Author: Mareike

Anfängerübermut auf der Katzentour

Am Sonntag bin ich eine echte Katzensilhouette gefahren. Stilvoll, oder? Ich bin den Hinweg, also den Katzenschwanz hoch, gerast wie eine Wilde. Dachte, weil ich nach meinen ersten 430 km auf meinem tollen kleinen Flitzi noch nicht an meine Grenzen kam: “Wollen wir doch mal sehen, wann ich mich richtig verausgabe.” Nicht mal Muskelkater bisher – obwohl ich eeeecht untrainiert bin. Soweit zu meinem Übermut. Mit letzter Kraft rolle ich in meine Straße, entschuldige mich bei meinem Fahrrad und es kriegt ein Küsschen. D. ist süß und trägt mein Rad in den Keller. Montags habe ich Muskelkater in den Händen.

Bocholter Schenkelschau

Neulich war ich mal wieder mit D. bei “Tulpe”, dem großen Fahrradladen am Niederrhein. Eigentlich lasse ich mich gerne dorthin mitnehmen. Nette Verkäufer, gratis Kaffee, vorgeschnittene Energieriegel. Sicher auch, um pinke Helme auszuprobieren: “Guck mal, oh jeeee, mit Einhörnern!  – aber passt!”, mal wieder liebevoll grinsend einen Brooks Cambium zu streicheln: “Oh wow, so ein Harter – aber vegan!” oder stillschweigend Winter-Handschuhe anzuprobieren – ich habe Zeit. Im Hochsommer hatte ich kurze Hosen an, wie fast alle anderen auch. Unverhohlen wurde hier am nackten Schenkel abgeschätzt, welches Sportgerät er oder sie wann, wie, wo nutzt. Mein Schenkelprofil, ähm: Kettenfettabdruck, nachts zum Biergarten, aber glatt rasiert, heyyyy. Und glaubt es mir oder nicht, aber die Leute im Laden haben sich intensiv neidisch gegenseitig auf die Schenkel gestarrt. Das ist speziell für uns Frauen auch mal was Neues!

Gruppenfahrt-Premiere

Zuerst bin ich auch nur mit Dominik durch die Gegend gedüst. Er hat nämlich einen guten Orientierungsinn, also so’n Navi-Garmin, das auch Strava-Segmente kann. Es piepst – mein Signal für “Wir treffen uns an der nächsten Brücke” – und er rast los. Dann fahre ich ebenfalls ambitioniert, aber mit hohem Puls, hinterher. Für Frauen ist es echt nett mit diesen Segmenten, denn auf 135 Männer, die die Strecke fahren kommen nur 8 Frauen, die sich dann ihr Profil mit kleinen digitalen Pokälchen und Krönchen verzieren. Befriedigend, finde ich. Doch bin ich ja noch eine echte Anfängerin auf dem Rennrad. Um die 350 km habe ich seit August darauf zurückgelegt. Bisher bin ich noch nie alleine gefahren. Das scheint mir auch eine größere Herausforderung zu sein, denn ich verfahre und verlaufe mich so oft. “Lalala, guck mal Schafe, oh, da hinten tolles Abrisshochhaus, lass mal da lang, da gibt es veganes Eis.” Und schwupps, bin ich verloren gegangen. Dann letzte Woche, tatsächlich, da ich beim Radfahren immer so viel Denken und Quatschen muss und es immer auf Kaffeekuchen hinausläuft, verkündet er, eigene Pläne für Sonntag zu …

Der Bankdirektor

In der Fußgängerzone, auf dem Rückweg von meiner Arbeit, ruft mir dieser Mann “Schöner Sattel, willste tauschen?” hinterher. Ich halte an, denn er möchte sich meinen Sattel und meine Schutzbleche genau ansehen und präsentiert mir im Gegenzug stolz sein Rad. Er ist einverstanden, als ich sein Rad fotografieren will. “Kostet auch nur zehn Rubel. Oder zwei Mark.” Zwei Euro waren dann auch okay. Er hält mir eine kleine Spardose hin, darauf klebt ein Schildchen: “Der Bankdirektor”. Sein Sattel ist gerettet durch ein Stück Schwamm, welches er an einem Holz befestigt hat. Wunderschön und sehr robust sind auch seine Pedalkonstruktionen und die Flaschenhalter. Alles selbst gebaut. Er zeigt mir auch sein Schutzblech, auf welchem mehrere rote Blitzdingens von den Atomkraft-Nein-Danke-Aufklebern kleben. Das sind “seine Schutzengel, die ihn beim Radfahren beschützen”.  

Popospecki

Nachdem ich neulich den meditativen Aspekt des Radfahrens für mich beleuchtet habe, folgt nun meine Betrachtung über Popospeck. Ich gebe Dominik die Schuld daran, dass ich in den letzten Jahren ein bisschen dicker geworden bin. Vielleicht hängt es auch mit Nichtmehrrauchen, puddingveganen Ernährungsexperimenten, meist sitzender Tätigkeit, zu weiten Pendelstrecken und allgemeiner Schlaffität zusammen? Neee, eher nicht. Er ist es schuld! Ich sehe einen deutlichen Zusammenhang zwischen seinem Rennradfahren und meiner Gewichtszunahme, seit er mit dem exzessiven Radfahren und danach Essen begonnen hat. Denn immer, wenn er von einer Radtour zurück nach Hause kommt, ist er natürlich hungrig. Dann isst er ein halbes Weißbrot mit Marmelade und Erdnussbutter, ne Schüssel Cornflakes, fantasiert Besuche bei DaRoberto zusammen, wo wir auch landen, und ich esse schon wieder Pizza, obwohl ICH sie mir auch nicht annähernd verdient habe, weil nur Denksport. Seit ich jedoch meine Bauchbeinepo auf Lexi (mein hübsches, kleines Rennrad) herumfahre, so mit Fahrtwind und Helmchen auf dem Kopf und diesen zauberhaften Negativkalorien, kann ich endlich Futtern ohne zu Denken. Hahahaha. Das wäre schön. Aber ein bisschen …

Sinnlich und meditativ

Meine offizielle Version ist ja, dass ich mir ein Rennrad zugelegt habe, um den Kopf frei zu fahren. Um durch gleichförmige Bewegung meine Hirnhälften zu synchronisieren. Vielleicht auch, um mich abzuhärten. Für den rauen Alltag im Atelier. Julia Cameron beschreibt in ihrem 12-Wochen-Kurs-Buch “Der Weg des Künstlers”, einem Ratgeber-Klassiker für Kreative, wie Ausdauersport den musischen Prozess fördert: “Kreativität erfordert Aktivität. (…) das Ziel besteht darin, sich mit der Welt außerhalb zu verbinden, um die Selbsterforschung aufzugeben. (…) den Geist mehr als den Körper zu dehnen, wobei die Betonung nicht auf dem Fitnessaspekt liegt. Wenn Sie Ihre Pedale rhythmisch und wiederholt auf und nieder treten, füllen Sie den Brunnen Ihrer Kreativität wieder auf. Lösungen (für Designprobleme) kommen einfach zu Ihnen und die Dinge beginnen, sich an ihren Platz zu fügen.” Julia Cameron beschreibt in diesem Kapitel den sinnlichen und meditativen Aspekt des Radfahrens über die Attribute Alleinsein, das schwarze Asphaltband, Stille, Wind und den blauen Himmel. Und so ist es ja tatsächlich: Ein Perspektivwechsel, eine simple Bewegungsmeditation, ausgelöst durch eine sich wiederholende Handlung, die die Hirnaktivität …

Fahrtwindtränen

Auf unserer kleinen Sonntagsrunde habe ich meine allerersten Fahrtwindtränen geweint. Sie sind regelrecht über meine Wangen gerollt. Durch die Nase kamen sie auch. Und weil ich heimlich, ladylike ein Taschentüchlein in meiner Rückentasche dabei habe, bin ich noch einmal um das Thema “Mein erster Rotzer” herumgekommen. Fakten: Ausfahrt Nr. 4, 38 km, viel Bergauf Hügel rauf, geflucht, gestöhnt, verwunschen, dann Premiere: Esel runtergesaust mit bremsen, 660 kcal, 1 Stravakudo vom Ehemann. Ha!