Räder
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Überwintern mit den Radflamingos. Teil 5. Hochrad kommt vor den Fall.

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Das Deutsche Fahrradmuseum hielt ein paar Schätzchen parat. (Dieses Foto widme ich übrigens Uwe P., der sich immer ein Bonanzarad gewünscht hat, aber keines bekommen hat, weil er sonst “bei der Radtour nach Orsoy hinterherbleiben würde”.)

Am Wochenende folgte ich der freundlichen Einladung* der Messe Essen (danke an dieser Stelle) und erkundete mit C., was die (zumeist) nordrhein-westfälische Fahrradwelt so zu bieten hat.

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Meine Fahrradwunschliste wächst und wächst.

Oh yay, ein cooler Mountainbike-Hindernisparcours! Ich renne aufgeregt hin. Doch er war lediglich für Sechs- bis 14-Jährige gedacht. C. lenkte mich schnell ab: „Guck mal, bunte Reifen“ und „Schau hier, Prospekte übers Lahntal. Da wollen wir doch eine Wochenendtour machen.“ Aber dann, ha! Auf einem großen Testfeld konnte auch ich Fahrräder ausprobieren, Liegeräder zum Beispiel.

Ich hege große Skepsis gegenüber Liegerädern. Naja, Vorurteile trifft es wohl eher. Liegeräder werden von Sozialkundelehrern in Cordhosen und Parteimitgliedern der Grünen gefahren. Und sehen kann man sie auch nicht, wie sie da so flach über den Boden eiern. Und bequem sollen die sein?! Wohl kaum, man kann ja nicht mal vernünftig auf diesen Teilen trampeln.

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Erst jetzt fällt mir auf, dass es sich um ein E-Liegerad handelt.

Tja nun. Ich nahm auf einem dieser Gefährte Platz. Glitzernd blau und … okay… unfassbar bequem. Erst an der Schaltung fiel mir auf, dass es auch noch ein E-Liegerad war. Pah! Wer braucht denn sowas? Schwächelnde Sowilehrer die zur Fraktionssitzung fahren? Also ich sicher nicht.

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Gut zu lenken, einfach zu bedienen.

Ich trete in die Pedale. Erst schwer und dann schwupp. Weg da! Verlängert das Testcenter! Ich will weiter sausen! Immer weiter. Egal wohin. Das ist ja herrlich. Ich lege mich in die Kurve und habe ein bisschen Angst, umzukippen. Natürlich nehme ich auch die Rampe mit Bravour und winke mit fliegenden Haaren und einem breiten Lächeln C. zu, der am Rand steht und leicht fassungslos auf Film bannt, wie ich Kinder auf Kinder-Liegerädern in den Kurven schneide und mir mit ihnen auf der Geraden Rennen liefere. Dann werde ich herausgewunken. „Die anderen wollen auch mal.“

C. zum Beispiel. Er testet ein Liegerad („Cool“) und so einen Tretroller, von dem er schon lange phantasiert („Wackelig, eher komisch“). Dann steht da noch ein Liegerad-Fahrrad-Tandem, das geradezu danach schreit, von uns beiden getestet zu werden.

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Fazit: “Mäßig”, sagt C.

Ich fläze mich auf den Vordersitz und C. tritt in die Pedale. Das tue ich auch, bin aber dabei von C.s Rhythmus abhängig. Das Teil geht ganz schön in die Kurve, Hammer. Wer eine Alternative zum Freizeitpark sucht, muss damit wahrscheinlich nur Berge fahren. Dann tauschen wir die Plätze. Das funktioniert erst beim dritten Versuch, und ich schaffe es kaum, meine Ladung (C.) sicher geradeaus zu steuern.

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Sehr geschmeidig! Lest mal diesen Blog: www.totallytandem.com

Dann lernen wir Richard Zymelka von www.extrawheel.de kennen. Oder vielmehr: C. lernt Richards Erfindung kennen und wir kommen ins Gespräch. C. liebt Fahrradanhänger, und Richard hat einen Anhänger für die “Treter” von www.Elliptigo.de erfunden. Super einfach zu montieren, laufen leicht und ruhig, und an den Seiten kann man die Satteltaschen befestigen.

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Praktischer, leichtläufiger Hänger (links), erfunden von Richard (rechts).

Diesen Hänger von Richard gibt es natürlich auch in groß und für alle Fahrräder „Wer richtig lange Touren macht, kann damit zum Beispiel ein Ersatzrad transportieren“, sagt er. Als ihm die Idee kam, das auch für ElliptiGO zu machen, fanden die Hersteller das super, und Richard flog nach Kalifornien, um sie ihnen vorzustellen. „Ich habe lange getüftelt und ausprobiert. Mir war wichtig, dass einerseits die Qualität gut war, aber dass sich auch Otto Normalverbraucher das Produkt leisten kann“, betont er.

Die Wunschliste wächst also um ein “Speed-Trike mit rassigem Stufenheck” aka E-Liegerad (ich) und um einen Fahrradanhänger von Richard (C.). Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich nicht auch noch verlieben würde. Doch zunächst stelle ich am Stand des Deutschen Fahrradmuseums meine Risikobereitschaft, Mut, Tüchtigkeit und Geschicklichkeit unter Beweis: Ich fahre mit einem Hochrad!

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Wieso wurde das nicht in niedrig erfunden?

Der freundliche Museumshelfer hält das Rad fest, während ich den linken Fuß auf eine kleine Stange stelle und mich hochschwinge. Hoch. Genau. Das Wort der Stunde. Hilfe! „Nicht nach unten gucken, sondern nach vorne. Und rund treten.“ Kann ich. Mach ich. Lenken läuft so suboptimal. Mein Helfer führt mich sacht in eine Kurve und kurz bevor ich in die Absperrung krache, hält er mich an.

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Ich, wie ich das mit dem runden Tritt richtig mache.

„Wirklich sehr gut“, lobt er. „Die letzten Meter bist du völlig allein gefahren.“ Brühwarm berichte ich C. wie toll ich das alles gemacht habe und entdecke dann meine neue (eine weitere) große Liebe: einen froschgrünen Schwinn Cruiser.

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I am in love. Swoooosh…

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Wooohoooo…

P.S. Tiersichtungen
– keine. Die waren auf der Messe verboten.

*Einladungen zu branchenwichtigen Events bedeuten: Man hat es geschafft. Oder? Oder?!?

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3 Comments

    • Annette says

      Hallo Herr Herloch, danke! Ich bin immer noch etwas überwältigt vom “Fahrvergnügen” und bin nun auch der Meinung, dass weder Beruf, Parteizugehörigkeit oder Cordhosen für so ein Gefährt nötig sind. ;.) Liebe Grüße und viel Spaß beim “pensionierten” Radeln!

  1. Bin ja was Liegeradfahrer angeht auch nicht ganz vorurteilsfrei, aber ich habe schon seit längerem den festen Vorsatz, es irgendwann mal zumindest auszuprobieren.

    Ob ich mich auch aufs Hochrad getraut hätte, schwer zu sagen, hinge wohl von der Tagesform ab. An guten Tagen bin ich ja ziemlich schwindelfrei, aber manchmal hat man auch nur so mittelgute.

    Auf jeden Fall wieder ein sehr lehrreicher Bericht!

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