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Fahrräder first

Bonnie und ich haben Sonntag den kompletten Autoverkehr der Düsseldorfer Innenstadt lahmgelegt. Nun, eventuell nicht ganz allein. Wir waren Teil der ADFC Sternfahrt, bei der 3000 Radfahrer ein Signal für die Verkehrswende NRW gesetzt haben. Das hat unglaublichen Spaß gemacht. Aus mehreren Gründen.

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Ich fühle mich rebellisch! (Soweit das mit Luftballon und verrutschtem Helm möglich ist)

Morgens sind Bonnie und ich zunächst nach Krefeld gedüst und haben dort die lokalen ADFC-Mitglieder (und wer sonst noch wollte, so wie ich) getroffen, um gemeinsam Richtung Düsseldorf zu fahren. Fast alle hatten wallende Haare und zeigten sich ob Bonnies lautem Leerlaufgeräusch etwas irritiert. “Aber ein Motor ist da nicht drin, oder?”, fragte eine ältere Dame, die am linken Niederrhein Touren organisiert und am liebsten “ständig” Fahrrad fährt.

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Wenn schon Demo, dann auch gegen Atomkraftwerke. Schadet ja nicht.

Zeitgleich starteten hunderte weitere Radler auf E-Bikes, Lasten- und Hollandrädern, Cross- und Tourenbikes, Bakfietsen, Liegerädern, Mountain- und Gravelbikes in Köln, Geldern, Mönchengladbach, Duisburg, Bochum, Wuppertal Richtung Landeshauptstadt. Voll fuchsiger Ortskenntnis schlängeln wir uns durch Krefeld, über Felder nach Fischeln und bis nach Meerbusch. Unterwegs stoßen immer mehr Fahrradfahrer*innen dazu.

In Düsseldorf-Oberkassel wartet schon die Polizei auf uns. In diesem Fall ist es toll, von der Polizei abgeholt zu werden. Denn die netten Uniformierten auf Motorrädern und Einsatzwagen verbieten allen anderen Verkehrsteilnehmern die Weiterfahrt, damit wir unbehelligt Richtung Stadtmitte radeln können. Selbstherrlich schaue ich mich um, während ich über die Oberkasseler Brücke fahre. Mitten auf der Straße. Genial.

Alle müssen warten, während wir klingelnd Richtung Johannes-Rau-Platz am Apollo-Theater pedalieren. Dort treffen sich alle, bevor wir später zu großen gemeinsamen Fahrt durch die Innenstadt aufbrechen.

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Fahrräder, überall Fahrräder! An Bonnie gelehnt genieße ich das zweirädrige Chaos.

Parteien sind da, der ADFC hat einen Stand, natürlich gibt es Kaffee und Pommes und vor allem jede Menge Fahrräder. Zum Beispiel die Schicke Ulla, die man sogar mieten kann:

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Lastenrad statt Auto! Nicht nur in der Stadt eine super Idee.

Und dann geht’s richtig los! Rheinkniebrücke, Oberkasseler Brücke… Klingeln, Tröten, Wummsmusik. Weil verkaufsoffener Sonntag ist, quillt die Stadt ein bisschen über. Die Fußgänger warten geduldig, winken und filmen uns. Die Autofahrer sind weniger enthusiastisch.  Ich winke ihnen umso enthusiastischer zu. Vor allem die SUV-Fahrer, die gerade aus dem unterirdischen Parkhaus kommen und im 45°Grad-Winkel (bei laufendem Motor) warten, gucken etwas sauertöpfisch. Ich freue mich.

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Der Höhepunkt ist die Fahrt durch den Rheinufertunnel. Wie Disco, nur geiler! Blaulicht zuckt durch den nur leicht erhellten Tunnel, am Rand heizt eine Sambatruppe ordentlich ein, und vor mir und meinem netten Gesprächspartner auf einem Crossbike aus Bilk, hat jemand einen Lautsprecher auf seinem Rad montiert, aus dem Technomusik hämmert, die ich plötzlich toll finde. Wir wackeln mit den Köpfen und johlen. Alle anderen übrigens auch.

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Radflamingo-Fundstück in Düsseldorf.

Nach einer knappe Stunde kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Ich male mir aus, dass viele Autofahrer jetzt denken “Wäre ich mit dem Fahrrad gekommen, wäre es schneller gewesen und der Parkplatz wäre nicht so verdammt teuer.” Genau, und mehr Spaß macht’s außerdem. In diesem Sinne entscheide ich mich dafür, auch wieder zurück nach Kempen zu radeln. Ich gebe jedoch in Meerbusch auf (die Samstags-Kilometer stecken mir auch in den Beinen) und lasse Bonnie und mich mit dem Niers-Express nach Hause kutschieren.

P.S.
Die tollen Fotos hat Sigrid gemacht. Sie fährt mit ihrer Gazelle jeden Tag durch Düsseldorf. Pro Jahr kommt sie auf etwa 6000 Kilometer. So wurde sie fast zwangsläufig zur Fahrradaktivistin. Ihre Sternfahrt-Fotos findet Ihr auch auf der Radflamingo-Facebookseite.

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