Kleiderschrank
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Geht in die Hose. Teil I.

„Feuchtigkeitsmanagement für mittellange Strecken“ ist mein neuer Lieblingsausdruck. Wie Ihr sicher sofort bemerkt habt, geht es dabei um Fahrradhosen für Frauen. Mareike und ich haben nämlich welche bestellt und getestet. Wir wurden nicht bezahlt, gesponsert, haben nichts erhalten – es hat sich einfach so ergeben. Wir brauchen neue Fahrradhosen. Da liegt es natürlich nahe, unsere Anprobier-Erfahrungen mit Euch zu teilen. Unsere supersubjektiven Testergebnisse könnt Ihr in loser Reihenfolge hier lesen.

Die leicht unscharfe Vorderansicht.

Die leicht unscharfe Vorderansicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass es unfassbar schwer ist, Radlerhosen vernünftig zu fotografieren. Zumindest für mich. Am besten, Ihr schaut sie Euch auf den Links nochmal genauer an.

Zurück zum „Feuchtigkeitsmanagement“. Mein heutiges Testobjekt besitzt nicht nur selbiges, sondern das Sitzpolster (aus „perforiertem und offenzelligen Schaum mit hoher Dichte“) „vermindert durch einen zentralen Kanal die Taubheitsgefühle und fördert die Durchblutung“. Unfassbar! Dös nenn i fei bayerische Ingenieurskunst. Doch es geht weiter: „Die Becken-Zone unterstützt die Beckenrotation“. Cool, die Hose macht mich also schneller; ich kann meine Trittfrequenz erhöhen? Fällt das eigentlich unter Doping? Ist ja auch egal. Denn ich will doch bitteschön nur eins: dass das Ding gut sitzt!

Doch zur Sache:

Produkt
GORE BIKE WEAR BIKE WEAR POWER 3.0 Damen Trägerhose (Größe 38)
Model
Flaminga Annette. Kleidergröße 36 bis 40. 1,70 Meter groß, zirka 60 Kilogramm leicht.*

Test
Ich wollte unbedingt was mit Trägern, weil’s dann am Rücken nicht zieht. Außerdem sitzt dann alles besser. Die Bike Wear Power 3.0 (warum haben die eigentlich so blöde Namen?) fand ich sofort gut, weil sie schlicht schwarz ist und so hübsche gestreifte Abschlüsse am Bein und an den Trägern hat. Und bei Gore, das weiß man schließlich, kriegt man Qualität. Zudem sind 119 Euro (Rose) echt akzeptabel, die Hose wird schließlich ein paar Jahre halten.

Foto 2-1

Schwarz mit ein bisschen bunt gestreift. Genau mein Ding.

Mein Eindruck: Sieht prima aus. Untenrum sitzt alles super. Nichts drückt oder schneidet den Schenkel ein. Polster vielversprechend. Damit komme ich weit. Aber obenrum! Nein! Geht gar nicht. Die löbliche Idee, einen Quer-Reißverschluss anzubringen („Patentiertes zwei Reißverschlusssystem zum leichten Öffnen für die Bio-Pause“) wird bei mir zum ausschlaggebenden Kriterium für’s Zurücksenden. Ich muss ehrlicherweise dazu sagen, dass es mich auch nicht stört, in „Bio-Pausen“ rasch das Trikot über den Kopf zu schieben. Ich will Trägerhosen, wie erwähnt, damit’s am Rücken nicht zieht.

Foto 3

Das inakzeptable Zugluft-Kälte-hineinfließ-Loch am Rücken.

Durch das Reißverschlusssystem bedingt entsteht jedoch am Rücken ein Loch. Nö. Genau das wollte ich ja nicht. Und wenn ich die Träger vorne zusammenhake (das geht nur sehr fummelig), bildet sich ein weiteres „Loch“, durch das mein Bauch extremst unschön hervorquillt. Jawohl. Er quillt und schwabbelt, und ich fühle mich unsportlich und fett. Will ich nicht. Die Träger sind dünn und rollen sich ein bisschen ein. Schade, denn unten hat’s so gut angefangen. Für alle, denen Zugluft egal ist: Es gibt diese Hose auch noch ohne Träger.

Foto 4

Ist der Haken (endlich) zu, entsteht ein weiteres Loch. Macht _jeden_ Bauch unattraktiv. Ich hätte da lieber Windstopper-Zeug.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: sehr gut
Passform: sehr gut (unten), ausreichend (oben)
Coolness: gut (unten), mangelhaft (oben)
Umwelt & Gewissen: laut Webseite hervorragend , hergestellt allerdings in China
Werbung: —
Bestellabwicklung: sehr gut (Roseversand)

Links
Roseversand
Gore

*Findet Ihr das auch immer so ätzend, wenn in Onlineklamottenshops steht „Model Kimberley ist 179 Zentimeter groß und trägt Größe 34“? Das ist ein weiterer Vorteil unserer Testreihe: Wir haben voll die Normalo-Figuren.

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Ich bin Annette (41) und radel gern mit Ranger, Bonnie und Schnurri durch die Gegend. Ansonsten arbeite ich als Journalistin und Autorin und trinke gerne Kaffee. Am liebsten in netter Gesellschaft. Seit zwei Jahren habe ich ein ernstzunehmendes Radsportproblem.

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