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Le Kick-off

Ich bin très aufgeregt! Erstens, weil die Tour de France dieses Jahr in Düsseldorf startet und zweitens, weil C. und ich uns für dieses super-Ereignis als freiwillige Helfer (Volunteers) gemeldet haben.

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Ich male mir täglich aus, wie toll das wird: Rasch dem Marcel beim Warmrollen die Wasserflasche reichen, nebenbei dem Journalistentross galant und polyglott alle facts & figures liefern und anschließend John Degenkolb vom Radel helfen, nachdem er sich beim Einzelzeitfahren verausgabt hat. Das war etwas optimistisch gedacht, wie ich jetzt beim Kick-off für die Volunteers, der offiziellen Vorbereitungsveranstaltung für alle freiwilligen Helferinnen und Helfer erfahren habe. Doch es wird trotzdem wahnsinnig spannend!

In zwei Schichten – immerhin haben sich etwa 1400 Volunteers gemeldet – informierten die Grand-Départ-Organisatoren an der Heinrich-Heine-Universität über Ablauf, Hintergründe und Einsatzgebiete.

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Hußmann: “Ja, wir haben während der Arbeit mit Playmobil gespielt. Aus gutem Grund.”

Thomas Hußmann hat als Sicherheits-Fachmann der Feuerwehr Düsseldorf mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Großveranstaltungen auf dem Buckel. Diese Tatsache plus seine lockere und sympathische Art, uns Fußgängerbrückenmanagement, Verkehrsknotenpunkttaktik und Flatterbandhintergrundinfo nahezubringen, haben uns beeindruckt. So einen möchte man an Bord haben, wenn in der Stadt (bei gutem Wetter) eine Million Besucher erwartet werden.

“Wahnsinn, was für eine Logistik dahintersteckt”, flüstert mir C. zu, während Thomas Hußmann erzählt, dass jede einzelne Düsseldorfer Kreuzung eine eigene Positionsbezeichnung bekommen hat und in einer Excel-Liste verschlagwortet wurde. Diese Liste ist mehrere Meter lang. Nur die Menge an Flatterband wird am Tourwochenende länger sein: Der Sicherheitschef rechnet mit 40 Kilometern (“Die auch alle wieder eingesammelt werden müssen! Die Verantwortlichen haben Mülltüten dabei.”).

Nachdem uns der coole Lego-Eiffelturm im Hörsaal schon ein bisschen auf das französische Flair eingestimmt hat, kommt Hußmann jetzt auch noch mit Playmobil an.

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“Wir haben damit gespielt, um herauszufinden, wie ein Fußgängerüberweg aufgebaut sein sollte und wie viele Menschen in welcher Zeit die Straße passieren können”, sagt er. Wenn die Radfahrer mit Tempo 70 ansausen, könnte es jedoch brenzlig werden. Deshalb gibt es zusätzlich Fußgängerbrücken (natürlich auch alle brav verortet, eingezeichnet und in der Tabelle eingetragen). Und weil Thomas Hußmann seine Besucher kennt, sind selbige bis Sichthöhe verkleidet, damit niemand auf die Idee kommt, in der Mitte für ein Selfie stehen zu bleiben. Motto: “Weitergehen, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.”

Das gilt vielleicht für die Fußgängerbrücken, aber nicht für den Kick-off-Tag. Ich schleiche mich fangirlmäßig an Sven Teutenberg heran, der in Oberkassel einen genialen Rennradladen betreibt und – noch genialer – schon einmal bei der Tour de France mitgefahren ist. So richtig echt. Als Profi ( Team Festina, 2001. Er wurde 81.). Was ich immer schon mal wissen wollte: “Hat man als Fahrer keine Angst hinzufallen, wenn die jubelnden Fans so nah an der Straße stehen?” Ich glaube, er lächelt ein bisschen milde. “Nein, man gewöhnt sich daran.” Tunnelblick und Konzentration und so.

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Das Gelbe Trikot wollte ich immer schon mal tragen. Vor allem in Gegenwart eines (ehemaligen) Radsportprofis.

Und der beste Moment der Tour? Sven Teutenberg zögert keinen einzigen Moment: “Die Einfahrt nach Paris.” Ich glaube, er hat leuchtende Augen. Rennradradsport-Leidenschaft eben. Und so war er auch nicht ganz unschuldig daran, dass der Grand Départ dieses Jahr nach Düsseldorf gekommen ist.

Zum Abschluss probiere ich die virtual reality Fahrradbrille aus. Extrem cool. Als ich “überholt” werde, trete ich (leider vergebens) in die Pedalen. Wenn ich nach unten schaue, werfe ich sogar einen Schatten. Der Wahnsinn. Dann kommt eine Kurve.

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Ich will mich elegant hineinlehnen, was natürlich nicht funktioniert. Jetzt ist mir schlecht. Dann will C. auch mal: “So ein Humbug, dass dir übel wird.” Er pedaliert, schaut sich um, dann will er sich in die Kurve lehnen.

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“Oh”, sagt C. “Mir ist schlecht.” Ich verberge ein selbstzufriedenes Grinsen. Dann wanken wir mit unserer Kick-off-Ausstattung (T-Shirt, Flyer, Aufkleber) Richtung Altstadt und stoßen auf den Grand Départ an.

Die Radflamingos sind angefixt! Le Countdown läuft!

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