, wenn ich abends nach Hause komme und direkt meine Laufklamotten anziehe, anstatt mit ihm und unserer Gasttochter zu kochen. “Nur rasch ein bisschen Fartlek in hügeligem Gelände”, sage ich und verschwinde mit Ehrenflamingo Martin auf niederrheinische Feldwege. Wenn ich dann eine Stunde später – geplättet, ausgehungert, muskelverkatert – zuhause auftauche, steht das Essen auf dem gedeckten Tisch.

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Voll gelenkig. Vielleicht hilft das ja.

Meine Erwartungen: Als ich im Juli die frohe Botschaft erhielt, eine von den “Dein erster Marathon”-Gewinnerinnen zu sein, malte ich mir mein tägliches Training aus: in fantastischen Sportklamotten schwebe ich mühelos und in vorbildlicher Lauftechnik kilometerweit über Straßen und Wege. Im Sonnenschein, versteht sich. Vögel singen. Menschen am Wegesrand klatschen Beifall. Mein perfekt frisiertes Haar flattert leicht im Wind, eine sanfte Röte umschmeichelt meine Wangen, und ein zufriedenes Lächeln ob meiner Tüchtigkeit umspielt meine Mundwinkel. Ich bin das fleischgewordene Model aller Laufmagazine, die neue Lauf-Fluencerin am Instagram-Himmel. Jaaaa! Herrlich wird das!

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Immerhin: die Stimmung in unserer Marathon-Truppe ist fantastisch.

Reality-Check: Im Dezember ist es um 18 Uhr sehr dunkel. Nach Hause geradelt, im bescheuerten Regen klatschnass geworden und fast erfroren. C. liegt auf dem Sofa und netflixt. Umziehen. Lampen und Reflektorgedöns anschnallen. Weinen. Gleich kommt Martin. 75 Minuten GA1. Es gibt kein Entrinnen. Ich platsche in Pfützen. Da vorne ist Schlamm. Im Lauf-Delirium male ich mir aus: “Wenn ich darin versinke und umknicke, dann muss C. mich abholen und die Qualen haben ein Ende.” Aber ich werde nur dreckig und schwitze. Naja, immerhin das mit den fantastischen Sportklamotten stimmt – auch wenn die im Dunkeln niemand sehen kann.

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Eiseskälte! Aber in bester Gesellschaft.

Plötzlich sind es nur noch 4 Wochen! Kreisch! Panik! Laufe ich schnell, weit, intensiv genug? Sind die Bauchmuskeln stabil? Meine Psyche gefestigt, damit ich nicht an der ersten Versorgungsstation versehentlich in einen Liegestuhl gleite? Drückt mir die Daumen.

Fazit: Ich bin eine echte Ausnahmeläuferin, denn ich mache das bestimmt nie wieder. Doch mehr dazu kann ich wohl erst nach dem 8. April berichten… See you in Rotterdam and see you soon, Bonnie!

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Lassen Sie mich durch! Ich muss 42 Kilometer laufen!

P.S. Die fantastischen Fotos hat natürlich Christian Siedler gemacht. Danke!

 

Cross. Krass.

Der Storck Store Düsseldorf hat zum Biken mit anschließendem Cyclocross-WM-gucken eingeladen. Storck-Crosser testen inklusive! Ich bin begeistert und melde mich sofort an. Außerdem “überrede” ich Ehrenflamingo Martin ebenfalls mitzukommen, und so nehmen wir am Sonntagmorgen um halb zehn unsere coolen Leihräder in Empfang.

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Ich habe mich natürlich direkt in meinen kleinen Storck Crosser verliebt.

“Crosser sind die Härtesten und deshalb wird bei jedem Wetter gefahren”, lautete die Ansage. Einerseits: Ha! Ich gehöre zu den Härtesten! Andererseits: Ich werde erfrieren! Null Grad. Bis ins Flachland ist Schnee angesagt! Ich ziehe mich so dick an wie möglich. Die Kanada-Kälte und frühe Uhrzeit interessieren jedoch niemanden. Wir sind so viele, dass ich beim heimlichen Durchzählen immer durcheinander komme. Noch ein Schluck Kaffee, Helme zurechtrücken, Garmins anwerfen – und schon rollen wir in einem riesigen Pulk Richtung Hamm.

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Grill-Suchbild. Geschickte Motivation vor der Tour.                                                             (Fotos: Martin)

Wir düsen durch einen Park, und mein erster Cross-Einsatz erfolgt dort auf einem unbefestigten Weg. Easy! Kann ich! Herrlich! Außerdem sind alle total nett. Marc vom Storck Store fragt, ob alles passt, Ich schwärme, dass der Crosser sich wunderbar fährt und verschweige meine bereits geschmiedeten Entführungspläne. Ich fühle mich wie ein alter Hase, als ich erwähne, dass ich den Sattel niedrig genug eingestellt habe, um im Gelände rasch die Füße auf den Boden setzen zu können. Marc nickt bestätigend. Ich verspiele meine Profi-Credits sofort wieder, als ich erzähle, dass ich mit Rennradschuhen- und Pedalen unterwegs bin. Eher ungünstig sei das, meint Marc vorsichtig. Ach. Ach was. Das funktioniert doch super!

Dann erreichen wir den Deich. Anstatt oben den Weg zu benutzen, stürzen sich die ersten lemminggleich den Deichabhang hinunter. Willkommen auf der aufgeweichtesten Wiese der Welt. Ich trete wie bescheuert, komme aber trotzdem kaum vorwärts. Inzwischen bin ich sehr sauer auf die Wiese und kämpfe mich schiebend auf den Weg zurück. Und los! Oha… wie ungünstig. Ich habe Einklick-Probleme, weil sich der Matsch natürlich in meinen Cleats festgesetzt hat. Rauspopeln, lächeln und weiter.

Bei einem Cross-Rennen müssen auch Tragepassagen gemeistert werden.

Er sieht aus wie ich mich fühle.                                                                 (Foto: Felt/Pressedienst Fahrrad)

Endlich erreichen wir einen Wald. Winzige Schneeflocken rieseln auf uns herab. Alles ist sehr romantisch und so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Wir cruisen über Wege und Wurzeln, weichen Sträuchern aus, umfahren Baumstämme. Dann kommt der Schlamm. Weil ich bestrebt bin, meine Füße nie wieder auf den Boden zu setzen, um keinen weiteren Matsch-Cleat-Gau mehr anzurichten, pflüge ich stumpf überall durch. Das klappt hervorragend und ich lobe mich selbst für meine fantastische Radbeherrschung. Es macht enorm Spaß!

Allerdings bin ich sehr froh, dass ich momentan recht fit bin. Warum hat mir vorher kein Mensch (nicht mal Maren!) erzählt, wie unglaublich anstrengend Cyclocross ist? In einem Feld von ungefähr 30 Männern und einer Frau (die ich alle im Verdacht habe, sich hier nur für Valkenburg warmzurollen) gebe ich alles, um sowohl geschickt als auch schnell zu wirken.

Das gelingt wohl nur mäßig. Ich werde geschoben. Geschoben! Ich! Immer wieder mal ein Stückchen. Ich schnaufe. Aber nicht aus Empörung, sondern aus Erleichterung. Denn das hier haut wirklich rein, weil ich nicht einfach mal entspannt ein paar Meter Windschatten lutschen und rollen kann. Die Miniaturflocken haben sich inzwischen in einen Schneesturm verwandelt, und wenn ich je braver than the elements war, dann heute. Nachdem wir eine steile Schlammrinne überwunden haben, fahren wir auf einem rutschigen Wurzelstocksteinedamm kilometerweit geradeaus. Mein Schiebeheld heißt Jörn, und sein Arm liegt zuverlässig auf meinem Rücken (an dieser Stelle noch einmal: Danke, lieber Jörn!).

Ah, die Vorhut hält an. Toll. Einmal durchatmen. Ich bremse, möchte ausklicken. Ausklicken. Ausklicken! Panisch greife ich nach Jörn und in das blaue Trikot des netten Radlers neben ihm – und reiße beide zu Boden. In den Schlamm. Welch Schmach. Wahrscheinlich bietet mir gleich jemand Stützräder an. “Alles ok”, versichern sie mir glaubhaft. Ich liege käfergleich im Dreck und strecke den Crosser an meinen vermatschten Pedalen in die Höhe, als mich gleich mehrere Retter wieder in die richtige Position hieven. In die Fahrposition nämlich.

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Ich bin sehr dreckig und kann noch lachen. Tour gelungen!

Nur noch eine halbe Stunde im fiesen Hagelschauergegenwind trennen uns jetzt von unserem Ziel im Hafen. Nach 60 Kilometern und 300 Höhenmetern klicke ich mich dort (unfallfrei) aus und schaffe es, mich auf dem Weg zu meiner Tasche sowohl an den Keksen, Salz- und Käsestangen zu bedienen, bevor ich zu Cola und Fruchtquetschbeutel wechsele und dann nahtlos zu den Bratwürstchen übergehe.

Fazit
Das war eine ziemlich coole Aktion, und ich will das unbedingt nochmal machen. Außerdem: Crosser sind die Härtesten!

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Erst die Crosser kärchern, danach gibt’s Bratwürstchen.

 

 

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Gut, mein Rennrad habe ich aus wettertechnischen Gründen vernachlässigt. Aber weder Winter noch Marathontraining können eine Entschuldigung dafür sein, mein Mountainbike in der Garage hängen zu lassen. Zumal ich auch für Schnurri einen megabreiten Specialized-Sattel bestellt habe. Und schon länger spielte ich mit dem Gedanken, endlich mal an der Mädelsrunde teilzunehmen, die die Duisburger Cycle Culture Company samstags anbietet.

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Claudia, Claudia und ich sind abenteuerlustig. Und sehr sauber.

Diesen Samstag also, beschließe ich. “Regen! Schneeschauer! Arktische Kälte! Auf keinen Fall!”, beschließt mein Schweinehund. Dann weht und wütet auch noch Orkan Friederike. “Findet die Tour überhaupt statt?”, frage ich deshalb vorsichtig nach. Holger von der Cycle Culture Company schreibt zurück, dass “unser” Waldgebiet freigegeben sei und die Mädelsrunde deshalb stattfinde. “Auch bei Regen.”

Und so treffe ich in Duisburg Claudia und Claudia, die genauso nett wie fahrtechnisch versiert sind. Holger schießt noch ein Vorher-Foto, und in weniger als zehn Minuten sind wir bereits über die Autobahnbrücke hinweg gesaust und mitten im Wald. Schon nach den ersten Metern müssen wir Bäumen ausweichen, die entwurzelt auf den Wegen liegen. Friederike hat ganze Arbeit geleistet. Stöcke, Äste, Zweige, Stämme – immer wieder müssen wir uns einen neuen Weg suchen, weil wir nicht weiterkommen.

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Der Beweis: ich bin gefahren wie die Sau.

Dass Claudia die Strecke improvisiert merke ich eh nicht, weil ich absolut keine Ahnung habe, wo ich mich befinde. Könnte auch Bayern sein: Berge, Wald, grüne Hänge. “Das ist alles Duisburg?”, wundere ich mich zwischendurch dann doch. “Nee, hier ist Mülheim”, antworten die Claudias. Oder: “Das gehört zu Essen.” Ich versuche die Aussicht zu genießen, muss mich aber viel zu sehr konzentrieren, um das ganze Grün (so viel Landschaft! Mitten im Ruhrgebiet!) adäquat anerkennen zu können.

Denn merke: Mountainbiken ist anstrengend! Zumal bei komplett aufgeweichtem Untergrund. Oder wenn die letzte Ausfahrt (auf trockenen, breiten, festgestampften Waldwegen) mehr als ein Jahr zurückliegt. Wir fahren auf den Grand Canyon zu, laubbedeckt. 90 Grad runter, drei Wurzeln, 90 Grad hoch. Die Claudias flitzen runter. Und wieder hoch. Ich wähle die Option Schieben und Schlittern. Und weiter. Durch Schlammlöcher und metertiefe, lange Pfützen, nasse Wiesen und immer wieder über friederikegewehte Hölzer.

Wir halten vor einer wurzeligen, steinigen, laubigen Schlammrinne. Oh je. Da runter? Jawohl. Da runter. Claudia fragt, ob mir die “Grundposition” etwas sagt. Ich nicke erleichtert. Mein Fahrtechnikkurs liegt zwar etwas länger zurück, aber die Grundlagen sind noch da. In selbiger Position solle ich ihr einfach folgen, auch einfach über die Wurzeln fahren. Geschwindigkeit stabilisiere. Und wenn es nicht klappt – schieben. Macht ja auch nichts. Die Claudias fahren vor. Ich verteile mein Körpergewicht, versuche, nicht zu bremsen und rolle hinterher. Ich komme an! Es hat geklappt! Yay!

Mittlerweile sehe ich mit den ganzen Schlammspritzern im Gesicht aus wie das Sams, und Schnurri und meine Klamotten tragen eine Modderschicht. Das macht einen Schweinespaß! Allerdings haben die Pfützen, die wir ständig durchtauchen, für klatschnasse Füße gesorgt. Hmm, ob wir vielleicht doch bald ankommen?

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Nass, kalt und sehr dreckig. Kurz: eine gelungene Tour.

Ich fahre tapfer weiter, verpasse vor lauter auf-den-Weg-achten zwei Rehe und überlege, wo wir wohl sein mögen. Es geht jetzt ständig leicht bergab. Ein gutes Zeichen, glaube ich. Claudia warnt mich vor fiesen Querrillen. Eine sehe ich zu spät, bin aber gerade ziemlich in Fahrt. Mein Glück. Es rummst nur kurz, ich federe ab und fahre weiter. Passt doch.

Da, die gelbe Brücke und die “Keksdosen” der Uni Duisburg. Ich kenne mich wieder aus! Der Asphalt hat uns wieder. Wie einfach man hier doch fahren kann. Wenn die Autos nicht wären. Im Hof der Cycle Culture Company wartet bereits Holger auf uns.

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Fazit: 29 Kilometer, 333 Höhenmeter und ein paar Kubikmeter Schlamm.

Er schießt ein Nachher-Foto und serviert uns Pfefferminztee. Herrlich! Wir schlürfen Heißgetränke, wärmen uns die Finger an den Tassen und merken erst jetzt, dass es tatsächlich regnet und ziemlich kalt ist. Dann rollt Holger ein paar Meter Schlauch aus und befreit unsere Mountainbikes von ihrer Schlammschicht. So sauber wie selten hieve ich Schnurri in den Kofferraum.

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Gibt es auch Helme, die nicht wie halbierte Bowlingkugeln das komplette Outfit zerstören? Frage für eine Freundin.

Holger gibt mir noch Tipps fürs nächste Mal: Reifen nicht zu prall aufpumpen; Sattel (extreme Begeisterung ob dieses Sattels, übrigens!) erstmal waagerecht ausrichten und von da weiterarbeiten. A propos “nächstes Mal” – ich freue mich schon riesig auf die nächste Mountainbiketour!

 

Gestatten, Bonnie

Ich habe Bonnie in den letzten Monaten ein bisschen vernachlässigt. Ein bisschen sehr. Aus Gründen. Doch im April machen wir wieder den Niederrhein unsicher. Bis dahin bekommt Bonnie schon mal einen eigenen Blogpost, schließlich habe ich sie noch gar nicht richtig vorgestellt. Also: Bonnie – Blogleser, Blogleser – Bonnie.

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Der DHL-Bote weigerte sich übrigens zu glauben, dass das Paket ein Fahrrad enthalten sollte: “Viel zu leicht!”

Nachdem ich im vergangenen Jahr einsehen musste, dass Nessi (Corratec RT Corones) eine Nummer zu groß für mich war, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, dass ich ein neues Rennrad brauchte. Ich wälzte ein paar Kubikmeter Rennradzeitschriften (wenn ich nicht gucke, versucht C. sie als „Altpapier“ deklariert in die Mülltonne zu schmuggeln) und verlor mich recherchierte in Rennradinternetforen.

Mein Vorteil: dank des fantastischen Bikefittings bei Ralf Kleckers wusste ich buchstäblich auf den Millimeter genau, wie mein zukünftiger Renner gebaut sein und worauf ich achten sollte. Meine Wahl fiel deshalb auf ein Rennrad von Rose (Rose Xeon Team GF-300/Ultegra) Bezahlbar! Top-Qualität und Ausstattung! Toller, kompetenter Service! Und vor allem konnte ich direkt meine Sonderwünsche (z.B. den Ritchey Steem Lenker, gaaanz schmal) konfigurieren.

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Ich vertrieb mir die Wartezeit damit, dieses Foto anzustarren und mir herrliche Touren auszumalen.

Dann kam der schlimmste Teil des Rennradkaufs: das Warten. Eeeendlich, irgendwann im April, erreichte mich schließlich ein großes, federleichtes Paket. Bonnie! Noch in der Agentur drehte ich stolz und glücklich grinsend eine Runde zwischen den Regalen. Fantastisch! Und so schön! Ich radelte verliebt nach Hause und meldete mich direkt, wie mit Ralf vereinbart, zum Bikefitting an.

“Perfekt, das sieht doch gleich ganz anders aus”, begrüßte er mich, noch bevor er mit seinen Lasermessschwertern hantieren konnte. Pedalen, Spacer, Lenker – Ralf kümmerte sich um das Feintuning, montierte den Sattel, den er mir empfohlen hat (in der Konfigurierung bei Rose leider nicht zu haben, deshalb bei bike24 bestellt) und guckte so zufrieden wie ich mich fühlte, bevor er uns auf die Straße entließ.

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I found my Sattelglück! (Foto: bike24)

Ich flitzte kittelgleich nach Kempen und präsentierte C. mein Rennrad. Er lobte alles sehr fachgerecht, dann blieb sein Blick am Sattel hängen. “Hast du dir da einen Spaten drangeschnallt?” Zugegeben, die länglichen Sattel sehen etwas schnittiger aus. Aber das hier ist das beste, bequemste und tollste Teil ever, auf dem mein radelndes Hinterteil je Platz genommen hat! Und dann noch die Carbon-Sattelstütze! Ich feiere das mal in einem Klischee ab: Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Genau wie Ralf es vorhergesagt hat (“Mit einem richtig eingestellten Rad wirst du locker zwei Kilometer pro Stunde schneller”) bin ich tatsächlich schneller geworden. Ich bringe mehr Energie auf die Straße, denn ich muss nicht mehr irgendwelche Körperteile in Position rücken oder meine Schultern zusammenkrampfen, weil meine Hände auf den weit entfernten Bremshörnchen liegen. Und ich kann mich so richtig in den Unterlenker hängen.

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Auch wenn es Bonnie mir sehr leicht macht, treten muss ich immer noch selber. Zum Beispiel beim 1. Kendel Radrennen in St. Hubert. Ächz. (Foto: Ehrenflamingo Martin)

Inzwischen habe ich zirka 2000 Kilometer auf Bonnie zurückgelegt. Hoch, runter, weit, kurz, schnell, sehr schnell. Mein Fazit: Fantastisch! Und falls Ihr Euch wundert – nein, Rose bezahlt mich für diese Lobhudelei nicht (ähm, Ihr Bocholter, falls Ihr mitlest: ich teste aber gern mal einen Crosser für Euch. Oder habt Ihr ein Team? Ich fahr mit! Voll schnell, versprochen!)

P.S.
Und das Aussehen?! Bonnie ist matt schwarz und die Lackierung sehr unempfindlich. Außerdem ist das Rad so leicht, dass sich mir die Carbon-Alu-Gretchenfrage erst gar nicht gestellt hat. Zudem befindet sich die hintere Bremse hübsch versteckt recht weit unten am Rahmen, für den cleanen Look.

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Und zu schwarz kann man ja alles tragen. #sockdoping #buyallthesocks #idid

 

“Ich kann alles am besten!”

Dieser Satz ist ein Insider zwischen C. und mir. Er bezieht sich auf mein ebenso grenzenloses wie unbegründetes Selbstbewusstsein, das ich an den Tag lege, wenn es darum geht, etwas zu können. Diese Worte zitiert C. stets, wenn ich wieder mit irgendeinem Unfug ankomme – Marathon laufen, ein Kriterium fahren, einen Triathlon machen. Einen Triathlon?! Na klar, kann ich! Sofort anmelden! Da spricht doch alles dafür: Ich fahre super Rennrad! Laufen kann ich auch! Ich liebe Schwimmen! Heimvorteil! Mehrere Freundinnen machen ebenfalls mit! Außerdem hat Maren gesagt, Triathlon sei toll! C. rollte noch mit den Augen, als ich längst meine Startnummer (13!) für den Eyller-See-Triathlon in Aldekerk im vergangen Juli in den Händen hielt.

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Falls alles schiefgeht, habe ich eine hervorragende Ausrede.

Ich wähne mich bestens gerüstet: Während der sonnigen Monate fahre ich mehrmals in der Woche Rennrad. Meist sogar schnell. Jeden Mittwoch rackere ich mich unter Ehrenflamingo Martins strenger Aufsicht auf der Tartanbahn ab. Ab und zu gehe ich ins Freibad und kraule vergnügt durch die Fluten.

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Ich passe bei der Streckeneinweisung strebermäßig auf. Daran soll es nicht scheitern.

Außerdem schwimme ich, als Generalprobe sozusagen, mit einer triathlonerfahrenen Freundin von den Ciclisti eine Runde durch den Eyller See. Bisschen trübe, aber warm. Und mein Radelanzug/Triathlonanzug in spe sitzt auch. Dann lese ich mich zur Sicherheit noch durch sämtliche triathlonrelevante Blogs (und ignoriere dabei großzügig den Begriff “Koppeltraining”). Das dürfte an Vorbereitung genügen. Ich packe sehr viele Quetschbeutel in meine Tasche, pumpe Bonnie auf und los geht’s.

Am Eyller See, ganz bei uns in der Nähe, sind erstmal Plaudern und Wiedersehensfreude angesagt. Denn neben Rebekah und Saskia von den Ciclisti sind auch Julia und Naomi mit von der Partie. Alle haben schon mindestens einen Triathlon hinter sich und gehören zur äußerst fixen Fraktion.

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Während Naomi wunderbar entspannt lacht, ziehe ich nervöse Grimassen. (Das Foto stammt von meinem ehemaligen Redaktionskollegen, Gerhard Seybert. Danke, Gerry!)

Damit ich Bonnie später im Gewusel wiederfinde, merke ich mir (wie auf einschlägigen Blogs empfohlen) unseren Standort ganz genau. Angesichts der Tatsache, dass dieser Triathlon eher klein und gemütlich-familiär ausfällt, war das eventuell ein bisschen übertrieben. Zumal ich Schuhe und Co. auf einem nicht zu übersehenden, himmelblauen Pandabär-Badehandtuch drapiere (besonders ordentlich übrigens, zwecks besseren Handlings später).

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Bonnies knallpinke Bidons bieten auch einen ziemlich guten Anhaltspunkt. Das Foto stammt von Silke Cosler vom Brander SV, auf deren Foto ich mich zufällig wiedergefunden habe.

Ich finde mich ein bisschen dämlich, weil ich noch kein einziges Mal die Kombination Kontaktlinsen-Schwimmbrille getestet habe. Premiere also. Naomi und ich stratzen in den lauen braunen See, wegen der Wassergewöhnung, und damit ich stundenlang an meiner Brille fummeln kann. Irgendwann hat sie sich, wahrscheinlich für immer, an mein Gesicht gesaugt. Ich hoffe, der Startschuss fällt bald, denn mit jeder Sekunde beschlägt die Brille stärker.

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Ich renne fröhlich ins Verderben.

PENG! Ich laufe allen anderen blindlings hinterher, im wahrsten Sinne des Wortes. Mein sorgfältig ersonnener Plan sieht vor, erst ein paar Züge Brust zu schwimmen, wegen des zu erwartetenden Gemetzels beim Start, um dann meinen Kraulrhythmus zu finden. Zur Entspannung will ich nur auf der Schokoseite (links) atmen, aber zur Orientierung ab und zu hochblicken.

Als ich endlich ein bisschen Platz habe (Spoiler: sehr weit hinten) fange ich an zu kraulen. Doch bevor ich auch nur ansatzweise in so etwas wie einen “Rhythmus” verfallen könnte, habe ich Schnappatmung. Auch psychisch. Ich sehe nichts! Wasser im Mund! Ich werde sterben! Ich reiße mir die Schwimmbrille vom Gesicht. Ein Wunder! Ich kann wieder sehen – aber leider nicht mehr kraulen, weil wegen Wasser überall. Also Brust. Meine spontan erworbene Abneigung gegen Wasser im Gesicht hindert mich leider an der Ausführung korrekter Schwimmzüge. Ich gehe dazu über, mich großmuttermäßig und mit giraffenhaft gestrecktem Kopf vorwärtszuächzen und versuche, Augenkontakt mit dem DLRG-Paddler herzustellen, weil ich bestimmt gleich wiederbelebt werden muss.

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Immerhin: Ich weiß jetzt, wie sich Walrösser fühlen, wenn sie sich an Land wälzen.

Irgendwann ist Land in Sicht. Land! Alle zwei Zentimeter stoppe ich und probiere, ob ich bereits mit den Füßen den Boden berühre. Ha! Zwar auf Zehenspitzen, aber da ist er. Also “laufe” ich die letzten Meter und muss mich beherrschen, nicht auf die Knie zu fallen, um weinend die Erde zu küssen. Jetzt wird alles besser, denn gleich darf ich Rennrad fahren. Leider gibt es ein Problem. Wie komme ich vom Strand zu Bonnie? Am Liebsten würde ich auf allen Vieren vorwärts kriechen. Das macht aber sonst niemand. Waren die alle im Höhentrainingslager? Die Option scheidet also aus. Ich wähle die Variante “Schleichen wie ein Faultier”.

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Aktive Schwimmtrauma-Verarbeitung auf dem einzig wahren Sportgerät.

Einen Vorteil hat mein Versagen: Ich muss Bonnie nicht lange suchen. Ich sause los. Yay! Ich trete in die Pedalen, winke meinen pfeifenden und fotografierenden Fans (C., Ehrenflamingo Martin, Mama und Papa, Marder Manfred) und fange an, andere Radler zu überholen.

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Natürlich habe ich auch massig Fans. Beispielsweise Manfred, den Marder.

Warum eigentlich vorher Schwimmen, wenn Rennrad fahren allein so glücklich macht? Ich sinniere vor mich hin, als ich plötzlich C. höre: “Da vorne ist Naomi, komm, die kriegst du noch!” Muhahaha, denke ich, ziehe an und überhole sie kurze Zeit später tatsächlich. Die Freude währt natürlich nicht lange.

Fast forward auf die Laufstrecke: Nach wenigen Metern rast Naomi gazellengleich an mir vorbei. Lächelnd, wie immer. Ich fühle mich wie ein Elefant, stampfe aber vergnügt weiter. Inzwischen haben Julia und ich uns auf der Strecke gefunden, und wir absolvieren die letzte Runde gemeinsam.

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Julia und ich beweisen: Triathlon macht Spaß.

Die Aussicht, dass die Strapazen gleich ein Ende haben, machen uns auf den letzten Metern noch ein bisschen schneller. Die Stimmung ist fantastisch, meine Mutter bläst munter in eine Trillerpfeife, die einst meinem Urgroßvater gehörte, der damit Züge am Duisburger Bahnhof zum Weiterfahren brachte, sodass auch das Kerkener Umland in den Genuss der Triathlon-Atmosphäre kommt.

Nach 1:21:44 (zeitgleich) bekommen wir, was wir verdient haben: Schorle, Kuchen und eine Massage. Fazit: Geil! Aber bitte nie wieder.

P.S.
“Nie wieder” hieß immerhin knapp zwei Monate. Dann habe ich mich beim Weseler Triathlon an den Start gewagt.

 

 

Call me Kittel!

Ich schmeiß alles hin und werde Radprofi! C. weiß es noch nicht, und ein Team habe ich auch noch nicht gefunden. Aber mit diesem Artikel wird sich beides ja ganz schnell ändern. Jedenfalls: Bonnie und ich sind am 3. Oktober nach Münster gefahren, um am weltberühmten Münsterlandgiro teilzunehmen. Ehrenflamingo Martin und unser Freund Peter waren mit von der Partie.

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Ich trage eine schicke Mütze und werde auch noch schick umrahmt.

Zunächst verhielt ich mich jedoch sehr unprofessionell (interessierte Teams wie Katusha Alpecin oder BORA-hansgrohe – diesen Absatz jetzt bitte überspringen). Nachdem ich meine Startnummer an meiner neuen, flamingopinken Jacke gefixpointed und an Bonnies schmalen Lenker geknüpft habe, musste ich noch den Transponder für die Zeitmessung an der Gabel befestigen. Dank der im Starterset befindlichen Kabelbinder war auch das kein Problem. Super, wir können losrollen! Theoretisch. Praktisch habe ich den Transponder nicht nur an der Gabel, sondern auch an einer Speiche festgezurrt.

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Eine große Schmach in meiner Radsportkarriere.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass Ehrenflamingo Martin in seinem Auto stets eine umfangreiche Werkzeugsammlung und Tape mitführt. Zudem tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich demnächst als Radprofi solche profanen Aufgaben nicht mehr selbst erledigen muss. Es könnte auch eventuell sein, dass mich dieses Schicksal nicht als einzige ereilte.

Doch danach ging es auf meiner “Feeling like a Radprofi”-Skala stetig aufwärts. Allein das Gefühl, im Startblock D der 95-Kilometer-Strecke ganz hinten zu stehen fand ich wundervoll. Überall Menschen, die genauso gerne Rennrad fahren wie ich. Die Polizei dirigierte selbstherrlich Autofahrer vondannen, und wir hörten den Countdown, …möööp… wir fahren!

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Meine neuen Strava-Freunde. (Foto: sportfotograf.com)

Und zwar im Sonnenschein, auf trockenen und gesperrten Straßen! Darüber hatte ich vorher gar nicht nachgedacht. Kein Auto weit und breit! Stattdessen: Polizeimotorräder, Notarztwagen (die leider ein paar Einsätze hatten) und Technischer Service. Freie Bahn! Rennrad rulez! Endlich kann ich ballern!  Und wir ballern! Pedalieren! Überholen! Treten! Flitzen! Sehr geil. Irgendwann pendeln wir uns mit einer kleinen Gruppe ein, und wir wechseln uns mit Windschatten geben ab. Ich auch, allerdings lässt das Gesamttempo dann immer ein wenig nach. Dafür ziehe ich bei Rückenwind ein längeres Stück und hoffe, dass das auch gilt.

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Ehrenflamingo Martin gibt alles, damit ich gut wegkomme. (Foto: sportfotograf.com)

Weitere Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich mich fühlte wie bei der Tour de France:
Die Zuschauer.
Sie jubeln, tröten, klatschen, rufen und scheinen komplett vergessen zu haben, dass sie eigentlich ruhige, sture Münsterländer sind. Ich winke dauernd begeistert zurück, muss dies aber aus Sicherheitsgründen bald unterlassen. Leider.
Der Zwischensprint.
Ich habe zwar nicht ganz geblickt, ob der 1000 Meter lang ist, in 1000 Metern anfängt und wenn ja, wo. Ich bin einfach weiter schnell gefahren.
Die Verpflegungsstation.
Wie jetzt? Absteigen und Eierwaffeln essen wie bei einer RTF? Nichts da! Am Straßenrand standen mutige Helfer und streckten uns Bananen und Müsliriegel entgegen, die es galt, während der Fahrt möglichst elegant und komplett zu erhaschen. “Mein” Helfer lebt noch, und (Achtung, Team in spe) ich glaube, dass ich Musettes sogar noch leichter ergreifen könnte. Profipotenzial also!
Erwähnte ich die gesperrten Straßen?

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Windschatten lutschen tat zwischendurch ganz gut. Ich gebe es zu. Aber das macht man doch so als Teamkapitänin, oder? Oder?! (Foto: sportfotograf.com)

Ich habe heute wirklich gute Beine! Ob das mein Marathontraining macht? Jedenfalls trete ich durch und wenige Kilometer vor dem Ziel wird das Tempo nochmal deutlich schneller. Dann taucht ein Schild auf: “Noch 20 km”.

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Ich wie ich mich saumäßig quäle. (Foto: sportfotograf.com)

Ich möchte völlig unprofessionell zusammenbrechen. Eventuell weinen.
“Das Schild gilt nicht für unsere Strecke”, sagt Martin, während er an mir vorbeizieht, um mich für den Schlussspurt mitzunehmen. Oh.

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Geschafft! Aber total! (Foto: sportfotograf.com)

Und dann rasen wir auf das Ziel zu! Links und rechts Werbebanden und dahinter jubelnde Zuschauer. Da muss man doch Profi werden wollen! Nach 2:57 h piepst der an die Gabel getapte Transponder, und wir rollen in die Chillzone. Ich bin völlig euphorisch, auch wenn meine Zeit das nicht hergibt (liebes zukünftiges Team: das wird besser, weil ich ja bald nur noch trainiere). Meine Platzierung und mein gefühlter Einsatz decken sich nicht.

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Nach der Zieleinfahrt ist vor dem Start 2018. Mission “Da geht noch was”.

Aber das ist völlig wurscht. Es hat so unfassbar viel Spaß gemacht, auf dieser tollen Strecke, bei dieser genialen Stimmung und dieser fantastisch organisierten Veranstaltung zu fahren! Wir umarmen unsere Mitfahrer und bedanken und beglückwünschen uns gegenseitig. Dann taucht noch die ganze Düsseldorfer Gang auf. Na klasse!

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Jan und Maren sind die 65 Kilometer geflitzt und Christian war uns auf den 95 meilenweit voraus. Darauf Bier und Cola!

Wir füllen unser Kalorien- und Kohledydratdefizit  (Martin reicht sogar Flamingomuffins) und fachsimpeln über Strecken, Räder und Zeiten. Und Ziele. Meins: Radprofi werden. Bei jedem Rennen solche Bedingungen, da bin ich dabei. Falls das nicht klappt sofort klappt, macht nix. Hauptsache, ich bin im nächsten Jahr wieder am Start!

P.S. Tiersichtungen
– sehr viele hübsche Hunde

 

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Geht in die Hose. Teil VII.

Genaugenommen wollte ich gar keine neue Radhose kaufen. Aber dann ist es doch passiert. Wirklich zufällig! Alles begann damit, dass ich mir im Rapha-Sale ein hübsches Trikot gegönnt habe (Das dunkelblaue mit den zwei Streifen, Ihr wisst schon. Das, das jeder hat). Dann fiel mir auf, dass es nicht perfekt zu meiner Radhose passt. Das geht natürlich gar nicht.

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Die Farbe nennt sich übrigens navy. Der Beinabschluss ist wunderbar pink – hier ein bisschen schlecht zu sehen. (Foto: Rapha)

Außerdem, so redete ich mir (naja, in erste Linie C.) den Kauf schön, führe ich doch so viel Rennrad, da brauche ich dringend eine weitere Hose, bla, immer nur waschen doof, blabla, in gutes Material investieren, blubb, und schau, wie hübsch sie ist! Aufgrund der Farbe und des bodyartigen Schnitts bestellte ich also munter drauflos:

Produkt
Women’s Brevet Bib Shorts von Rapha, Größe S (eher eine Nummer kleiner wählen)
Model
Radflaminga Annette

Fazit
Oh. Yeah. Sie sitzt ganz wunderbar! Obenrum: perfekt! Untenrum: fantastisch. Sie schmiegt sich angenehm eng an den Körper, und ich bilde mir sogar ein, dass sie der Figur schmeichelt. Vielleicht machen mich die dezenten pinken Unterlegungen und die weißen, reflektierenden (!) Punkte auch ein bisschen schummrig. Übrigens mag ich es sehr, wenn etwas reflektiert. Ein Argument, das ich C. vortrug: “Ich kaufe die Hose für meine Sicherheit! Das ist sehr tüchtig im Straßenverkehr! Ich werde besser gesehen.”

Wer vom vielen Radfahren coole Oberschenkelmuskeln entwickelt hat, könnte eventuell Probleme bekommen, weil die Hose am Bein recht eng sitzt. Bei mir aber noch ganz angenehm. Allerdings ist sie etwas länger als meine geliebte Protective-Hose. Schreck! Ich werde ein tanline-Problem bekommen. C. sah das übrigens als Vorteil: “Jetzt kommt ja der Herbst, dann passt das doch.”

Meine Abschlussbemerkung: Das Material fühlt sich wirklich sehr hochwertig an. So. Damit sollte ich mich als Rapha-Ambassador qualifiziert haben.

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I’m a sucker for reflektierende weiße Pünktchen.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: unverhältnismäßig! (210,00 Euro!) Sind da Goldfäden eingewebt?
Passform: herausragend
Polster: sehr gut (nicht zu dick, schwarz)
Umwelt: ich hoffe das Beste
Werbung: leider cool
Bestellabwicklung: sehr gut (direkt über den Shop)

Links
www.rapha.cc

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Ein Klassiker

A wie Anmeldung
“Hat noch jemand Lust, beim LBL Ardennen Klassiker im August mitzufahren?”, fragte Nicole Beatriz in der Rennradfrauengruppe auf Facebook. Also Lüttich-Bastogne-Lüttich! Voll cool! “Ich!”, schrieb ich also und meldete mich sofort an. Danach checkte ich den Streckenverlauf: 125 Kilometer und 2200 Höhenmeter. Herr im Himmel, hilf! Schick Beinmuskeln! Und Realitätssinn, falls ich mich jemals wieder für irgendeinen Quatsch anmelden will. Ich wage keinen Rückzieher, weil ich überall herumposaune, wie sportlich ich sei. Außerdem scheinen meine Mitfahrerinnen sehr nett zu sein.

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Wer nicht vorher lesen will, sollte Nairo Quintana sein.

B wie Belgien
Immerhin: meine Mitfahrerinnen Nicole, Fatma, Dani, Beatriz und Veronique sind wirklich total nett. Wir gönnen uns am Freitagabend in Lüttich (die Stadt, die auf meiner Hässlichsten-Städte-der-Welt-Rangliste den ersten Platz belegt) eine Pizza und fühlen uns wie bei einer Klassenfahrt. Aber nur bis Samstagmorgen um 6 Uhr. Dann stehen wir nämlich auf, damit wir pünktlich losrollen können.

Bonnie hat vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühlte mich damit sehr professionell.

Bonnie trägt vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühle mich sehr professionell.

Gestern herrschten tolle Radfahrbedingungen: Bedeckt, windstill, 18 Grad. Für den Großen Tag ist eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 bis 99 Prozent angesagt, je nach Wetter-App. Um 8 Uhr stehen wir am Start, und natürlich beginnt es zu regnen. Dünne, leichte Tropfen. Aber davon viele. Und stetig mehr. Und dann eine Regenwand, die waagerecht auf uns zukommt. Aber alle tragen es mit Fassung und finden den Regen genau so bescheuert wie ich. Meine Laune ist gut, meine Füße trocken, mir ist warm, es geht sanft bergab, und die Landschaft außerhalb von Lüttich ist wirklich wunderschön. Soweit ich das durch die Dunstschwaden erkennen kann. Herrlich also.

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Lüttich, 8 Uhr, leichter Regen. Die Helme sitzen.

C wie Chillig ist anders
Herrlich bis Kilometer 3,4. Anstatt dass meine Füße nach und nach feucht werden, wie ich es mir ausgerechnet hatte, ergießen sich auf einmal mehrere Liter Wasser mit einem Schwall in meine Schuhe. Immerhin nicht kalt. Und meine Wind-Schrägstrich leicht wasserabweisende Jacke hält sogar noch bis Kilometer 10. Ich bin komplett nass. Jetzt ist auch alles egal. Noch 115 Kilometer. Wann kommen eigentlich diese Steigungen, vor denen ich mich so fürchte (und deretwegen ich im Toskanaurlaub aus Übungszwecken Berge unter größter Hitzschlag-Gefahr hochgeächzt bin)?

D wie demoralisierend
Oh. Hier. Ich versuche recht erfolgreich keine Schlangenlinien zu fahren. Dass ich überhaupt fahre, gleicht einem Wunder. Vielleicht doch ganz gut mit dem Wetter, denke ich. Bei Hitze bin ich zum Bergauffahren kaum zu gebrauchen. Dann geht es bergab. So ein Mist mit dem Wetter, denke ich. Einmal auf dem nassen Asphalt wegrutschen und ich bleibe länger in Lüttich als mir lieb ist.

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Das ist ja der Gipfel! Dani, ich und die halbe Nicole freuen uns darüber sehr.

Die Anstiege haben eine Zeitmessung, und oben warten schon Dani und Nicole. Letztere legt eine fantastische Gesamtzeit bei den Frauen hin. Da ich ihre Strava-Aktivitäten heimlich gestalkt habe, wundert mich das nicht: “Acht mal Schweineberg hoch und runter”, steht da zum Beispiel. Und sie verrät, dass ein älterer, passionierter Rennradler sie und ein paar Freundinnen ab und zu trainiert: “Hände flach auf die Bremshörnchen legen und ab, den Berg hoch! Schön aus der Hüfte arbeiten.”

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Die Folgen der Ardennenschlacht

An der Verpflegungsstation tropfen alle vor sich hin und frieren. Wir beschließen, abzukürzen. So richtig toll ist das nun doch nicht. Warum ich Bonnie nicht in den Graben schmeiße, “Scheißregenbergekeinbock!” brülle, erschließt sich mir nicht. Ich kurbele fast fröhlich vor mich hin, irgendwann ganz allein. Es ist alles sehr grün, und manchmal hört es sogar auf zu regnen. Und manchmal wird es sehr steil. Die Schwerkraft zieht mich am Côte de la Combe nach unten, und ich eiere in eine halbwegs ebene Hauseinfahrt, um mich panisch auszuklicken. Und zu schieben. Aber sonst geht’s.

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Nicole und Veronique lachen die Strapazen einfach weg.

E wie am Ende
Mein Garmin zeigt 99 Kilometer und 1800 1824 Höhenmeter an, als ich über die Ziellinie rolle. Ich bekomme eine Kappe und eine Medaille! Meine erste überhaupt.

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Sehr nass, sehr erschöpft und ziemlich stolz.

Als ich sie später C. zeige, guckt er anerkennend, glaube ich. Ich verrate ihm nicht, dass jeder eine Medaille bekam und trage sie sogar beim Abendessen.

PS. Tiersichtungen
– 1 Fuchs (tot)
– 1 Esel
– mehrere Zwergseidenhühner

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Unser Jubel ist gerechtfertigt. Yay!

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