Unterwegs
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Der Wendekreis der Radflamingos

Die Radflamingos, Lali Banani*, Giulia und Leonie sind am Sonntag zu ihrer seit Monaten geplanten Pommes-Tour aufgebrochen. Ziel war es, das kartoffelstäbchenherstellende Nachbarland zügig mit den Rennrädern zu erreichen und sich dort die wohlverdienten Patatjes selbstzufrieden einzuverleiben.

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Nun. Soweit der Plan. Mareike war beim dritten Kaffee, ich schnuppte Schokolade und Leonie und Giulia ernteten eifrig Weintrauben aus unserem Garten. Irgendwie mussten wir die Zeit ja überbrücken, nachdem Lali mit einem kryptischen Anruf ihr Zuspätkommen ankündigte. Irgendwas mit Kette, kaputt, Kempener Weg.

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Aufgepumpt, gecheckt, beladen. Eigentlich könnten wir losradeln. Eigentlich.

C. war lieb, setzte sich ins Auto, und versuchte Lali anhand der dürftigen Ortsangaben zu lokalisieren. Und zwar schon seit einer Dreiviertelstunde. Wir vier bewegten uns beinahe schon am Rande des Fresskomas, als die beiden endlich ankamen.

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Merke: Einweghandschuhe sind deine Freunde!

C. hievte Lalis wunderschönes Specialized Ruby aus dem Kombi, und Lali trug die Fahrradkette in ihren ölschwarzen Händen. Ruby bekam ihre Kette (repariert) zurück, und die Schaltung funktionierte wieder. C. bot Lali Waschseife und uns Einweghandschuhe an, falls es unterwegs Probleme geben sollte.

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Mal einfach die Kette wieder dran machen. Klaro. Kein Problem.

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C. und Mareike helfen. Lexas Kette dient als Vergleichsobjekt.

Doch während der internationalen 65 Kilometer-Tour mussten wir uns Gott sei Dank mit keinerlei technischen Problemen mehr herumschlagen. Selbst der Garmin, der uns leitete (danke für die Tour übrigens, Peter von den Ciclisti Kempen), war brav. Und als ich einmal zweimal dreimal zur abrupten Richtungsänderungen aufrief, lag das an der, hm, tiefstehenden Sonne. Oder so.

Diese Richtungswechsel bringen uns zum nächsten Thema – dem Wendekreis. Diesbezüglich hatte Mareike eine Erkenntnis. Sie, Mareike, wisse jetzt, warum sie immer länger brauche, um zu uns aufzuschließen, wenn wir wegen einer Falschansage umdrehen müssten. Es liege an ihrem Wendekreis. Der sei komplett andersherum als unserer. Weil sie „goofy“ sei mit ihrer Pedale. „Also Ihr klickt immer zuerst mit links aus. Ich mit rechts“, erklärte Mareike. Und deshalb drehe sie mit Lexa auch immer ihre Korrektur-Kurve in einem anderem Bogen als wir.

Weitere Themen an diesem Sonnensonnensonnenseptembersonntag: der Wind. Der kam nämlich von hinten. Aus unerfindlichen Gründen sogar die ganze Zeit. Nachdem uns ein als Radweg deklarierter  Baumwurzel-Trail auf die Landstraße trieb und wir hübsch hintereinander und flott bis Arcen kurbelten, stoppten uns im dortigen Wald Feen, Zauberer und Elfen. Zeit also für einen Reality-Check und einen Zwischensnack in Form von Früchte-Quetschbeuteln.

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Liebe Quetschbeutel-Hersteller: Sucht Ihr zufällig noch total kompetente Produkttester?

Wir wurden von einem übereifrigen Ordner verscheucht, und fanden uns bald auf einer winzigen, niedlichen Fähre wieder, die uns über die Maas schaukelte. Der netteste und wahrscheinlich älteste Fährmann ever bat direkt um ein Handy, um uns zu fotografieren. Wir waren entzückt und strahlten geschmeichelt.

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Schwupp sind wir drüben. Leider haben wir den netten Fährmann nicht fotografiert, aber man sieht seinen Schatten.

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“So und jetzt alle lächeln” (In niederländischem Akzent gesprochen)

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Der Fährmann fotografierte gnadenlos und aus allen Winkeln.

Im Spargeldorf Grubbenvorst, hinter der (wirklich nach Rosen duftenden) Rosenstadt Lottum, dann endlich – POMMES! Mareike und ich waren zunächst sehr irritiert, dass wir als einzige tatsächlich (und “fließend” Niederländisch, schließlich galt es, jüngere Radlerinnen zu beeindrucken) patatjes bestellten. Doch die drei besannen sich rasch, und wir aßen alle gemeinsam aus den mehr als groot zu bezeichnenden Pommestüten.

Äußerst entspannt radelten wir weiter nach dem Motto “Sie haben Ihr Ziel erreicht.” Denn das hatten wir ja. Ich dirigierte uns durch Venlo und dann immer bergauf (!), bis zum Wohnviertel und der Heide mit dem Segelflugplatz. Fun fact: Einer von den AC/DC Typen (ja, von der Band) wohnt in Venlo, weil seine Frau Niederländerin ist.

Mareike riet mir, mein Strava-Segment “Parallel zur Lagune sausen”, besser nicht zu erwähnen. Ich sagte ihr, dass ich das für eine kluge Idee hielte. Schließlich reicht es, dass Maren sich dort das Krönchen geschnappt hat. So wie Leonie, Giulia und Lali fahren, hätte ich mich wohl bald noch weiter hinten auf der Rangliste wiedergefunden.

Zuhause indes war C. nicht untüchtig geblieben, und so verspeisten wir auf der Terrasse frischen Apple-Crumble und überlegten, wohin uns unsere nächste Tour führen soll (Vorschläge, anyone?)

 

P.S. Tiersichtungen
– 2 wilde Rauhhaardackel
– 1 Ork (zählt nicht, weil streng genommen kein Tier und weil auch leider das Beweisfoto fehlt).

*Lali ist die Abkürzung für Lalena. Ihre Eltern haben sich coolerweise vom gleichnamigen Deep-Purple-Song inspirieren lassen. Banani spielt auf ihre Lieblingsspeise Bananen an, von denen selbstverständlich mehrere in ihrem Trikot steckten.

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Ich bin Annette (41) und radel gern mit Ranger, Nessi und Schnurri durch die Gegend. Ansonsten arbeite ich als Journalistin und Autorin und trinke gerne Kaffee. Am liebsten in netter Gesellschaft. Seit einem Jahr bin ich Rennradbesitzerin und süchtig.

2 Comments

  1. Mareike Engelke says

    Annette, das hast Du wunderbar beschrieben. Den Ork habe ich gar nicht gesehen, wo war der denn? Schön, dass Du den Richtungswechsel erläutert hast. Mein Problem besteht nämlich immer darin, dass ich dann rechts ausgeklickt bin, aber links rum muss, weil rechts ja meistens nur Bordstein ist. Und in die Richtung kann ich mich dann ja nicht fallen lassen. Kennt irgendwer dieses Problem???

    • Annette says

      Der Ork hat mir im Arcener Wald (Feen, Elfen, Gestalten) Angst eingejagt. Er hockte am Straßenrand. Dein Problem kenne ich übrigens nicht, aber ich bin seeeehr froh, dass ich es adäquat beschreiben konnte!

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