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Le Berg

C., ich und unser Gastsohn Micah haben die Herbstferien in Südfrankreich verbracht. Der Plan: sehr viel vin trinken, sehr viel essen, sehr alte Gebäude anschauen und dem Gastsohn ein bicyclette leihen und hübsch entspannt durch die Provence radeln. Mit uns auf den Rennrädern wäre das wohl ein bisschen zu flott. Also kamen Schnurri und Paula (C.s sonnengelbes Trail-Alltags-Cross-Rad) mit.

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Da isser. Fotografiert von C. in Avignon.

So ganz ist das Gastkind noch nicht mit unserer Fahrradmanie gesynct, also stiegen wir an einem windstillen, grauen Mittwoch gegen 13 Uhr allein ins Auto, um die Räder in Ventoux-Nähe wieder auszupacken und eine Tour um den Berg herum  zu machen. C. hat diverse Strecken auf den Garmin gespeichert.

Aber eigentlich. Jetzt wo wir eh zu Zweit sind. Dann können wir doch. Wie wir ursprünglich wollten. Und plötzlich stehen unser Auto, wir und die Fahrräder in Bédoin am Fuß des sagenumwobenen Mont Ventoux.

Kilometer 20
“Bis zum Gipfel sind es 20 Kilometer”, sagt C. Auch die Strecke bis nach oben steckt in seinem Garmin. Was das bringen soll, ist mir rätselhaft. Schließlich geht es nur geradeaus. Und hoch. Aber ha! 20 Kilometer sitze ich auf einer Arschbacke ab. Das ist eine äußerst übersichtliche Zahl.

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Wärmer als gedacht, also weg mit der Weste.

Erstmal müssen wir aus diesem Ort heraus. Die Wolken (die den Gipfel übrigens komplett verhüllen) sehen sehr bedrohlich aus. Grau. Regenschwanger. Wir einigen uns darauf, bei Regen sofort wieder umzukehren. Wir legen außerdem fest, viele Pausen zu machen. Denn wir haben ja Zeit.

Kilometer 18
Das mit dem Kilometerfressen läuft. Zwar geht’s bergauf, aber doch eher gemäßigt. Warm wird’s auch noch, und wir entfernen Windjacken-Ärmel und ziehen Reißverschlüsse herunter. Vorsichtshalber naschen wir ein bisschen aus der XL-Studentenfuttertüte, die wir mitgebracht haben. Hungeräste gilt es schließlich zu vermeiden.

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C. an Kilometer 18, mit der provenzalischen Landschaft verschmelzend.

Ich kann kaum fassen, dass wir wirklich gerade dabei sind, den Mont Ventoux hochzufahren. Wir! Ob ich heute Abend tatsächlich stolz im Bett liege und es geschafft habe? Schwer vorstellbar, denn irgendwie sind wir dem Gipfel noch gar nicht näher gekommen.

Kilometer 16
Wir sind im Wald, und es duftet nach Kiefern. Inzwischen fahre ich auf dem kleinsten Blatt. Schnurris Bergübersetzung macht sich bezahlt, auch wenn ich mich wieder an den größeren Rollwiderstand gewöhnen muss.

Kilometer 15
Laut einem dieser weiß-gelben Kilometersteine am Straßenrand sind wir noch nicht mal auf 1000 Metern. Das betrübt mich. Zumal C. mir mitteilt, dass der Mont Ventoux 1900 Meter hoch sei und nicht wie von mir irrtümlich gedacht, 1600. Die ganze Zeit dachte ich: “Mensch, also genau wie den Brenner hochfahren und noch hundert Meter drauf. Geht doch.” Jetzt denke ich: “Höhenkrankheit! Reinhold Messner! OHMEINGOTT!”

Kilometer 14
Pause, eine von vielen. Am Straßenrand ist dafür massig Platz. Aber ich bin viel zu fertig, um eine Parkbucht anzusteuern. Wir trinken und mampfen Nüsse gerade so weit rechts, ohne dass uns eins der wenigen vorbeikommenden Autos umfahren kann.

Kilometer 13
Die Radfahrer, die uns im Affentempo entgegensausen, bereiten mir Sorgen. Sie tragen Fleecemützen, Winterhosen, Gamaschen, dicke Handschuhe und haben ihre Bufftücher so weit ins Gesicht gezogen, dass sie fast ihre Brillen verdecken. Ist es wirklich so kalt da oben?

Kilometer 12
Mir ist jedenfalls sehr warm. Ich schnaufe. Ich trete. Ich denke. Zum Beispiel:
– Acht Prozent Steigung ist gar nicht so viel. Es ist nicht zweistellig.
– Was sind das für Rennradler, die ihre Energiegelpapiere einfach auf die Straße werfen?
– Ha, ich mache das komplett ohne Energieriegel, Ihr Pussis!
– Ich hätte allerdings schon gern einen.
– Wann beginnt wohl diese Mondlandschaft?
– Quäl dich, du Sau!
– Ich erzähl den jungen Leuten immer, das ist kein Hallensport.
– Wilfried Erdmann ist mit dem Fahrrad nach Indien gefahren. Völlig ohne Funktionswäsche.

Kilometer 11
Manchmal singe ich auch. Innerlich. Gerade habe ich eine EAV-Phase, die C. fast in den Wahnsinn treibt, wenn ich sie äußerlich auslebe.
– Mit meinem Nobelhobel fahr’ ich auf der Autostrada. Einmal kurz auf’s Gas und schon bin ich da-da.

Kilometer 10
Ich fahre immer weiter. Mir ist völlig schleierhaft, was mich antreibt. Motivierend finde ich jedenfalls den vollgetexteten Straßenbelag und die Tatsache, dass all die Großen genau hier drüber gefahren sind. Da steht zum Beispiel:
– DEGE! DEGE!
– Wij zitten hier! Hup!
– Kold øl, 150 meter!
– FroomEPOwer
– Stop Trump
– Sagan!

Kilometer 9
Einstellig! Dafür vierstellige Höhenmeter. Meine Erinnerung ist verblasst. Plötzlich taucht Chalet Raynard auf. Der Wald verschwindet, und vor uns entfaltet sich die unwirkliche Geröll-Landschaft dieses provenzalischen Klotzes. Wir bleiben kurz stehen, um Windjackenärmel wieder anzuzippen. C. schafft es trotz Kurzatmigkeit mich darauf hinzuweisen, dass die Tour de France dieses Jahr hier ihr Ende fand. Der Wind war so furchtbar stark, die armen Froomes und Sagans und Quintanas hätte es einfach in die weit unten liegenden Lavendelfelder geblasen.

Müsste ich nicht viel platter sein? Ich fahre schon mal, während C. noch an seiner Weste fummelt. DAS nenne ich Berg. Diese Felsen, der Ausblick (dank Nebel leider nur ansatzweise), diese Stangen an den Seiten. Ein Geräusch von hinten. Das wird C. sein. Mensch, der hat aber noch Körner, mich so rasch einzuholen. Ich blicke zur Seite. Ich will weinen. Ein Jogger sprintet an mir vorbei. Braungebrannt, hübsche Wadenmuskeln, nicht mal mit grimmig-verkrampfter Miene, nein, er hüpft locker-flockig-frohgemut hinauf.

Schon sehr viel näher
Wir machen noch mehr Pausen. Ich stelle mir vor, dass mich jede Kehre dem Gipfel näherbringt. Jede Kehre bringt Höhenmeter. Das sind doch jetzt schon, also mindestens… wenn nicht sogar…

Ganz nah dran, glaub ich
Es ist kalt. Der Nebel ist kalt. Mir ist kalt. C. ist mit Paula vor vielen Jahren schon einmal den Mont Ventoux hochgefahren. Im Sommer. Er berichtet in atemlosen, abgehackten Sätzen, über welchen Ausblick wir bei Fernsicht verfügen würden (Einen sehr schönen. Bis ans Meer).

Es kann nicht mehr weit sein
Ich sehe den Jogger als winzigen, neongelben Punkt über mir. Dann überholt mich ein Rennradfahrer. Ok. Der darf das. Dann überholt mich ein Typ auf einem E-Bike! Der Rennradfahrer, C. und ich schnaufen gleichermaßen frustriert-empört.

Tommy-Simpson-Gedenkstein
Hier machen wir natürlich eine Pause und legen einen Stein unter die Gedenktafel.

Das Weiße im Hintergrund ist die Nebelwand.

Das Weiße im Hintergrund ist die Nebelwand. Und eventuell auch Fels.

Nur noch 1 km
Das sind ja nur 1000 Meter! Das ist ja unglaublich nah! Das heißt, wir schaffen es wirklich! Der Nebel, die Kälte, die Knapp-Fünf-Meter-Sicht, die Stille – das sorgt für eine seltsame, unheimliche Atmosphäre. Wir haben keine Ahnung, wo wir sind. Wir sehen weder den Gipfel, noch die Straße, von der wir kommen.

Gelogen! Das sind mehr als 1 km
Es geht nicht mehr. Wir schieben. Wir schieben beide.

Le Gipfel!
Da! Da ist das Schild, das ich so gut von Fotos kenne! Ich sprinte mit Schnurri hin. Der Wahnsinn! Wir sind da!

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Call me Hillgirl. Yeah! Ich sehe aus wie ein Michelinmännchen und trage meine Tchibo-Kompressionssocken. Alles aus Kälteschutzgründen. Eitelkeit adé.

Noch nie habe ich mich so unbändig über ein sportliches Ereignis gefreut. Doch ich will nur eins. Wieder runter. Scheiße ist das kalt! Der andere Rennradfahrer zieht sich gerade im flatternden Wind wärmere Klamotten über. Als wir mein Handy für das Beweisfoto zücken, sagt er, dass er extra auf uns gewartet habe, damit er fotografieren kann. Merci an dieser Stelle!

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Wir ziehen alles an, was der Rucksack hergibt. Das ist leider gar nicht so viel.

Wir drei beglückwünschen uns gegenseitig, wünschen uns einen bonne journée und nicht vergessen, vorsichtig runterfahren! So schnell wir können, bei Wind und 1°C, ziehen wir uns Mützen und Hemden an. Leider haben wir nur ein Paar Handschuhe. Sie gehören C.

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Auch Paula und Schnurri bekommen ihr wohlverdientes Foto. Besonders gefreut haben wir uns übrigens über den “Düsseldorf Grand Départ 2017”-Aufkleber!

Egal. Alles an, alles drüber. Ich trage ein Riesen T-Shirt von C. über meiner Windjacke. Das Bufftuch über der Nase. Die Kapuze meines Pullis hochgeklappt, darüber eine Fleecemütze. Nur bitte wieder runter. Los geht’s. Ok. Wir einigen uns darauf, wirklich ganz vorsichtig zu fahren.

Bergab

Noch vor Tommy Simpsons Stein sind meine knallroten Hände komplett bewegungsunfähig. Ich würde gern höher schalten, weiß aber nicht wie und wo. C. ist ein Gentleman. Er gibt mir seine Handschuhe.

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Trotz Kälte, völliger Verausgabung und Ankunftsjubelschock hatte ich Zeit, dieses künstlerisch wertvolle Foto zu machen.

Und weiter runter. Ein bisschen blutet mir das Herz, dass wir jetzt so flitzen, so schnell die Straße hinter uns lassen, die uns vorhin schier endlose Quälerei beschert hat. Aber wow, ist das eine flowige Abfahrt! Die Kurven sind gut einsehbar, die Steigungungen nicht so krass, dass man heftig in den Bremsen hängen müsste, der Verkehr, welcher Verkehr? Wenn mir ein bisschen wärmer wäre, dann wäre diese Abfahrt die perfekte Zehn.

Back in Bédoin
Genau dreieinhalb Stunden haben wir gebraucht. Dreißig Minuten hat die Abfahrt gedauert. Krass, bin ich also wirklich drei Stunden ununterbrochen bergauf gefahren? Egal. Es war der Wahnsinn und hat sich gelohnt. Allerdings ist uns so kalt, dass wir, im wahrsten buchstäblichen Wortsinn schlottern und mit den Zähnen klappern. Wir ziehen ein paar nasse Sachen aus, einen Kapuzenpulli über, ich hülle mich in die Decke ein, die immer im Kofferraum liegt. Dann stellen wir Umweltsäue die Heizung auf volle Pulle und fahren glücklich nach Hause. Au révoir, lieber Berg! A la prochaine fois!

P.S. Tiersichtungen
– Flamingos! In freier Wildbahn! Endlich! (Ganz eventuell nicht am selben Tag gesichtet) Zum Beweis jedoch ein Foto:

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Geht in die Hose. Teil V.

Sie ist wunderschön. Sie hat ein paar weiße Pünktchen am Bein. Sie ist ein körperformschönmachender Einteiler, der sich, glaube ich, auch zum Triathlon eignet (das T-Wort. Das musste ja passieren. Danke Maren. Dazu später mal eventuell mehr). Um es kurz zu machen: Ich bin fündig geworden!

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Gelernt: Fahrradhosen lassen sich am besten in Aktion fotografieren. Hier seht Ihr die tollen Reflektor-Punkte.

Produkt
PROTECTIVE Damenbody „Tara“, Größe 36 (eher eine Nummer kleiner wählen)
Model
Flaminga Annette

Fazit
Seit einigen Wochen schwinge ich mich in meinem Protective Body (mei, so heißt es halt. Trägerhose eben) auf Nessi. Damit fahre ich das Nachfolgermodell meines heißgeliebten, zirka neun Jahre alten Protective Bodys. Der ist jetzt etwas ausgeleiert, und die recht kurzen Beine, die ich früher toll fand, gefallen mir jetzt nicht mehr so (Stichwort gleichmäßige tanlines und, ähm, DellenCellulitis, ihr wisst schon).

Das neue Nachfolgemodell hat „normal kurze“ Beine. Das Polster ist relativ dünn geworden (sicher nicht für jeden das Richtige), aber ich finde es okay. Der Rückenteil hat jetzt mehr Mesh-Einsatz (Ha, ich sollte für Outdoor-Firmen texten!), ein bisschen Weiß ist hinzugekommen (an den Trägern und am Rücken und nicht zu vergessen die Punkte am Bein), und das alleraller Wichtigste: Sitzt super!

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Vorne ist ein kurzer Reißverschluss, die Träger an den Schultern sind schön breit. Das – und weil es ein Body ist – sorgt für komfortables Sitzgefühl. Die Beine könnten vielleicht noch enger sitzen (wer Rennen fährt, kauft wahrscheinlich sowieso so richtig spack sitzende Teile), aber ich bin höchst zufrieden. Die Hose hat sich auf unserer Urlaubs-Radfahrt bereits bestens bewährt. Ich bin schon fast traurig, dass ich bald wieder auf die längeren Modelle umsteigen muss (obwohl ich da auch bequeme Hosen gefunden habe). Also: endlich! Das Suchen hat ein Ende. Kaufempfehlung!

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18 Uhr, unterwegs nach Arcen: die Hose sitzt.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: sehr gut (89,90 Euro)
Passform: sehr gut
Polster: gut (eher dünn)
Coolness: sehr gut (Die Punkte! Der Schriftzug!)
Umwelt: weiß ich nicht
Werbung: befriedigend
Bestellabwicklung: gut (Bobshop)

Links
Protective
Bobshop

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Der Wendekreis der Radflamingos

Die Radflamingos, Lali Banani*, Giulia und Leonie sind am Sonntag zu ihrer seit Monaten geplanten Pommes-Tour aufgebrochen. Ziel war es, das kartoffelstäbchenherstellende Nachbarland zügig mit den Rennrädern zu erreichen und sich dort die wohlverdienten Patatjes selbstzufrieden einzuverleiben.

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Nun. Soweit der Plan. Mareike war beim dritten Kaffee, ich schnuppte Schokolade und Leonie und Giulia ernteten eifrig Weintrauben aus unserem Garten. Irgendwie mussten wir die Zeit ja überbrücken, nachdem Lali mit einem kryptischen Anruf ihr Zuspätkommen ankündigte. Irgendwas mit Kette, kaputt, Kempener Weg.

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Aufgepumpt, gecheckt, beladen. Eigentlich könnten wir losradeln. Eigentlich.

C. war lieb, setzte sich ins Auto, und versuchte Lali anhand der dürftigen Ortsangaben zu lokalisieren. Und zwar schon seit einer Dreiviertelstunde. Wir vier bewegten uns beinahe schon am Rande des Fresskomas, als die beiden endlich ankamen.

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Merke: Einweghandschuhe sind deine Freunde!

C. hievte Lalis wunderschönes Specialized Ruby aus dem Kombi, und Lali trug die Fahrradkette in ihren ölschwarzen Händen. Ruby bekam ihre Kette (repariert) zurück, und die Schaltung funktionierte wieder. C. bot Lali Waschseife und uns Einweghandschuhe an, falls es unterwegs Probleme geben sollte.

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Mal einfach die Kette wieder dran machen. Klaro. Kein Problem.

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C. und Mareike helfen. Lexas Kette dient als Vergleichsobjekt.

Doch während der internationalen 65 Kilometer-Tour mussten wir uns Gott sei Dank mit keinerlei technischen Problemen mehr herumschlagen. Selbst der Garmin, der uns leitete (danke für die Tour übrigens, Peter von den Ciclisti Kempen), war brav. Und als ich einmal zweimal dreimal zur abrupten Richtungsänderungen aufrief, lag das an der, hm, tiefstehenden Sonne. Oder so.

Diese Richtungswechsel bringen uns zum nächsten Thema – dem Wendekreis. Diesbezüglich hatte Mareike eine Erkenntnis. Sie, Mareike, wisse jetzt, warum sie immer länger brauche, um zu uns aufzuschließen, wenn wir wegen einer Falschansage umdrehen müssten. Es liege an ihrem Wendekreis. Der sei komplett andersherum als unserer. Weil sie „goofy“ sei mit ihrer Pedale. „Also Ihr klickt immer zuerst mit links aus. Ich mit rechts“, erklärte Mareike. Und deshalb drehe sie mit Lexa auch immer ihre Korrektur-Kurve in einem anderem Bogen als wir.

Weitere Themen an diesem Sonnensonnensonnenseptembersonntag: der Wind. Der kam nämlich von hinten. Aus unerfindlichen Gründen sogar die ganze Zeit. Nachdem uns ein als Radweg deklarierter  Baumwurzel-Trail auf die Landstraße trieb und wir hübsch hintereinander und flott bis Arcen kurbelten, stoppten uns im dortigen Wald Feen, Zauberer und Elfen. Zeit also für einen Reality-Check und einen Zwischensnack in Form von Früchte-Quetschbeuteln.

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Liebe Quetschbeutel-Hersteller: Sucht Ihr zufällig noch total kompetente Produkttester?

Wir wurden von einem übereifrigen Ordner verscheucht, und fanden uns bald auf einer winzigen, niedlichen Fähre wieder, die uns über die Maas schaukelte. Der netteste und wahrscheinlich älteste Fährmann ever bat direkt um ein Handy, um uns zu fotografieren. Wir waren entzückt und strahlten geschmeichelt.

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Schwupp sind wir drüben. Leider haben wir den netten Fährmann nicht fotografiert, aber man sieht seinen Schatten.

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“So und jetzt alle lächeln” (In niederländischem Akzent gesprochen)

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Der Fährmann fotografierte gnadenlos und aus allen Winkeln.

Im Spargeldorf Grubbenvorst, hinter der (wirklich nach Rosen duftenden) Rosenstadt Lottum, dann endlich – POMMES! Mareike und ich waren zunächst sehr irritiert, dass wir als einzige tatsächlich (und “fließend” Niederländisch, schließlich galt es, jüngere Radlerinnen zu beeindrucken) patatjes bestellten. Doch die drei besannen sich rasch, und wir aßen alle gemeinsam aus den mehr als groot zu bezeichnenden Pommestüten.

Äußerst entspannt radelten wir weiter nach dem Motto “Sie haben Ihr Ziel erreicht.” Denn das hatten wir ja. Ich dirigierte uns durch Venlo und dann immer bergauf (!), bis zum Wohnviertel und der Heide mit dem Segelflugplatz. Fun fact: Einer von den AC/DC Typen (ja, von der Band) wohnt in Venlo, weil seine Frau Niederländerin ist.

Mareike riet mir, mein Strava-Segment “Parallel zur Lagune sausen”, besser nicht zu erwähnen. Ich sagte ihr, dass ich das für eine kluge Idee hielte. Schließlich reicht es, dass Maren sich dort das Krönchen geschnappt hat. So wie Leonie, Giulia und Lali fahren, hätte ich mich wohl bald noch weiter hinten auf der Rangliste wiedergefunden.

Zuhause indes war C. nicht untüchtig geblieben, und so verspeisten wir auf der Terrasse frischen Apple-Crumble und überlegten, wohin uns unsere nächste Tour führen soll (Vorschläge, anyone?)

 

P.S. Tiersichtungen
– 2 wilde Rauhhaardackel
– 1 Ork (zählt nicht, weil streng genommen kein Tier und weil auch leider das Beweisfoto fehlt).

*Lali ist die Abkürzung für Lalena. Ihre Eltern haben sich coolerweise vom gleichnamigen Deep-Purple-Song inspirieren lassen. Banani spielt auf ihre Lieblingsspeise Bananen an, von denen selbstverständlich mehrere in ihrem Trikot steckten.

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❤️ First Fahrrad-Love ❤️

Erinnert Ihr Euch noch an Euer erstes Fahrrad? Meins war wunderschön. Blau, schwer, mit dicken Reifen und Micky-Maus-Klingel. Mein Papa hat sogar eine Hupe montiert, die ich eifrig nutzte.

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1979. Ich übe. Ich will die Stützräder unbedingt loswerden!

Er hat sich zudem immer darum gekümmert, dass “das Rädchen” top in Schuss ist – so wie bei allen Fahrrädern, die danach folgten. Quietschen und falsche Sattelhöhen sind mir bis heute ein  Gräuel. Die knallroten Pfeifenreiniger sorgten für blitzblanke Naben, und natürlich waren die Reifen immer aufgepumpt, die Kette gefettet und der Rahmen geputzt.

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Ein Familienmitglied ärgert sich, weil es das Fahrrad noch nicht beherrscht. Ich bewundere derweil die älteren Nachbarjungen auf ihren Bonanzarädern.

Erst mit beiden Stützrädern, dann mit einem und schließlich ganz ohne, fuhr ich unsere Straße unermüdlich und hupend auf und ab. Zuerst rannte noch ein Elternteil hinter mir her, weil ich einen ziemlichen Schlingerkurs hielt, doch in meiner Erinnerung habe ich super schnell und ohne Hinfallen gelernt… (Elterliche Verifizierung ausstehend).

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Für das blaue Rädchen bin ich 1982 zu klein geworden, und ich bekam ein oranges. Diesmal sogar mit Licht!

Rollschuh fahren zu lernen war definitiv schmerzhafter! Wann und wie habt Ihr Fahrrad fahren gelernt? Und auf welchem Fahrrad?

 

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Hoch hinaus (Teil 2)

C. und ich waren im Urlaub. Bayern, Südtirol, Österreich. Mit den Rennrädern – und ohne zu wissen, wo wir abends schlafen würden. Abenteuer pur!

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Tag 5
Wir fahren nur bergab. Vorbei an dem See, in dem gerade ein Kirchturm untergeht. Ich atme reinstes Reizklima, und wir freuen uns über den fantastisch ausgebauten und ausgeschilderten Radweg Richtung Süden.

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Auf zirka 11 Uhr: Der im Stausee versenkte Kirchturm.

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Merke: auf 1300 Metern ist es recht kühl.

Kurz vor dem ersten “richtigen” Südtiroler Dörfchen überfahre ich eine Amsel, die sich in selbstmörderischer Absicht in mein Vorderrad wirft. Ich bin traumatisiert, weine ein bisschen und beerdige den armen Vogel am Wegesrand. C. steht mir bei und sagt, dass ich nichts dafür könne und mich nicht schuldig fühlen solle.

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Ich lächele tapfer, trotz großer Schuldgefühle und Trauer wegen der Amsel.

Wir rollen weiter bis Glurns, wo wir unseren ersten italienischen Cappuccino zu uns nehmen. Aus uns unverständlichen Gründen schmecken sämtliche Kaffeezubereitungen südlich der Alpen immer immer immer besser als zuhause. Obwohl das Dorf wirklich niedlich ist, und Mareike und D. uns hier ein tolles Hotel empfohlen haben, radeln wir weiter. Ist ja noch früh.

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Rechts geht’s zum Stilfser Joch. Doch ich habe gekniffen. Das Wetter und so. Das Abflussrohr dient übrigens als Ständer für den Anhänger.

Da wir so unglaublich trainiert und motiviert sind, würden wir gern bis Meran fahren. Mindestens. Doch plötzlich einsetzender, krasser Mega-Starkregen und ein unheimliches Gewitter durchkreuzen diesen Plan. Also bleiben wir in Castelbello und genießen (mittlerweile getrocknet und bei Sonnenschein) unser liebgewonnenes Abendritual, bei dem Schnitzel und nicht unerhebliche Mengen an Weißwein eine große Rolle spielen.

Außerdem plaudern wir mit einheimischen Imkern, die die Lokalität für ihre Jahreshauptversammlung ausgesucht haben und eine Tombola veranstalten, bei der man eine Bienenkönigin gewinnen kann. Wir sind kurz versucht, teilzunehmen. Doch die Imker erzählen uns, dass ihre Arbeit und die ihrer Tierchen immer schwieriger wird. In den Tälern werde auf den Obstbäumen soviel Gift gespritzt, dass die Bienen nach einer Saison tot sind. “Ein neues Volk bringe ich deshalb sofort auf 1500 Meter hinauf,” erzählt uns einer der Imker.

Tag 6
Wir betrachten die vielen Apfelplantagen, durch die uns der Weg führt, jetzt mit völlig anderen Augen. Erst an einem demeter-Anbau wagt es C., ein Fallobst zu stehlen und zu vernaschen. Ich finde das moralisch verwerflich und beiße demonstrativ in einen unserer Energieriegel. Dann sind wir in Meran. Die Stadt (Das Klima! Die Pflanzen! Der Blick!) erinnert mich an einen Thomas Mann-Roman.

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Wer radelt, darf auch trinken (Aperol Spritz) und ein Maskottchen haben (Hans, das Sockentier).

Doch anstatt mich hypochondrisch darnieder zu legen, gönne ich mir mein neues Lieblingsgetränk auf der Promenade.

Tag 7
Ruhetag in einem Ort, den wir “Gorgonzola” nennen, weil wir ständig vergessen, wie er richtig heißt. Wir fahren mit dem Zug nach Bozen und gehen ins Ötzi-Museum. Der Hammer! Wusstet Ihr, dass Ötzi ein Tattoo hatte? Und dass sich sogar die kleinen Federn hinten in seinen Pfeilen erhalten haben? Tausende von Jahren?! C. und ich sind aufrichtig begeistert.

(c) Südtiroler Archäologiemuseum - Augustin Ochsenreiter

Auf einer elektrisch verstellbaren Stufe blickt man durch ein Fenster auf Ötzi, der in einer äußerst speziellen Kühlkammer aufbewahrt wird (Foto: Südtiroler Archäologiemuseum/Augustin Ochsenreiter).

Tag 8
Alles wie immer: Wunderschönste Landschaft, Wahnsinnsberge, blauer Himmel, pittoreske Dörfer. Wir radeln bis Brixen. Hübsch! Gemütlich! Warum ist hier alles so schön?

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Egal wann, egal wo. Die Aussicht vom Rennrad ist jederzeit atemberaubend schön.

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Die Aussicht _auf_ das Rennrad, also Nessi, ist nicht weniger schön.

Tag 9
Tagesprogramm für heute: Den Brenner hochradeln. Kein Problem. Dafür bin ich ja hier. Da muss ich wohl jetzt durch rauf. Wir folgen der Bahntrasse entlang der alten Brennerstraße und schrauben uns Meter um Meter hinauf. Es ist anstrengend, aber nicht so schlimm wie ich dachte.

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On the top! Call me Hillgiiiiirl! Yeah!

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Der Beweis!

Brenner selbst ist leider unglaublich hässlich. Eine Mischung aus Lüttich und Marxloh. Wir tanken einen Liter Schorle und fahren dann – bergab! Und bergab. Und bergab. Vorbei an potentiellen Pensionen und Hotels. “Schau”, sagt C. plötzlich nach unzähligen Kilometern. “Hier geht es nach Mieders im Stubaital. Da haben wir früher immer Urlaub gemacht. Lass uns dort was suchen.” Aha.

Ich mache es kurz: Weitere 12 Kilometer mit zum Teil 10 Prozent Steigung, inzwischen leichter Regen, auf dem Tacho stehen 89 Kilometer, als wir in Mieders ankommen. Hat sich aber gelohnt.

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Blick aus unserem Hotelfenster auf die Serless. C. war schonmal oben. Und unsere Nichte Paula, als Skifahrerin überall in den Alpen unterwegs, wusste anhand des Fotos sofort um welchen Berg es sich handelte.

Tag 10
Bergab. Bergab. Bergab. Und plötzlich erstreckt sich das Karwendel-Massiv vor uns, und unter uns eine Stadt. Innsbruck.

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Von hinten nach vorne: Gebirge mit Wanderhütte, Innsbruck, C. mit Nessi.

Ich finde das sehr imposant. Wir rollen in die Stadt hinein, weil ich unbedingt das Goldene Dachl sehen will.

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Ein echt goldenes Dach. Ich wurde nicht enttäuscht.

Niederrheinisch flach, am Inn entlang, fahren wir bis Baumgarten in der Nähe von Wörgl. Dort machen gerade Freunde von uns Urlaub, und wir verbringen einen gemütlichen Abend zusammen. Sie haben drei Töchter, die C. die Nägel lackieren und mich mit Henna-Tatoos verschönern.

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C.s Daumennagel zeigt das Schalke 04-Logo. Nicht im Bild: Mein echt super verzierter Fuß.

Tag 11
Wir kennen uns in der Gegend wieder aus. Heimat. Hier cruisen wir sonst auf unseren Tagestouren von C.s Schwester aus herum.

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Kurz vor Mittag erreichen wir das Ortsschild für das obligatorische Selfie, das gleichzeitig das Ende unserer wunderbaren Radel-Reise markiert. Schee woar’s!

 

PS. Total nützliche Infos für Interessierte und Nachmacher

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In Bozen wurde uns der Cappuccino standesgemäß in Flamingo-Tassen serviert (Lenkt gut von dem Pickel auf meiner Nase ab).

 

Rucksack-Inhalt ( 5,2 kg):
– Ersatzhose
– Ersatztrikot
– Ersatz-Sport-Top
– Halstuch
– Windjacke
– Arm- und Beinlinge
– Socken
– Unterhosen (zu viele)
– Bikini
– Schlafshirt
– Kulturbeutel
– Jeans (nicht benutzt)
– Shorts
– 2 T-Shirts
– Hoodie
– Sandalen
– Sneaker
– Reisehandtuch (vom “Begleitfahrzeug” nach 7 km wieder abgeholt. Unnützer Ballast)
– Ladekabel
– Erste-Hilfe-Set (nicht benutzt)
– Den Rest (Handy, Portemonnaie, Tagebuch, Brillenetui) hat C. in seiner Reisetasche auf dem Fahrradanhänger verstaut.

Hoch hinaus (Teil 1)

C. und ich waren im Urlaub. Mit den Rennrädern. In bergiger Umgebung. Dafür hatten wir extra einen froschgrünen Fahrradrucksack für mich gekauft.

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Symbolfoto für einen wahrlich märchenhaften Rennrad-Urlaub.

C. führte eine riesengroße, sonnengelbe Reisetasche auf dem Fahrradanhänger mit sich. Rucksäcke eignen sich für ihn nicht, sagt er, weil sie ja schon voll seien, wenn er nur eine Hose einpackt. Oder einen Schuh der Größe 46.

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Ein kleines Wunder: Alles hat hier reingepasst.

Tag 1
In Bad Feilnbach, wo C.s Schwester mit ihrer sportbegeisterten Familie wohnt, statteten wir uns mit einem beachtlichen Energieriegel-Vorrat aus (wichtig für die kommenden Bergetappen) und radelten – endlich – los! Noch vor dem Ende der Straße, in der C.s Schwester wohnt, überlegte ich, ob C. meinen Rucksack auf seinen Fahrradanhänger schnallen könnte. Und wo die Muskelwärme-Tetesept-Salbe ist. Was ich aus dem Rucksack entfernen und bei welchem Kilometerstand ich eine Pause einfordern könnte.

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Platten Nummer eins.

Ich musste nicht lange warten. Wir rumpelten auf dem Schotterweg am nächsten Bergbauernhof vorbei und pfffffft…. Platten an C.s Hinterrad, das dank Anhänger besonders belastet ist. Genau 7 km geradelt.

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Neffen mit Führerschein sind toll. Leon sowieso (Auch schon ohne Führerschein).

Unser Neffe Leon kommt im “Begleitfahrzeug” mit einer ordentlichen Luftpumpe und bemüht sich sehr, uns nicht auszulachen. Ich nutze die Gelegenheit, den Rucksack abzusetzen, entferne ein schweres, überflüssiges Handtuch aus meinem Gepäck und bilde mir ein, dass ich schon viel besser/leichter/entspannter weiter radeln kann.

Dann kommen die beiden schlimmsten Anstiege der gesamten Tour. Vor Niklasreuth (Strava-Segment “Niklasreuther Miststück”) und Sonnenreuth. Ich muss einmal absteigen. Immerhin belohnt mich auf dem Gipfel die freie Sicht auf Dreharbeiten zu “Rosenheim  Cops”. Wir gaffen ein bisschen, und dann hat C. fünf Mal hintereinander einen Platten. Wir schieben die letzten sechs Kilometer bis Gaißach und finden unser abendliches Glück bei Schnitzel, Veltliner und einem gemütlichen Zimmer auf einem Hof am Ortsrand.

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Nicht im Bild: Links ein hübscher See, schräg rechts: Schloss Neuschwanstein.

Tag 2
Wir fahren mit dem Zug nach Bad Tölz und kaufen einen neuen Mantel für C.s Fahrrad. Im Hintergrund: Berge. Oben: Knallblauer Himmel. Drumherum: lieblichste Landschaft und bekannte bayerische Seen. Wir ächzen uns in Gmund am Tegernsee zum Golfplatz hoch (drittfiesester Anstieg, ich schiebe) und treffen dort auf den Teambus von Bora Argon 18, den ich mit offenem Mund bewundere. Drin hängen Reifen, eine riesige Tüte voller Trinkflaschen und neben der Tür steht eine kleine Waschmaschine.

Nach weiteren Anstiegen durch wunderwunderwunderschöne Landschaft erreichen wir Bad Kohlgrub. Ungünstig schräg gelegen. Natürlich müssen wir in den höchsten Teil des Ortes. Dafür chillen wir abends auf einem urigen Holzbalkon mit Wald- und Alpenblick und genießen ein fantastisches Essen, Pferdegewieher und Fachsimpeleien mit zwei Rennradlern aus Katzwang auf der Guggenberg Alm.

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Der Bodensee-Königsee-Radweg eignet sich – prinzipiell – für Rennräder. Doch hinter Bad Kohlgrub mussten wir improvisieren (sehr erfolgreich).

Tag 3
Wieder setzt das Wetter die bayerische Hammer-Landschaft so kitschig wie möglich in Szene. Zumal plötzlich linkerhand ein Schloss auftaucht. DAS Schloss. Außerdem: Paraglider von oben, weitere glitzernde Seen zur Rechten. Vorne Füssen, in dem begeisterte Asiaten und Amerikaner umherhuschen. Wir tanken Flädlesuppe (“Voller Elektrolyte, sehr tüchtig”, behauptet C.), und dann sind wir auch schon, nicht minder idyllisch, in Tirol. Auf dem Via Claudia Augusta Radweg kurbeln wir, umgeben von inzwischen noch höheren Bergen, bis nach Reutte.

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Ich wie ich vor einer Landschaftstapete Rennrad fahre.

Tag 4
Regen! Panik! Fern- und Reschenpass können wir dann ja wohl vergessen. Dort soll es Schotter-Stücke geben. Und dann auch noch nass. Wir haben seit Tag 1 ein kleines Schottertrauma, denn C.s Platten ereigneten sich auf selbigem Untergrund. Wir buchen daher eine Bikeshuttle-Überfahrt und fühlen uns wie Senioren. Zumal wir uns an diesem Zwangs-Ruhetag mit einer Gondel den Hahnenkamm hinaufschaukeln lassen. Selbstverständlich scheint am späten Vormittag wieder die Sonne, und C. fängt sich bei der zünftigen* Brettljause auf der Alm einen fetten Sonnenbrand ein.

Abends bummeln wir durch Nauders (1350 m), ich bewundere Berge, die noch höher und deshalb auch weiß sind und sage Dinge, die Senioren auch sagen: “Herrliche Aussicht”, “Hach, diese Luft” und “Komm, wir gehen Schnitzel essen!”. Letzteres kann man in Nauders nämlich besonders gut, zumindest was die Portionen betrifft. Neben uns sitzt eine bayerische Schulklasse, die eine Alpenüberquerung macht. Die Jungs bestellen alle ein Riesenschnitzel. Mit doppelt Pommes und Salat. Und dann ordern sie das Ganze nochmal.

Vorschau
Werde ich noch “richtig” (also wie, ähm, angedacht mit dem Fahrrad) die Alpen überqueren und dann dank ähnlich erhöhtem Kalorienbedarf den Umsatz in Südtiroler Wirtshäusern ankurbeln? Wann können wir unseren ersten richtigen italienischen Cappuccino trinken? Werde ich durchhalten? Die Antworten plus was es mit Mumien, Flamingotassen und verzweifelten Imkern auf sich hat – demnächst hier.

*dieses Wort wollte ich in diesem Zusammenhang immer schon mal benutzen. Ha!

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Am dritten Tag habe ich mich übrigens komplett an meinen froschgrünen Begleiter gewöhnt.

PS. Tiersichtungen
– 2 Rehe
– 1 schwarze Schlange, länger als mein Arm!
– 2 Dinosaurier (und weil ich weiß, dass mir das niemand glaubt, habe ich zum Beweis natürlich Fotos geschossen, liebe Maren!)

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Ein Stegosaurus, soweit ich informiert bin.

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Gaaanz langsaaam zurückweichen, lautet die Devise bei einer T-Rex-Begegnung (gestaltet sich jedoch verständlicherweise als schwierig).

 

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Geht in die Hose. Teil IV.

C. sagt ich sei doch bescheuert, für eine Fahrradhose so viel Geld auszugeben (das war, bevor er eine Assos-Hose anprobiert und gekauft hat). Ich habe mich aber etwas verliebt, vor allem in das schicke Oberteil der Hose (Trägerhose, yay!), das glatt als Shirt durchgehen kann. Also in Fronkraisch bestellt.

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Die cool tätowierten Arme gehören meinem super-netten Kollegen Olli. Er stand mir schon öfter bei diesen komplizierten Fahrradhosen-Shootings helfend zur Seite. Außerdem liebt er Fahrräder. Wir fachsimpeln gerne. Super Kollege! Und: Danke, Olli!

Produkt
Café du Cycliste: Women’s Antoinette Blue Patterned, Größe M (190 Euro)

Model
Flaminga Annette

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Das Sitzpolster ist sehr dick und wunderbar pink.

Test
Super, die Hose ist in einer stylishen, robusten Reißverschluss-Tasche geschickt worden, die ich leider vergessen habe zu fotografieren. Toll bedruckt und vielseitig verwendbar. Aber gut, es geht um die Hose. Was soll ich sagen. Sie ist wunderschön. Un rêve! Genau wie bereits die Tasche wirkt auch die Antoinette Blue wunderbar hochwertig. Es ist wirklich schön, sie anzufassen. Und sie zu tragen.

Am besten gefällt mir der gemusterte obere Teil der Hose (“Liebevoll mit aufwendigen kleinen Details verziert” würde es in Modekatalogen wahrscheinlich heißen), die oben dank breiter Träger und “Vollfläche” absolut prima sitzt. Für meinen Geschmack ist das Polster leider etwas zu dick. Es fühlt sich schwammig an. Auch die Beine – von der Länge optimal – wurschteln sich ein bisschen. Seufz. Für den Preis muss alles stimmen. Alles. Deshalb schicke ich diese wunderschöne, tolle, wirklich sonst empfehlenswerte Hose, zurück (samt der hübschen Reißverschlusstasche).

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Und nochmal von hinten (fixiert am Kopf unserer Agentur-Schaufensterpuppe). Merci, Olli!

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: Gut
Passform: Gut
Coolness: Mega. So französisch cool. Unaufdringlich hübsch. Hach. Sehr gut.
Umwelt & Gewissen: Made in Europe. Sehr gut, glaub ich.
Werbung: Sehe ich nie. Also dezent. Also genau richtig. Also sehr gut.
Bestellabwicklung: Compliqué. Zurücksenden nur, nachdem man sich online angemeldet hat. Innerhalb einer bestimmten Frist. Porto muss selbst übernommen werden. Ausreichend minus.

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Aufschrift darf natürlich nicht fehlen. Naja, weniger ist mehr, aber passt schon. Schöne Farbe!

Links
www.cafeducycliste.com

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Kaffeefahrt mit Heizdecke

Während die Tour-de-France-Profis tausend Kilometer weiter südlich zu einer anstrengenden Bergetappe mit Dauerregen, Hagel und schwarzen Wolken aufbrechen, rüsten wir uns für die (wahrscheinlich) sommerlichste Ausfahrt des Jahres. 30° Grad. Die Sonne knallt.

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Stylish ausgerüstet treffen wir uns am Habeeff.

Mareike füllt unsere Trinkflaschen nach Rennradzeitschrift-Rezept mit Wasser, frisch gepresster Limette, Salz und Honig. Gegen mögliche Hungeräste beulen Bananen und „Freche Freunde Früchte Quetschbeutel“ unsere Trikottaschen aus. Damit wir auch wirklich genug Energie zuführen, hat Mareike (die die Strecke erstellt hat) einen Zwischenstopp in der Biobäckerei Schomakers in Rheurdt geplant. Sicherheitshalber ist die Krümelküche in Duisburg das Ziel unserer Tour.

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Naomi (links) punktet bei mir mit ihrem Maloja-Trikot.

Am Bahnhof treffen wir Maren, Naomi, Leonie und Julia. Wir stellen fest, dass Rennräder und dementsprechende Bekleidung äußerst praktisch sind, um sich in Menschenmassen gegenseitig (teils zum ersten Mal ) zu erkennen.

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Die coolen Während-der-Fahrt-Fotos stammen natürlich von Maren.

Wir rollen durch Duisburg, über den Rhein nach Homberg (erster Anstieg! Vom Deich die Brücke hoch!) und dann Richtung Baerl.  Die Nicht-Niederrheinerinnen in unserem Sechser-Peloton bewundern die Landschaft mit “Ahh”, “Ohh”, “Voll grün”, “Diese Felder” und ähnlichen Ausrufen des Wohlgefallens. Das erfüllt mich aus Gründen, die Hanns-Dieter Hüsch wahrscheinlich hätte erklären können, mit unglaublichem Stolz. Ich nicke, sage Dinge wie “Nicht wahr”, “Toll hier, besonders zum Radfahren” und fühle mich, als hätte ich den Niederrhein höchstselbst erschaffen.

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Wir (Mitte) feat. Niederrhein (links und rechts).

Dann bekomme ich schlechte Laune. Ein Berg. Maren (naja, alle) fährt diesen Berg extrem schnell hoch. So schnell, dass sie hinterher bei Strava ein Krönchen bekommt. He! Das ist doch meinKiezmeinBergallesMEINS! Es tröstet mich kaum, dass ich auf diesem Berg (Kloster Kamp übrigens) als Dritte gelistet werde. Die anderen haben Strava nicht angemacht.

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Gleich geht’s links herum. Da muss man aufpassen, weil dort oft Kinder auf Ponys unterwegs sind. Also Obacht!

Schon einmal hat Maren mir eine Krone entrissen! Und zwar auf einem Segment (“Parallel zur Lagune flitzen”) das ICH SELBST ERSTELLT HABE! Das war hier. Ich muss mich noch einmal näher mit Marcel Kittels Trainingsmethodik befassen. Oder ein Höhentrainingslager ansetzen.

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Mareike und ich sagen wo’s langgeht (Nämlich wieder zurück).

Nachdem wir vor dem Dachsberg (da ist kein Berg. Glaube ich. Das heißt nur so süß) kurz die Orientierung verlieren, versuche ich mich gegenüber dem Garmin als Ortskundige  aufzuspielen. Was einigermaßen gelingt. Große Freude, als wir endlich Rheurdt und damit das Ziel unserer ersten Kaffeepause erreichen. Wir empfehlen: Alles. Törtchen, Muffins, Nuss-Mohn-Schnitten, Schorlen, Eis. Schlemmt! Wir haben es auch getan.

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Einparken?! Läuft!

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Tatsächlich geschafft: Ein Selfie mit _allen_ drauf: Mareike, Julia, Naomi, Annette, Maren, Leonie. Yay!

Mit einigen Kilogramm mehr auf den Sätteln machen wir uns zum zweiten Teil unserer Tour auf. Insgeheim halte ich Ausschau nach C., der mit den Kempener Ciclisti in der Gegend unterwegs ist (am Abend hat er zehn Kilometer weniger als ich auf dem Tacho, was mich mit triumphaler Zufriedenheit erfüllt).

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Nessi sieht dank Fischauge aus wie ein Pucki-Rad. Und ich wie (lassen wir das).

Der krasse (aber sehr warme) Gegenwind weht irgendwie noch krasser, und ich halte mich geschickt (und unauffällig, wie ich finde) hinter Julia und Leonie, die ein tüchtiges Tempo vorgeben. Und es wird immer heißer. Ich schreie sofort “Hier” und “Ja”, als Mareike noch eine kleine Pause im Schatten vorschlägt, um Getränke und Riegel einzuwerfen.

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Mareike und ich schlürfen unsere Quetschbeutel aus.

Wenige Kilometer vor dem Duisburger Logport wird es richtig märchenhaft. Buchstäblich. Der Weg, der sich plötzlich vor uns irgendwo im Nirgendwo auftut, ist von beiden Seiten mit hüfthohen Dornenbüschen zugewachsen. Wir müssen hintereinander fahren und werden trotzdem gekratzt. Doch wir sind begeistert. Wie bei Dornröschen. Unsere Rennräder hätten sich eigentlich spontan rosa färben und auf unseren Helmen kleine Kronen bilden müssen (Obwohl, manche haben ja Kronen. Hmf.). In unserer Version retten die Prinzessinnen auf ihren Rädern den Prinzen, versteht sich.

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Ich versuche aufzuholen, um Windschatten zu lutschen.

Auch das Ende unserer Mädelstour ist wahrlich eines Märchens würdig: Wir sitzen auf dem Hof der Krümelküche in Hochfeld und genießen Avocado-Tacos, Riesentorten, Limonaden und Quiches.

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Eventuell schwenke ich um und werde Porträtfotografin. Allerdings habe ich wahrscheinlich nicht immer so tolle Models wie Mareike und Maren.

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Leonie und ich haben das hier gegessen. Köst-lich!

Und wenn sie mit ihren Klickpedalen nicht umgefallen sind, dann radeln sie auch nächste Woche.

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Gruppenbild mit Damen. Muss sein.

 

PS. Tiersichtungen:
– 2 niedliche Fohlen
– 1 Gänseschwarm in V-Formation
– Kühe zählen nicht! Große Pferde auch nicht!

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Geht in die Hose. Teil III.

Auch ich habe kurze Träger-Hosen bestellt. Will endlich gebräunte Knie. Und weil es so erkenntnisreich ist, mal drei tolle, teure Hosen vor dem eigenen Spiegel anprobieren zu können, bekommt ihr alle Infos. Deshalb hier Teil 3 unserer supersubjektiven Anprobierreihe, für die wir nix geschenkt bekommen.

Mein Hosen-Vergleich “Rapha gegen Assos gegen Café du cycliste”, Hosen im 200 €-Segment, fängt spannend an. Versandartikel von Rapha sind haptisch erregend verpackt. Doch gerade habe ich das feine Stöffchen der kurzen Souplesse Bib Shorts von Rapha wieder ins Beutelchen gefaltet. Leider sende ich sie doch wieder zurück.

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{ Hosenfotos sind irgendwie kompliziert. }

Produkt
SOUPLESSE BIB SHORTS von Rapha, Größe M
Model
Flaminga Mareike. Größe M. 1,63 Meter groß, zirka 65 Kilogramm.*

Test
Anforderung: Eine gute Trägerhose, die schnittig sitzt, schön kurz ist, keine Beulen wirft und ein Polster hat, welches vorne keine spaltigen Falten wirft und 130 km schmerzfrei kann. (Jaaa, Beinschmerzen haben nix mit der Hose zu tun!)

Die Hose von Rapha sieht gut aus in meiner Hand und ich liebe das schwarze Polster. Ich bin ein bisschen pingelig, meine Radhosen im Gemeinschaftswäschekeller rumhängen zu lassen, mit rotem Pavianpolster. Also dunkles Polster ist ein Traum! Zudem endet das Polster recht weit unter dem Körper, was ich wirklich schön gelöst finde. Ob es einen Unterschied auf dem Rad macht habe ich selbstverständlich nicht ausprobiert.

Hose passt, sehr schnittig, fühlt sich gut an. Popo sieht passabel aus, ist eisdielentauglich. Liebevolle Details. Eine kleine Applikation mit roten Punkten. Süß! Die Träger erscheinen kurz, aber muss ja so. Ich finde die Logos oft zu groß, warum eines auf dem rechten und eines auf dem linken Bein sein muss … Seufz.

Was mich wundert, ist, wohin ich mit den Trägern soll. Habe ich doch eine Männerhose bestellt? Sie gehen nicht über die Brüste, es sei denn ich will eine optische Vierteilung, nicht zwischen ihnen durch, mhhh, doch seitlich wegschieben? Also die Träger jetzt? Irgendwie seltsam. Auschlußkriterium.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: bestimmt sehr gut
Passform: sehr sehr gut (unten), ungeeignet für ein bisschen mehr Busen (oben)
Coolness: JA! Ein bisschen zu oft steht Rapha drauf, Geschmackssache
Umwelt & Gewissen: hergestellt in Portugal, lt. Web keine Infos zu Umweltschutz
Werbung: Zeigt Frauen, so wie wir sie sehen wollen
Bestellabwicklung: 90 Tage Rückgaberecht

Links
ww.rapha.cc

*Welcher Vogel hat sich eigentlich ausgedacht, hier unsere Daten zu veröffentlichen. Naja, gut vorgelegt Frau F., da muss ich dann doch mitziehen.

Habemus Höhenmeter

Ich habe die Eifel gemeinhin unterschätzt. Bis vor vier Tagen habe ich sie mir als ein düsteres, unwirtliches, bergiges Etwas voller dunkler Tannen vorgestellt, in dem eine Handvoll verschrobener Menschen in biederen Häusern wohnt. Wer hinfährt, hat Glück, wenn er überhaupt zurückfindet. Eine Folge der Serie “Pastewka” unterstreicht meinen Eindruck noch. Es ist wie das Bergische Land (düster, Schiefer, Regen) und das Sauerland (weiß man da eigentlich Genaueres?) gleichzeitig.

Ich möchte mich in aller Form entschuldigen. Die Eifel ist total schön! Das erstaunt mich selbst am meisten. Aber C. und ich haben das verlängerte Wochenende mit unseren Rennrädern in Prüm verbracht und sind total angetan. Et voilà, mein Eifel-Rennrad-Erlebnis-Brückentag-Wochenende:

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Diese Straße war sehr flach. Voll angenehm. Hat aber nur 300 Meter gedauert.

Also zuerst hatte ich ein bisschen Angst. Ich glaube, C. auch. Allein um aus Prüm heraus auf unsere Route zu kommen, geht es krass bergauf. Wenn ich hier wohnen würde, hätte ich auf jeden Fall ein E-Bike! Wie machen die das? Endlich biegen wir auf eine ruhige Nebenstraße ab. Es wird noch steiler. Ohne Ansage. Stelle fest, dass nur zweistellige Steigungen als Schilder angezeigt werden.

Oben reicht der Blick weit, ganz weit, über sanft gewellte, grüne Berge bis nach Belgien. Oder Luxembourg. Ein Greifvögel stürzt sich neben uns auf die Wiese und schwirrt knapp über C.s Kopf  Richtung Wald davon. Außerdem ist es hier still. Unglaublich still. Ich kann nur mein Keuchen und Nessis braves Schnurren hören.

Und das Schönste: Jetzt geht’s wieder runter! Aber wie! Oh. Yeah. Ich konzentriere mich auf den Asphalt vor mir, die Straßenführung und versuche, dosiert zu bremsen. Trotzdem stehen zwischendurch 51 km/h auf dem Tacho, und meine Hände sind ziemlich verkrampft.

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Grüne Wiesen und Windräder. Fast wie zuhause.

Und dann wieder hoch. Und runter. Und hoch undrunterundhochundrunter. Aber mir gefällt es, dass es nach den steilen Passagen relativ schnell auch wieder bergab geht. Die Psyche spielt ja beim Bergauffahren eine große Rolle. Und bei mir hat sie in der Eifel mitgespielt. Ich wollte kein einziges Mal, so wie früher zum Beispiel einmal in Bayern, mein Fahrrad in den Graben schmeißen und “Ich will nie nie wieder mit dir in Urlaub fahren, sondern nur noch Cluburlaub auf Fuerte machen!” schreien.

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Oben auf den Kuppen (oder Gipfeln?) herrschte eine prima Aussicht auf andere Kuppen und Gipfel.

Aber das Hochfahren ist trotzdem nicht weniger anstrengend geworden. Ich kurbele mich halbwegs munter ein mäßig steile Rampe hoch, als ich sehe, dass die Passage noch längst, noch lange nicht, geschafft ist, sondern hochgebirgsartige Serpentinen ansetzt und seeeeehr steil wird. C. ist meinen Blicken längst entschwunden. Eigentlich könnte ich rasch anhalten, ein winziges Päuschen machen und diesen Mount Everest gestärkt in Angriff nehmen. Könnte. Ich schaffe es nicht, mich auszuklicken, weil es so steil ist. Ich habe Angst, dann umzufallen. Überhaupt glaube ich, dass es hier senkrecht hochgeht. Plötzlich piept mein Garmin. So wie immer, wenn ich an einer Ampel stehen bleibe.

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Fix vorwärts, da hat mein Garmin nix zu piepen.

Nur dass ich gerade gar nicht stehe, sondern verzweifelt versuche, diesen Felsklotz hochzutrampeln. Oben wartet C., spart nicht mit Lob und sagt: “Dreh dich mal um!” An der Straße, die ich gerade hochgeächzt bin, steht ein Schild mit der Aufschrift “14%” (Es ist nicht das unten gezeigte Schild, übrigens. An dem ging’s bergab.) Ha! Ich! So steil! An dieser Stelle möchte ich Nico zitieren: “Call me Hillboooooooooooooy! Ich bin alle, aber die Freude ist groß.”

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Solche Schilder sehe ich am Niederrhein eher selten. Naja, gar nicht.

Nach zwei Tagen Höhenmeter einheimsen sausen wir am letzten Tag über eine ehemalige Bahntrasse von Prüm bis nach St. Vith in Belgien – Teil des Eifel-Ardennen-Radwegs übrigens. Er ist glatt, gerade und führt durch wunderwunderschöne Landschaft. Besonders abenteuerlich finde ich die Tunnel, die wir durchfahren müssen. In ihnen hausen sogar Fledermäuse. Obwohl die Strecke niederrheinisch flach ist, haben wir hinterher mehrere hundert Höhenmeter gesammelt. Und schnell sind wir bin ich auch nicht. Meine Beine haben Bergschwere.

Nichts als Wälder, wildromantische Bäche und diesen perfekt asphaltierten Weg. Und C., der davonsaust, als hätte er einen Motor unterm Sattel (Hatte er nicht).

Nichts als Wälder, wildromantische Bäche und dieser perfekt asphaltierte Weg. Und C., der davonsaust, als hätte er einen Motor unterm Sattel (Hatte er nicht).

C. muss mich abends aus dem Gasthaus fast in unser Zimmer tragen. Völlig geplättet verschlafe ich das Champions-League-Finale, bin aber ansonsten sehr zufrieden. Mein Verhältnis zu den Bergen hat sich jedenfalls nachhaltig verbessert. Und das zur Eifel auch.

Beim nächsten Mal darf's gern ein bisschen höher hinaus gehen.

Beim nächsten Mal darf’s gern ein bisschen höher hinaus gehen.


Total nützliche Infos für Interessierte und Nachmacher
Sehr schön und praktisch gewohnt haben wir im “Boarding House” des Hotels Goldener Stern mitten in Prüm. Inklusive Frühstück (naja) und Sauna (nicht ausprobiert) und Fahrradkeller (sehr nützlich) und exklusive Parkplatz.

Eine fantastische Spargelcremesuppe mit Limettensahne und eiskaltes Bitburger im Steinkrug gab es im supergemütlichen Bitburger Bierhaus gleich nebenan. Perfekte Wahl für Vegetarier (ich sag nur “Spinatgefüllte Maultaschen mit Wurzelgemüse”)

Auf der Suche nach dem besten Pfefferschnitzel? Dann ab in den Kölner Hof.

Bestellt in Belgien keinen Cappuccino!

Die Strecken, die wir gefahren sind, hat C. aus RTF-Strecken und von GPSies ausgewählt. (Links folgen)

PS. Nicht zu vergessen, die Tiersichtungen:
4 übermäßig große Greifvögel (Ich tippe fast auf Adler)
6 eifrige Waldmäuse
3 Eichelhäher
1 Reh
1 mannsgroßes Küken. Und weil ich weiß, dass mir niemand glauben wird, habe ich es selbstverständlich fotografiert:

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“Ik doe de catering voor de andere fietsers”, so das Riesenküken.