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Frühlingserwachen

C. sorgt sich. Zum Beispiel um Rudi, unseren Wellensittich, oder um unsere krüppeligen Obstbäume. Und um meine hübschen Fahrradtrikots. “Du stichst die ja kaputt, wenn du da mit Sicherheitsnadeln Startnummern daran befestigst”, sagt er. Also schenkte C. mir – völlig überraschend– ein Set Fixpoints. Mit Blumen drauf.  Und bereits gestern konnte ich diese hübschen, megastarken Magneten ausprobieren. Nämlich bei der RTF Schwalmtal, die ich bereits sehnsüchtig erwartet habe. Ich konnte nicht nur mein neues Ciclisti-Teamtrikot ausführen, sondern am selbigen auch meine blumigen Fixies befestigen und endlich offiziell meinen Winterschlaf beenden. Die Rückkehr ins geregelte Rennradleben fällt besonders leicht, wenn das Lüftchen lau ist, die Sonne scheint, nette (breite) Mitfahrer selbstlos Windschatten spenden und die Versorgungslage an den Verpflegungsstationen als hervorragend zu bezeichnen ist. Meine neuen Magnete haben sich bewährt, und meine Nummer hat nicht mal geflattert, obwohl durchaus flatterhafte Bedingungen herrschten. So. noch drei Wochen bis zur nächsten RTF. P.S. Tiersichtungen – 1 Marder (tot)    

Le Berg

C., ich und unser Gastsohn Micah haben die Herbstferien in Südfrankreich verbracht. Der Plan: sehr viel vin trinken, sehr viel essen, sehr alte Gebäude anschauen und dem Gastsohn ein bicyclette leihen und hübsch entspannt durch die Provence radeln. Mit uns auf den Rennrädern wäre das wohl ein bisschen zu flott. Also kamen Schnurri und Paula (C.s sonnengelbes Trail-Alltags-Cross-Rad) mit. So ganz ist das Gastkind noch nicht mit unserer Fahrradmanie gesynct, also stiegen wir an einem windstillen, grauen Mittwoch gegen 13 Uhr allein ins Auto, um die Räder in Ventoux-Nähe wieder auszupacken und eine Tour um den Berg herum  zu machen. C. hat diverse Strecken auf den Garmin gespeichert. Aber eigentlich. Jetzt wo wir eh zu Zweit sind. Dann können wir doch. Wie wir ursprünglich wollten. Und plötzlich stehen unser Auto, wir und die Fahrräder in Bédoin am Fuß des sagenumwobenen Mont Ventoux. Kilometer 20 “Bis zum Gipfel sind es 20 Kilometer”, sagt C. Auch die Strecke bis nach oben steckt in seinem Garmin. Was das bringen soll, ist mir rätselhaft. Schließlich geht es nur geradeaus. Und hoch. Aber ha! 20 Kilometer sitze …

Der Wendekreis der Radflamingos

Die Radflamingos, Lali Banani*, Giulia und Leonie sind am Sonntag zu ihrer seit Monaten geplanten Pommes-Tour aufgebrochen. Ziel war es, das kartoffelstäbchenherstellende Nachbarland zügig mit den Rennrädern zu erreichen und sich dort die wohlverdienten Patatjes selbstzufrieden einzuverleiben. Nun. Soweit der Plan. Mareike war beim dritten Kaffee, ich schnuppte Schokolade und Leonie und Giulia ernteten eifrig Weintrauben aus unserem Garten. Irgendwie mussten wir die Zeit ja überbrücken, nachdem Lali mit einem kryptischen Anruf ihr Zuspätkommen ankündigte. Irgendwas mit Kette, kaputt, Kempener Weg. C. war lieb, setzte sich ins Auto, und versuchte Lali anhand der dürftigen Ortsangaben zu lokalisieren. Und zwar schon seit einer Dreiviertelstunde. Wir vier bewegten uns beinahe schon am Rande des Fresskomas, als die beiden endlich ankamen. C. hievte Lalis wunderschönes Specialized Ruby aus dem Kombi, und Lali trug die Fahrradkette in ihren ölschwarzen Händen. Ruby bekam ihre Kette (repariert) zurück, und die Schaltung funktionierte wieder. C. bot Lali Waschseife und uns Einweghandschuhe an, falls es unterwegs Probleme geben sollte. Doch während der internationalen 65 Kilometer-Tour mussten wir uns Gott sei Dank mit keinerlei …

Hoch hinaus (Teil 2)

C. und ich waren im Urlaub. Bayern, Südtirol, Österreich. Mit den Rennrädern – und ohne zu wissen, wo wir abends schlafen würden. Abenteuer pur! Tag 5 Wir fahren nur bergab. Vorbei an dem See, in dem gerade ein Kirchturm untergeht. Ich atme reinstes Reizklima, und wir freuen uns über den fantastisch ausgebauten und ausgeschilderten Radweg Richtung Süden. Kurz vor dem ersten “richtigen” Südtiroler Dörfchen überfahre ich eine Amsel, die sich in selbstmörderischer Absicht in mein Vorderrad wirft. Ich bin traumatisiert, weine ein bisschen und beerdige den armen Vogel am Wegesrand. C. steht mir bei und sagt, dass ich nichts dafür könne und mich nicht schuldig fühlen solle. Wir rollen weiter bis Glurns, wo wir unseren ersten italienischen Cappuccino zu uns nehmen. Aus uns unverständlichen Gründen schmecken sämtliche Kaffeezubereitungen südlich der Alpen immer immer immer besser als zuhause. Obwohl das Dorf wirklich niedlich ist, und Mareike und D. uns hier ein tolles Hotel empfohlen haben, radeln wir weiter. Ist ja noch früh. Da wir so unglaublich trainiert und motiviert sind, würden wir gern bis Meran fahren. Mindestens. Doch …

Hoch hinaus (Teil 1)

C. und ich waren im Urlaub. Mit den Rennrädern. In bergiger Umgebung. Dafür hatten wir extra einen froschgrünen Fahrradrucksack für mich gekauft. C. führte eine riesengroße, sonnengelbe Reisetasche auf dem Fahrradanhänger mit sich. Rucksäcke eignen sich für ihn nicht, sagt er, weil sie ja schon voll seien, wenn er nur eine Hose einpackt. Oder einen Schuh der Größe 46. Tag 1 In Bad Feilnbach, wo C.s Schwester mit ihrer sportbegeisterten Familie wohnt, statteten wir uns mit einem beachtlichen Energieriegel-Vorrat aus (wichtig für die kommenden Bergetappen) und radelten – endlich – los! Noch vor dem Ende der Straße, in der C.s Schwester wohnt, überlegte ich, ob C. meinen Rucksack auf seinen Fahrradanhänger schnallen könnte. Und wo die Muskelwärme-Tetesept-Salbe ist. Was ich aus dem Rucksack entfernen und bei welchem Kilometerstand ich eine Pause einfordern könnte. Ich musste nicht lange warten. Wir rumpelten auf dem Schotterweg am nächsten Bergbauernhof vorbei und pfffffft…. Platten an C.s Hinterrad, das dank Anhänger besonders belastet ist. Genau 7 km geradelt. Unser Neffe Leon kommt im “Begleitfahrzeug” mit einer ordentlichen Luftpumpe und bemüht …

Kaffeefahrt mit Heizdecke

Während die Tour-de-France-Profis tausend Kilometer weiter südlich zu einer anstrengenden Bergetappe mit Dauerregen, Hagel und schwarzen Wolken aufbrechen, rüsten wir uns für die (wahrscheinlich) sommerlichste Ausfahrt des Jahres. 30° Grad. Die Sonne knallt. Mareike füllt unsere Trinkflaschen nach Rennradzeitschrift-Rezept mit Wasser, frisch gepresster Limette, Salz und Honig. Gegen mögliche Hungeräste beulen Bananen und „Freche Freunde Früchte Quetschbeutel“ unsere Trikottaschen aus. Damit wir auch wirklich genug Energie zuführen, hat Mareike (die die Strecke erstellt hat) einen Zwischenstopp in der Biobäckerei Schomakers in Rheurdt geplant. Sicherheitshalber ist die Krümelküche in Duisburg das Ziel unserer Tour. Am Bahnhof treffen wir Maren, Naomi, Leonie und Julia. Wir stellen fest, dass Rennräder und dementsprechende Bekleidung äußerst praktisch sind, um sich in Menschenmassen gegenseitig (teils zum ersten Mal ) zu erkennen. Wir rollen durch Duisburg, über den Rhein nach Homberg (erster Anstieg! Vom Deich die Brücke hoch!) und dann Richtung Baerl.  Die Nicht-Niederrheinerinnen in unserem Sechser-Peloton bewundern die Landschaft mit “Ahh”, “Ohh”, “Voll grün”, “Diese Felder” und ähnlichen Ausrufen des Wohlgefallens. Das erfüllt mich aus Gründen, die Hanns-Dieter Hüsch wahrscheinlich hätte …

Geht in die Hose. Teil III.

Auch ich habe kurze Träger-Hosen bestellt. Will endlich gebräunte Knie. Und weil es so erkenntnisreich ist, mal drei tolle, teure Hosen vor dem eigenen Spiegel anprobieren zu können, bekommt ihr alle Infos. Deshalb hier Teil 3 unserer supersubjektiven Anprobierreihe, für die wir nix geschenkt bekommen. Mein Hosen-Vergleich “Rapha gegen Assos gegen Café du cycliste”, Hosen im 200 €-Segment, fängt spannend an. Versandartikel von Rapha sind haptisch erregend verpackt. Doch gerade habe ich das feine Stöffchen der kurzen Souplesse Bib Shorts von Rapha wieder ins Beutelchen gefaltet. Leider sende ich sie doch wieder zurück. { Hosenfotos sind irgendwie kompliziert. } Produkt SOUPLESSE BIB SHORTS von Rapha, Größe M Model Flaminga Mareike. Größe M. 1,63 Meter groß, zirka 65 Kilogramm.* Test Anforderung: Eine gute Trägerhose, die schnittig sitzt, schön kurz ist, keine Beulen wirft und ein Polster hat, welches vorne keine spaltigen Falten wirft und 130 km schmerzfrei kann. (Jaaa, Beinschmerzen haben nix mit der Hose zu tun!) Die Hose von Rapha sieht gut aus in meiner Hand und ich liebe das schwarze Polster. Ich bin ein bisschen pingelig, meine Radhosen im Gemeinschaftswäschekeller rumhängen …

Habemus Höhenmeter

Ich habe die Eifel gemeinhin unterschätzt. Bis vor vier Tagen habe ich sie mir als ein düsteres, unwirtliches, bergiges Etwas voller dunkler Tannen vorgestellt, in dem eine Handvoll verschrobener Menschen in biederen Häusern wohnt. Wer hinfährt, hat Glück, wenn er überhaupt zurückfindet. Eine Folge der Serie “Pastewka” unterstreicht meinen Eindruck noch. Es ist wie das Bergische Land (düster, Schiefer, Regen) und das Sauerland (weiß man da eigentlich Genaueres?) gleichzeitig. Ich möchte mich in aller Form entschuldigen. Die Eifel ist total schön! Das erstaunt mich selbst am meisten. Aber C. und ich haben das verlängerte Wochenende mit unseren Rennrädern in Prüm verbracht und sind total angetan. Et voilà, mein Eifel-Rennrad-Erlebnis-Brückentag-Wochenende: Also zuerst hatte ich ein bisschen Angst. Ich glaube, C. auch. Allein um aus Prüm heraus auf unsere Route zu kommen, geht es krass bergauf. Wenn ich hier wohnen würde, hätte ich auf jeden Fall ein E-Bike! Wie machen die das? Endlich biegen wir auf eine ruhige Nebenstraße ab. Es wird noch steiler. Ohne Ansage. Stelle fest, dass nur zweistellige Steigungen als Schilder angezeigt werden. Oben reicht der …

Schorle und Segmente

Die Radflamingos freuen sich: Spontaner Ride am Samstagmorgen ab Kempen. Und noch spontaner hat Maren von Ichhasselaufen Bruno ins Auto gepackt und sich uns angeschlossen. Die Sonne schien, die Vögel flöteten, wir sahen fantastisch aus. Läuft. Da es sich um Nessis und meinen “Home Turf” handelte, zeigten wir natürlich auch wo’s langging und erklärten, was es so zu sehen gab (Niederrheiner erklären ja gerne). Ich erklärte, dass das da links die Abtei Mariendonk sei, sich im Gebäude rechts eine Champignonzucht befinde und dass da vorne die Niers fließe, auf der man wunderbar paddeln könne. Außerdem lief die ganze Tour  unter dem Projekt “Höhenmeter sammeln”.  Das fand Maren bestimmt sehr lustig, denn sie war gerade im Höhentrainingslager auf Mallorca und hat schätzungsweise 10.000 Höhenmeter in den Beinen. Nach ein paar Kilometern fragte Maren vorsichtig, wann denn der Berg (man beachte den Singular!) komme. Hinter dem Kloster ging es dann auch irgendwann ein bisschen bergauf. Selbstverständlich versäumte ich es nicht, Maren darauf hinzuweisen. “Aber das ist nur ein bisschen. Natürlich wird es NOCH steiler”, erläuterte ich. Kurz vor der Hinsbecker Jugendherberge nämlich. Und anstrengender wird’s auch. …

Der erste Eindruck zählt

Ich habe mich der hiesigen Hobby-Radsportgruppe angeschlossen, den Kempener Ciclisti. C. ist auch dabei. Sie sind kein Verein, sondern verabreden sich einfach per Whats App zum Rennrad- oder Mountainbike fahren. Donnerstag habe ich mich zum ersten Mal mitverabredet und war ein bisschen aufgeregt. Von C. wusste ich, dass es sich zum größten Teil um ältere, super trainierte Männer handelt. „Die sind aber entspannt und gehen danach immer zusammen Bier trinken“, betonte C. Am (wie ich dachte) vereinbarten Treffpunkt war niemand zu sehen. Da wir einen zweiten Ciclisti in Oedt abholen wollten, entschloss ich mich, dorthin zu radeln. Leider wusste ich nur sehr grob, wo Oedt liegt. Als ich die Häuseransammlung mit diesem Namen per Zufall (und nach längeren Sprints durch andere Häuseransammlungen mit Ortsnamen) getroffen habe, warteten die zwei Ciclisti dort bereits auf mich. Hallo und Willkommen, alles gut, los geht’s! H. und G. stellten sich als unkomplizierte, nette Radler mit beeindruckenden Rädern, Waden und Kondition heraus. Hinter einem steilen Berg, irgendwo bei Viersen wurde es peinlich. Für mich. “Ähm, entschuldigung, könnten wir mal kurz anhalten, …