Wehwehchen
Leave a comment

Crosse Leistung

Mein Motto lautet “Ich kann alles am besten”. Wer diesen Blog aufmerksam liest und/oder mich kennt, stellt schnell fest, dass das eine dreiste Lüge ist. Vielmehr ist das meine Ausrede, neue Dinge auszuprobieren. Das mache ich nämlich wirklich gern, vor allem im sportlichen Bereich – auch wenn ich vorzugsweise Maren von ichhasselaufen die Schuld für meine Aktivitäten gebe. Das tue ich auch jetzt. Sie hat mich angestiftet, beim Cyclocrosscup NRW in Dorsten mitzufahren.

Maren (vorne in der Mitte auf Karlson) ist mir schon nach wenigen Metern (!) entschwunden.

Ich bin erst ein Mal Cyclocross gefahren. Mit mäßigem Erfolg, und leider besitze ich (immer noch) keinen Crosser. Wurscht! Voller Vorfreude auf Matsch und Hindernisse und mit der Aussicht auf eine Top-Ten-Platzierung schnalle ich mein Mountainbike aufs Auto. Auf dem Wulfener Marktplatz treffe ich Maren mit Familienfreundefanblock und lausche der Strecken-Fachsimpelei. Ich verstehe “Sandkasten” und “Treppen” und hyperventiliere heimlich. Ja, Maren hat mir ein Video der Strecke gemailt, und ja, ich hätte mir die Runde um den See anschauen können. Aber wer sich nicht vorbereiten will, muss eben fühlen.

Ich habe einiges gefühlt: Ein Vakuum, dort wo ich meine Lunge vermute, zum Beispiel. Einen Presslufthammer in der Herzgegend. Von innen brennende Luftröhren, weil ich gar nicht so schnell und tief atmen konnte, wie ich es gebraucht hätte. Ich bin sehr froh, dass es keine Tonaufnahmen vom Rennen gibt, und ich hoffe, dass auch keine auftauchen. Denn ja, ich habe gekeucht wie ein Schwein. Laut. Verzweifelt. Nicht schön. So. Jetzt ist es raus.

Dieses Foto macht mich sehr glücklich. Denn es beweist: Auch andere Menschen, einen Hauch professioneller unterwegs als ich, mussten vor Anstrengung keuchen.

Doch dazu hatte ich allen Grund. Zuerst führte die Strecke wie in einem Labyrinth im Kreis herum. Ich kippte nicht um. Ein Erfolg, den ich nicht lange genießen konnte, weil zwei Bretter im Weg standen – flach und rechteckig, nicht besonders hoch und ein paar Meter auseinander. Was ich, wie die anderen, hätte tun sollen: Im Fahren abspringen, mit dem Rad über der Schulter rasch hinüberschweben, kurz den Boden berühren, das nächste Brett überschweben, elegant aufsitzen und weitertreten. Tatsächlich habe ich vor dem Brett scharf gebremst, habe die günstigste Stelle gesucht, um Schnurri über das Holz zu wuchten. Schieben. Wieder wuchten. Dann aufsteigen. Die Pedalen in Position bringen. Ich trage Turnschuhe, die Pedalen sind nur von einer Seite flach und zum Antreten geeignet. Endlich. Schub. Schnell noch schalten. Hier auf dem Waldweg geht’s.

Doch dann. Noch mehr Bretter! Und gleich dahinter die “Dorstener Welle” – drei Holzböcke, die es zu überfahren gilt (was ich geschafft habe, Applaus!). Und jetzt wird’s eng und steil. Noch steiler. Sandig. Wieder schieben. Alle anderen sind schon längst sehr weit weg. Ich höre nur noch mein Keuchen. Ha, der Sandkasten! Vollgas vom Deich runter, das macht Spaß, ausruhen für fünf Sekunden und schließlich  Schnurri durch den Sand zerren.

Ihr kennt das sicher aus Alpträumen – man müht sich durch tiefen Sand und kommt nicht vorwärts.

Weitere Hindernisse umfassen eine fast meterhohe Stufe (ich fahre sie runter, jawohl! Mehr Applaus!), eine unanständig steile Kante, unverschämt enge Kurven und zwei Treppen, die ich mein Rad hochtragen muss – um dann mitten im Wulfener Gemeindehaus zu landen, durch das die Strecke witzigerweise führt.

Inzwischen bin ich nicht mehr allein. Wegen den Überrundungen – und wegen der Fans! Denise und Markus und Jan und Marens Familie, alle feuern mich an! Ich lege mich ein bisschen mehr ins Zeug. Meine Lunge wird reißen. Ich falle gleich vom Rad. Sauerstoff! Diese unmenschliche Anstrengung hält doch niemand aus! Anscheinend doch: insgesamt werde ich  9,8 Kilometer leiden. Und dafür 44 Minuten brauchen. Also sehr sehr lange.

Jan hat nicht mit Photoshop gespielt – das Lachen ist echt. Ich habe wirklich Spaß!

Aber ich habe dafür sehr sehr viel Spaß. Und das mit der Top-Ten-Platzierung hat auch geklappt. Ich bin siebte geworden. Von sieben Frauen. Also: bis zum nächsten Mal!

P.S. 
Die fantastischen Fotos hat Jan aka @runboyrun_jd gemacht und ich darf sie netterweise benutzen. Danke, Jan!

P.P.S.
Maren ist Zweite geworden, yay! Herzlichen Glückwunsch!

Filed under: Wehwehchen

by

Ich bin Annette (42) und radel gern mit Ranger, Bonnie und Schnurri durch die Gegend. Ansonsten arbeite ich als Journalistin und Autorin und trinke gerne Kaffee. Am liebsten in netter Gesellschaft. Seit zwei Jahren habe ich ein ernstzunehmendes Radsportproblem.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

51 + = 59