Author: Annette

Pack und weg

Weil ich ein bisschen Zeit übrig hatte, habe ich Quentin bepackt und bin Richtung Westerwald gecruist, um Elisa zu treffen. Ohne Zelt, aber mit ganz viel Muße (und Mühe. Am Berg). Tag 1: Kempen – Wuppertal (79 km)Mittwochmorgen verabschiedete ich mich also von C. und Apollo, dem Kater, und fuhr geschickt um Krefeld herum Richtung Duisburg. Das ist sehr wichtig. Die Seidenstadt deklariert sich zwar offiziell als “fahrradfreundliche Stadt in NRW”, doch das ist eine dreiste Lüge. Als ich endlich die andere Rheinseite erreiche, halte ich es für angemessen, die erste Pause einzulegen. Überhaupt halte ich ständig an. Ein niedliches Rotkehlchen! Ein Schloss! So ein hübscher Baum! Kaffee! Eine Bank, die zum Verweilen einlädt! Alleine zu fahren entspannt mich, und ich hänge meinen Gedanken und Blicken nach, während ich durch die Lintorfer Mark, vorbei an Golfplätzen und schließlich auf Trassen radele. Und die graue Wolke, die mich bei lauen 22 Grad drohend begleitet, entscheidet sich erst für einen kellerflutenden Dauerregen, als ich bereits im Hotel eingecheckt habe und es mir bei Rotwein, Kroketten & Co. …

Overnighter Teil 2: Ich seh’ den Sternenhimmel

Fahrrad bepacken, losradeln und über Nacht wegbleiben – das nennt man gemeinhin Overnighter und ist das, was Maren von Ichhasselaufen und ich für Pfingstsonntag geplant haben. Es geht los!Winkend verabschieden wir uns von C., dem wir drohen, dass er uns abholen muss, falls wir heute Nacht weinend vor Angst/ von Wildtieren verletzt/ verhungert am Rande eines Spargelfelds liegen sollten. Mein geliebter Niederrhein bildet die malerische Kulisse für unser großartiges Abenteuer und wir radeln zwischen Feldern, Kühen, Ponies, Bachstelzen, Höfen, Mohnblumen und grünen Ährenmeeren Richtung Norden. Auf unseren Rennradtouren habe ich stets nach potentiellen Spots gespäht und eine Gegend auserkoren, die Maren und ich uns gegen Abend näher anschauen sollten. Sonderlich weit ist es nicht, und so genießen wir in erster Linie meinen home turf bei 25 Grad, verweilen auf einer Bank im Sonnenschein und vergleichen unsere mitgebrachten Snacks. Ergebnis: Maren favorisiert getrocknete Mangostreifen und ich Mandel-Honig-Schnitten, die wir eifrig futtern. In unseren Taschen befindet sich zudem Nachschub für geschätzt die kommenden drei Tage, außerdem prahle ich damit, sämtliche Eisdielen in der Umgebung zu kennen. Rein zufällig befindet sich eine …

Overnighter Teil 1: Ich packe das

Fahrrad bepacken, losradeln und über Nacht wegbleiben – das nennt man gemeinhin Overnighter und ist das, was Maren von Ichhasselaufen und ich für Pfingstsonntag geplant haben. Was muss ich dafür alles einpacken? Und wohin? In der Overnighter-Bibel von Gunnar Fehlau lese ich “Die Ausrüstung für den Mikroabenteuer-Einstieg wird hoffnungslos überschätzt.” Das erleichtert mich enorm. “Pack ein, was du hast! Schlendere durch Küche und Keller und suche zusammen, was du für wichtig und geeignet hältst.” Ich schlendere also ein bisschen durch verschiedene Räume und finde eine ansehnliche Anzahl alter, outdoortauglicher Gegenstände. 1 Zweipersonenzelt 1 Dreipersonenzelt 3 Schlafsäcke 2 Kocher 2 Isomatten 1 Hängematte 1 Wasserkanister (faltbar) 1 Spork 2 Hüttenschlafsäcke viele rote Ortlieb-Produkte Theoretisch alles sehr nützlich, doch praktisch passt selbst das kleinere Zelt nicht auf oder an mein Fahrrad. Bei den Isomatten habe ich die Wahl zwischen Zwei-Meter-lang oder Wassereimer-Format. Die Schlafsäcke bieten die Variante normal, groß und Bierfass. Needless to say dass das Bierfass für mich der einzig in Frage kommende Schlafsack ist. Ich kaufe vier Dinge: Satteltasche Oberrohrtasche Gepäckträger zum Dranschrauben eine Isomatte, …

Where the streets have no name

Ich habe einen Ohrwurm. Wie so oft, wenn ich Fahrrad fahre. Zu C.s Leidwesen handelt es sich bei den Liedern in meinem Kopf meistens um Werke der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, und außerdem singe ich laut mit (…einmal kurz aufs Gas und schon bin ich da-da…). Das war am Sonntag, als die Schicke Mütze zu “Schotter, Kies & Moos 2019 – die Gravelrunde in Düsseldorf” eingeladen hatte, anders. Aus gegebenem Anlass klingelte U2 durch mein Hirn. The city’s a flood Ehrenflamingo Martin und ich erhalten im Mützenhof letzte Instruktionen (für unterwegs) und Ventilkappen (für den Fährmann) und rollen in das graue Düsseldorfer Nass. Wir verirren uns bereits auf der Graf-Adolf-Straße, weil der Dauerregen mein Wahoo-Display überschwemmt. Erstaunlicherweise cruisen wir schon vor dem Grafenberger Wald über erste Gravelpassagen. Weniger hingegen erstaunt mich die Tatsache, dass Wasser bereits jetzt aus meinen Schuhen schwappt und die Windjacke unschön an meinen nackten Armen klebt. Doch ich weiß ja: Crosser sind die Härtesten und wenigstens ist es recht warm. I want to feel sunlight on my face Sonnenschein geht anders, aber auf unserem …

Der Weg ist das Ziel (Teil 2)

C. und mich hat der Fahrradurlaub unsere Bikepackingtour vom Niederrhein nach Freiburg bereits ins Saarland geführt. An einem weiteren Rekordhitzetag nehmen wir Kurs auf die Nordvogesen. Etappe 6: Saarlouis – Meisenthal/Frankreich (75 km) Ich bin tief enttäuscht. Der Saar-Radweg führt ununterbrochen neben Bundesstraßen her. Oder Autobahnen. Oder Industrieanlagen. Oder Saarbrücken. Von dieser Stadt hatte ich mir aus unerfindlichen Gründen mehr versprochen. Weil sie doch an einem Fluss liegt. Wie Düsseldorf. Aber de facto sausen dort nur Autos durch. Wir radeln weiter. Auf der anderen, der französischen Seite ist plötzlich alles besser: Ohrenschmeichelnde Stille, grüne Wiesen, Kühe mit Baskenmützen, Menschen mit Baguettes, alle trinken Wein. Ich liebe Fronkraisch! Oui! Darum (und weil ich C. nur allzu gern mit meinen Französischkenntnissen beeindrucke) legen wir erstmal eine Café-Pause in Sarreguemines ein. Die Stärkung war angesichts kommender Strapazen bitter nötig. Wir haben uns nämlich tatsächlich landschaftlich verbessert. Sprich: der flache Flussradweg hat sich in eine menschenleere und schattenlose Hügellandschaft verwandelt. Die steilen Anstiege überwinde ich mit meiner Flamingo-Mentaltechnik™️: Unfassbar, wie mühelos die junge Radflaminga den Col du Galibier hinaufgleitet. Sie …

Der Weg ist das Ziel (Teil 1)

C. und ich haben einen Fahrradurlaub eine Bikepackingtour geplant, die uns vom Niederrhein bis nach Freiburg führen soll. An einem sonnigen Julisonntag radeln wir los. 1. Etappe: Kempen – Jülich (63 km) Die Wettermenschen haben nicht gelogen. Als C. und ich einen Tag später als geplant aufbrechen und durch Mönchengladbach rumpeln, müssen wir ständig umgewehten Ästen und zersplitterten Baumstämmen ausweichen. Wenigstens sind die taubeneigroßen Hagelkörner inzwischen geschmolzen. Auch sonst ist Mönchengladbach in jeder Hinsicht eine Zumutung – allem voran die Radwege. Unserem seelisch wie körperlichem Leiden setzt meine beste Freundin Tina mit einem fantastischen Empfang in Jülich rasch ein Ende. Sie verwöhnt uns mit eiskaltem Aperol Spritz und frischem Grillgut auf der sonnenbestrahlten Terrasse. Wir bewundern die neuen Familienmitglieder Sissy und Goldi (ein Meerschweinchenpärchen, das mit einem ähnlich großen Appetit gesegnet ist wie wir) und chillen uns durch den Abend. 2. Etappe: Jülich – Monschau (71 km) Unsere Routenführung funktioniert zuverlässig. Doch vor die Idylle des Vennbahnradwegs hat die Geografie noch einige Orte gelegt, die uns schneller trampeln lassen (ausdrückliche Ausnahme: Kornelimünster! Sehr niedlich). Abenteuerlich geht …

Prolog: Pack ma’s

C. und ich planen einen Fahrradurlaub. Ich beschließe, dass er uns nach Freiburg führen soll. Bayern fällt leider aus, weil C. schon einmal vom Niederrhein dorthin geradelt ist. Ich tippe bei Komoot „Kempen – Freiburg im Breisgau“ ein. „Themenrouten und schöne Strecken bevorzugen?“ Ich klicke „Ja“. C. und ich legen noch grob unsere Etappenziele fest und modifizieren die Strecke so, dass sie uns an der Saarschleife vorbeiführt. Die möchte ich gern mal sehen. Wir laden alles auf unsere devices. Zack. Done. Jetzt noch das equipment. Maren hat mir ihre komplette Bikepacking-Ausrüstung geliehen (Danke nochmal an dieser Stelle! Ihr cooles Solo-Abenteuer lest Ihr übrigens hier)! Ich schnalle und schnüre alle Gerätschaften probeweise an Quentins Rohren und Streben fest. Auf Instagram sieht das immer so stylish aus. Doch ich bin nicht überzeugt, am wenigsten von der Satteltasche. Sie hängt schlapp nach unten und schleift. Außerdem passen da doch keine Klamotten für zwei Wochen rein! Und das bei meinem minimalistischen Pack-Ethos. Gott sei Dank hat Maren mir auch einen Gepäckträger geliehen! C. hilft mir beim Dranschrauben und bringt …

Geschafft!

22. Juni What’s App von Mama: Sie schickt mir eine Reihe vorwurfsvoll dreinblickender Emojis und teilt mir mit, dass sie meinen Plan, bei Düsseldorf300 mitzufahren, nicht gutheißt. Ich schwöre, Vernunft walten zu lassen und habe sogar ein Motto für den Tag: „Kräfte sparen, regelmäßig essen und viel trinken.“ 23. Juni, 5 Uhr, im Hof der Schicken Mütze Ich tanke Espresso, greife meine prall gefüllte Startertüte ab und checke nochmal mein Handy. Mamas Emojis gucken jetzt besorgt; einige weinen. Ich soll gut auf mich aufpassen. Ehrenflamingo Martin wünscht mir „langanhaltenden Spaß“ und Maren schreibt „Vergiss nicht, du kannst alles am besten!“ Ich tippe auf den Wahoo Elemnt Bolt, den ich extra für die große Tour von Konrad leihen durfte (nochmals vielen Dank an dieser Stelle) und rolle in der milden Morgenluft Richtung Kö. Kaum ein Auto, dafür rote Ampeln und zeternde Halsbandsittiche. Bereits am Grafenberger Wald lasse ich Heiner und Ulrike ziehen und ich kurbele in meinem Wohlfühltempo weiter aus der Stadt heraus. Knittkuhl/Wülfrath … und Berge hinauf! Berge! Ein Paradies! Hier war ich noch nie. …

Ich will Spaß, ich geb Gas!

Dieser Artikel gehört zur Aktion “Frauen im Sport”, die Hannah von den Ausdauercoaches ins Leben gerufen hat. Meinen Steckbrief für das Projekt findet Ihr hier. Ich freue mich, dabei zu sein. Wir sind viele! Die liebe Maren von ichhasselaufen hat in ihrem Blogbeitrag bereits darüber geschrieben, warum die Frauenquote bei Jedermann-Rennen so niedrig ist. In meinem Artikel möchte ich allen, die bei Marens Umfrage nicht mit “Keine Lust” geantwortet haben, Mut machen. Denn es geht doch wirklich nur um eines – finde ich. Spaß. Das ist für mich der Dreh- und Angelpunkt, egal ob es um “Nur so“- Sportveranstaltungen oder Wettbewerbe geht. Um alles andere mache ich mir übrigens erst Gedanken, nachdem ich mich für irgendetwas angemeldet habe. Ich halte das für eine nachahmenswerte Vorgehensweise (kurzfristige Zusagen für Ultraläufe und den Ötztaler vielleicht ausgenommen). Wie das funktioniert, möchte ich Euch anhand einiger Beispiele aus meiner schillernden Sportkarriere illustrieren. Da gab es zum Beispiel einen Triathlon in meiner Heimatstadt Wesel. Triathleten betrachtete ich bis dato mit einer Mischung aus Verehrung und Bewunderung, da sie unfassbare Dinge leisten, von …

Wir sind viele, ich bin alle

Yay, Cyclingworld in Düsseldorf! Selbstverständlich haben die Radflamingos gemäß ihres Wahlspruchs „Ich kann alles am besten“ monatelang herumtrompetet: Um 10 Uhr mit der Schicken Mütze und der ehemaligen Profi-Rennradfahrerin Iris Slappendel ausfahren. Dann chillen und schauen auf der Messe und abends – natürlich – Teilnahme am Cyclocrossrennen. Soweit der Plan. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen vermutete ich das Messegelände übrigens in Grafenberg. Dass das eventuell gar nicht stimmt, fiel mir um 9.28 Uhr in Flingern-Nord auf. Ein Glück war die Stadt noch leer und meine Beine voller Körner, sodass ich mit Quentin einen rekordverdächtigen Sprint Richtung Meerbusch unternahm und tatsächlich pünktlich mit etwa 40 anderen Frauen die Ausfahrt starten konnte. Und die war einfach klasse! Frauenbewegung Rennrad galore! Im Riesenpeloton rollten wir dahin, und im Vorbeirauschen hörte ich den erstaunten Ausruf eines Fußgängers: „Das sind ja alles Frauen!“ Ganz genau. Sind wir. Und wir sind viele. Und sehr bunt außerdem. Dazu trugen auch die Radklamotten von Iris bei (die ich an dieser Stelle schamlos bewerbe), die es natürlich in der Schicken Mütze (die ich ebenfalls leidenschaftlich …