Unterwegs
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Wir sind viele, ich bin alle

Yay, Cyclingworld in Düsseldorf! Selbstverständlich haben die Radflamingos gemäß ihres Wahlspruchs „Ich kann alles am besten“ monatelang herumtrompetet: Um 10 Uhr mit der Schicken Mütze und der ehemaligen Profi-Rennradfahrerin Iris Slappendel ausfahren. Dann chillen und schauen auf der Messe und abends – natürlich – Teilnahme am Cyclocrossrennen. Soweit der Plan.

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen vermutete ich das Messegelände übrigens in Grafenberg. Dass das eventuell gar nicht stimmt, fiel mir um 9.28 Uhr in Flingern-Nord auf. Ein Glück war die Stadt noch leer und meine Beine voller Körner, sodass ich mit Quentin einen rekordverdächtigen Sprint Richtung Meerbusch unternahm und tatsächlich pünktlich mit etwa 40 anderen Frauen die Ausfahrt starten konnte.

Zusammengedrängelt passen wir sogar auf ein Foto.

Und die war einfach klasse! Frauenbewegung Rennrad galore! Im Riesenpeloton rollten wir dahin, und im Vorbeirauschen hörte ich den erstaunten Ausruf eines Fußgängers: „Das sind ja alles Frauen!“ Ganz genau. Sind wir. Und wir sind viele. Und sehr bunt außerdem. Dazu trugen auch die Radklamotten von Iris bei (die ich an dieser Stelle schamlos bewerbe), die es natürlich in der Schicken Mütze (die ich ebenfalls leidenschaftlich anpreise) käuflich zu erwerben gibt.

Vorne links: Iris. Rechts: Kerstin von der Mütze. Danke an dieser Stelle, dass ich Eure Fotos nutzen darf!

Selbstverständlich nutzte ich die fantastische Gelegenheit, mit Iris zu fachsimpeln. Sie lobte, wie ich auf dem Rad sitze, woraufhin ich äußerst beflügelt noch schneller in die Pedalen trat. Dieser Augenblick ist die Chance, geheime Tipps bei Iris abzugreifen und auf diese Weise meiner Radsportkarriere noch den entscheidenden Dreh zu geben!

„Iris, hast du geheime Trainingstipps für mich?“, frage ich also und stelle sicher, dass auch niemand anders mithört.
„Na klar“, sagt Iris. Ha! Fantastisch! Ich werde auch Profiradsportlerin! „Also das Wichtigste ist, Spaß zu haben.“
Hervorragend. Ein fetter Check-Haken. Habe ich immer.

Grau und miesepetrig war bei unserer Ausfahrt allein das Wetter.

„Mein anderer Tipp ist, etwa 90 Prozent lange, ,normale’ Touren zu machen und bei den restlichen zehn Prozent richtig Gas zu geben, bis du nicht mehr kannst.“
Ich lasse alle Momente Revue passieren, in denen ich ächzend über dem Lenker hänge und beschließe, dass meine Aussichten im Profiradsport gut stehen.

Gegen 14 Uhr landen wir wieder am Areal Böhler und werden von den Mützen umgehend mit Kuchen versorgt. Desweiteren erfreut mich die Sitzgelegenheit, obwohl ich mir nicht erklären kann, wieso ich mich nach 60 Kilometern so schlapp in den Waden fühle. Egal. Ich überbrücke die Zeit bis zum Cyclocrossrennen damit, mich in glitzernde Rennräder zu verlieben, Flamingoaufkleber zu kaufen, mich für Fahrradschlossinnovationen zu interessieren und mit vielen Menschen, die ich endlich wieder- oder zum ersten Mal sehe, zu plaudern. Herrlich.

Wie niedlich! Passt mir leider nicht, und mein kleiner Neffe sträubt sich noch gegen den Radsport, aber ich arbeite daran.

Der Abend naht. Ich schwächele und habe mich in Sachen Sitzgelegenheit bereits auf die Kategorie „Sofa“ geupgradet. Die Getränkezufuhr am Stand von In Velo Veritas kann mittlerweile ebenfalls sehr gefallen, eignet sich aber nicht unbedingt als Vorbereitung für ein Crossrennen.

Ich bin alle. Platt. Und eine Entscheidung muss her! Ich hadere. Einerseits: meine Selbstachtung! Andererseits: meine Beine! Es kostet mich Überwindung, doch dann steht mein Entschluss fest: Abbruch! Kein Start. Stattdessen pedaliere ich entspannt zum Bahnhof, lasse mich nach Hause schaukeln und werde von C. mit Lasagne empfangen. Alles richtig gemacht.

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