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Läuft für die Flamingos

“Der Reinerlös der Veranstaltung fließt dem Duisburger Zoo für den Neubau eines Flamingohauses zu.” Ein Satz, der meine Aufmerksamkeit erregte. Denn wir sind selbstverständlich dabei, wenn es darum geht, Flamingos zu unterstützen. Die Sache mit der “Veranstaltung” hat nur einen klitzekleinen Haken – es handelt sich um 5,5 Kilometer, die als “Zoolauf” zu Fuß bewältigt werden sollen. Und zwar so schnell wie möglich.

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Da mussten wir uns einfach anmelden. Foto: Zoo Duisburg

Es ist kein Geheimnis, dass die Radflamingos auf dem Rennrad eine recht gute Figur abgeben. Als Joggerinnen hingegen (und auch das ist kein Geheimnis) haben die Radflamingos, freundlich formuliert, Luft nach oben. Ein schrecklicher Zwiespalt also. Wie sollen wir jetzt den Flamingos helfen? Ganz einfach! Wir machen’s wie die Bayern. Wir kaufen ein.

Jemanden, der den Marathon in 3:10 rennt, für den 10-Kilometer-Läufe genauso toll sind wie Eisdielenbesuche, jemanden der demnächst den Ironman absolviert, jemanden der uns unter die Top 50 der Mixed-Staffeln bringt, obwohl ich mitlaufe. Unsere Lösung heißt Martin. Ich verspreche Martin sehr viel Ruhm, einen großen Burger, Bier und den Ehrenflamingo-Status. Letzteres hat ihn überzeugt. Er sagt zu. Wir sind gerettet. Und die Flamingos auch.

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Der Beweis: Martin ist ein Radflamingo. Mit passenden Socken!

Es regnet sehr, als wir uns neben den grunzenden und plantschenden (und überaus niedlichen) Seelöwen zum Start aufstellen. Martin beeindruckt das null, und Mareike und D., die natürlich zum Anfeuern gekommen sind, besitzen einen schicken Schirm. Mareike stattet mich mit pinken puscheligen Pompons aus, die ich mir zu Dekozwecken an die Hose klemme. Immerhin ein bisschen bunt. Aber nichts im Vergleich zu den tollen Kostümen, in denen andere Teilnehmer hier so aufkreuzen.

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Fliegen gildet nicht! Schmetterlinge werden nicht gewertet! So!

Der Plan ist, dass ich zuerst starte, damit Martin meinen erlaufenen Verlust wieder einfahren kann. Taktisch sehr geschickt. Das Delfin-Maskottchen hüpft am Start herum, ich zucke beim Pistolenschuss erschrocken zusammen, und wir traben vorsichtig (bergab! nass!) los. Hach, schön. Es gibt so viel zu sehen.

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Hinweis: mein T-Shirt ist lila, meine Socken geringelt.

Und es ist auch kein stumpfes Kilometer abreißen wie auf der Tartanbahn (von mir gerne jeden Mittwoch unter Martins strenger Aufsicht betrieben). Etwas Obacht ist angebracht: Plötzlich führt der Weg scharf rechts auf einen Schotterpfad ins meterhohe Bambusdickicht, und ich habe Angst, von Lemuren angefallen zu werden. Dann geht’s recht steil hinauf, und wieder Vorsicht, Holz ist glitschig bei dem Wetter!

Ächz. Ist es noch weit? Warum hat meine supercoole Garminuhr keinen Empfang? Bin ich am Ziel? Nö. Hier sind zwar Ziel und Wechselzone, aber ich muss ja zwei Runden laufen. Zur Hülf! Warum bin ich gerade gesprintet? Da ich D. und Mareike hier in der Nähe mit der Kamera vermute, versuche ich zu lächeln und lässig weiterzulaufen. Nochmal die Runde. Die sehr abwechslungsreiche, aber gefühlt endlose Runde.

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Ich war immerhin stets bemüht. (Hier leider seeehr schlecht zu sehen: wie unfassbar steil es war)

Ich hänge mich an eine sehr sportlich aussehende Frau. Das ist ein bisschen wie Windschatten fahren und beruhigt mich. Dann verwechsle ich den vorletzten Anstieg mit dem letzten Anstieg vor dem Ziel. Was machen diese Berge hier im Zoo? Zungenschleifend und keuchend mache ich mich auf die letzten Meter und sprinte ins Ziel. Martin abklatschen. Der ist wahrscheinlich eher am Giraffengehege als ich am Sinalco-Stand.

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Geschafft, im doppeldeutigsten Sinne.

Nachdem ich mich erholt habe, wollen wir Martin anfeuern. Er kommt und kommt nicht. “Ich glaube, wir haben seinen ersten Durchlauf schon verpasst”, sage ich. Und tatsächlich. Als er “endlich” (fix und entspannt) herantrabt, ist dies nach 19 Minuten bereits sein Zieleinlauf! Darauf ein Wasser!

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Eben kurz die Flamingos retten. Läuft.

Dank Ehrenflamingo Martin hat die Radflamingo-Staffel Platz 39 von 142 belegt! In 29 Minuten (ich) und 19 Minuten (Martin). Und aufgehört zu regnen hat’s auch. Und damit zu meiner Lieblinsgs-Blogkategorie, den Tiersichtungen. Muhaha!

P.S. Tiersichtungen
– 4 Giraffen- 1 Herde Zebras
– 1 Schneeeule
– 1 Art Känguru
– mehrere Watussirinder
– 1 Löwen mit abgebissenem Schwanz
– Pelikane
– niedlichste Koalabären (ok, nur das Gehege)
– knopfäugige Seehunde
… und natürlich Flamingos

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Die Radflamingas, Ehrenflamingo und Flamingos (von links nach rechts).

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Ich bin Annette (41) und radel gern mit Ranger, Bonnie und Schnurri durch die Gegend. Ansonsten arbeite ich als Journalistin und Autorin und trinke gerne Kaffee. Am liebsten in netter Gesellschaft. Seit zwei Jahren habe ich ein ernstzunehmendes Radsportproblem.

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